Man kann den Klimawandel auch optimistisch bekämpfen

  • Auch nach dem Klimapaket der GroKo und dem Klimagipfel der UN erhitzt die Klimapolitik die Gemüter.
  • Neue Umfragen zeigen, dass davon Grüne und AfD profitieren. Wieder ein Thema, das die Gesellschaft spaltet?
  • Das muss nicht sein, kommentiert Steven Geyer. Erfolgreiche Klimapolitik muss gegen Benzinwut und Gelbwesten vorbeugen – indem sie eine Nummer größer denkt.
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Auch nach dem Klimapaket der Bundesregierung und dem Klimagipfel der Vereinten Nationen erhitzt kein Thema die Gemüter der Deutschen derzeit wie der Klimaschutz – Umfragen zeigen das.

Die jüngsten Umfragen zeigen nun auch, dass davon erneut die Parteien mit den klarsten Botschaften profitieren: die Grünen als stärkste Klimaschützer und die AfD als lautstärkster Klimaschutzgegner.

Passend bekannte sich nun die Grünen-Chefin Annalena Baerbock dazu, zwecks Klimaschutz auch zu Verboten greifen zu wollen – während zeitgleich AfD-Chef Alexander Gauland zugab, den Unmut vieler Deutscher über die Klimadebatte künftig gezielt auszuschlachten.

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Die dritte Krise, die die AfD ausschlachtet

Wie schon bei Euro- und Flüchtlingskrise hat die AfD keine eigenen Lösungen, sondern überlässt die den verhöhnten „Altparteien“. Die können daraus immerhin eines lernen: So lange man ein Problem kleinredet und aussitzen will, so lange werden Populisten das ausnutzen.

Doch wenn es darum geht, die Klimakrise zu lösen, ist das leichter gesagt als getan. Auch darauf finden sich in den neuen Umfragen Hinweise: So teilt eine Mehrheit die Kritik, das Klimapaket gehe nicht weit genug. Andererseits lehnt eine Mehrheit es ab, zum Wohle des Klimas mehr fürs Benzin zu bezahlen.

Die Krux an der Klimapolitik

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Das ist die Krux an der Klimapolitik: Natürlich hat es viel zu lange gedauert, den nötigen Umbau von der fossilen in eine klimafreundliche und zugleich soziale Marktwirtschaft einzuleiten. Natürlich wird er immer noch nicht so grundsätzlich angegangen, wie es nötig wäre – genannt seien die noch immer zu zentralistisch betriebene Energiewende und die verschlafene Verkehrswende.

Zugleich aber muss der Umbau so geschehen, dass er keine Heerscharen an Verlierern hervorbringt, die sich voller „Benzinwut“ den Populisten anschließen. Diese Einschränkung macht das Projekt derart anspruchsvoll, dass die Sorge berechtigt ist, ob es für eine in Legislaturperioden denkende Politik eine Nummer zu groß ist.

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Nötig wäre ein Masterplan

Denn nötig ist nicht ein Bündel an Einzelmaßnahmen, sondern ein Masterplan, der gesellschaftlichen Wandel verbindet mit einer klugen Mischung aus Förderung und Verboten, die die Wirtschaft zur Veränderung zwingen.

Video
Das Klimapaket der Bundesregierung
1:59 min
Nach langen Verhandlungen hat die Bundesregierung ein Klimapaket mit Zielen bis 2038 für CO₂-Emissionen und erneuerbare Energien vorgestellt.  © AFP

Klimaneutrale Treibstoffe werden erst forciert werden, wenn die Alternativen zu teuer sind. Ersatz für Fleisch und Billigflüge ist längst da – ist er ausgereift, würde man kaum Verluste verspüren. Wer würde schon Dauerpendeln einer Videokonferenz vorziehen, wenn die einfach und störungsfrei ist? Wer auf Atom- und Kohlekraft setzen, wenn man Sonnenenergie speichern kann?

Die Industriegesellschaften haben in den letzten Jahrhunderten immense Fortschritte geschafft: technisch, dann sozial, in jüngster Zeit auch ökologisch. Auch dem Klimawandel kann man sich optimistisch entgegenstellen – solange man zugleich nachdrücklich bleibt und unerwünschte Nebenwirkungen minimiert.