Mali: Vizepräsident setzt inhaftierte Regierungsführer ab

  • In Mali hat der Vizepräsident Assimi Goïta Übergangspräsident Bah N’Daw und Ministerpräsident Moctar Ouane inhaftiert und abgesetzt.
  • Die beiden Politiker wurden in ein Militärcamp gebracht.
  • Die UN verurteilt die Inhaftierung der Staatsmänner scharf.
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Bamako. Malis Vizepräsident Assimi Goïta hat Übergangspräsident Bah N’Daw und Ministerpräsident Moctar Ouane nach ihrer Festnahme abgesetzt. Goïta, der ehemalige Anführer eines Militärputsches im August 2020, verkündete die Entscheidung am Dienstag über den staatlichen Radiosender ORTM und versprach Neuwahlen für 2022.

N’Daw und Ouane wurden am Montagabend, kurz nach der Verkündung eines neuen Kabinetts, festgenommen und in ein Militärcamp in Kati 15 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bamako gebracht. Die internationale Gemeinschaft, einschließlich der UN, Deutschland und Frankreich verurteilten die Inhaftierung scharf und forderten die umgehende Freilassung der beiden Staatsmänner.

Militär besetzte wichtige Ämter des Kabinetts

Das Militär hatte in dem am Montag verkündeten neuen Kabinett wichtige Ämter besetzt. Zwei hochrangige Militäroffiziere der Militärjunta, die im August Präsident Ibrahim Boubacar Keïta gestürzt hatte, wurden jedoch ausgeschlossen. Auch Keïta war damals festgenommen und nach Kati gebracht worden.

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Eine Übergangsregierung, geführt von N’Daw und Ouane, sollte nach dem Putsch im August Reformen und demokratische Wahlen einleiten.

Frankreich droht mit Konsequenzen

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Frankreich will den Fall vor den UN-Sicherheitsrat bringen. „Frankreich verdammt mit der größten Entschlossenheit diesen Gewaltstreich“, sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian.

Le Drian forderte die „Freilassung der Autoritäten“ - der zivile Charakter des Übergangs in dem Land müsse gewährleistet bleiben. Zudem drohte er militärischen und politischen Verantwortlichen mit - nicht näher ausgeführten - Sofortmaßnahmen, falls dieser Kurs verlassen werde. Er sprach von einer „ernsten Lage“ in Mali.

Die einstige Kolonialmacht Frankreich hat im westlichen Afrika erhebliche Sicherheitsinteressen. Das Land kämpft im riesigen Sahel-Gebiet mit rund 5100 Soldaten gegen islamistische Terrorgruppen.

RND/dpa

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