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Wagner Group soll an Massaker in Mali beteiligt sein

Wie russische Söldner in afrikanischen Ländern ein Vakuum füllen

Bamako ist die Hauptstadt von Mali.

Bamako ist die Hauptstadt von Mali.

Pretoria. Es sollte eine Offensive gegen Islamisten werden, doch am Ende starben Hunderte Zivilisten. Menschenrechtler werfen Malis Armee ein „Massaker“ in der Kleinstadt Moura Ende März vor. Dabei seien die Soldaten der Militärjunta nicht allein gewesen: Russische Söldner sollen an den Menschenrechtsverbrechen beteiligt gewesen sein – wie auch in anderen Ländern Afrikas.

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Malis Armee hatte 2020 die zivile Regierung in Bamako gestürzt. Dieser hatte sie Inkompetenz im Kampf gegen die Dschihadisten vorgeworfen, die sich seit Jahren in der Sahelregion ausbreiten. Moura, im Herzen Malis, gilt als eine der Konflikthochburgen. Hier holte die Militärjunta in der letzten Märzwoche zu einer „großen Luft-Land-Offensive“ gegen die Islamisten aus. 200 Extremisten seien dabei getötet worden.

Augenzeugen, Menschenrechtler und ‑rechtlerinnen und Diplomaten vor Ort bestreiten diese offizielle Version jedoch. Sie werfen Malis Armee ein tagelanges Massaker vor, bei dem zwischen 200 und 400 Menschen, größtenteils Zivilisten und Zivilistinnen, erschossen worden seien. Erst hätten die Sicherheitskräfte willkürlich aus Helikoptern in die Menge gefeuert, anschließend hätten sie Bewohnende in Gruppen zusammengetrieben und verhört. Corinne Dufka, Sahel-Direktorin von Human Rights Watch (HRW), spricht von „bewusstem Abschlachten von Gefangenen“. Die UNO führt mögliche Kriegsverbrechen an.

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Durch zahlreiche Quellen belegt

Unterstützt wurde der blutige Armeeeinsatz laut zahlreichen Quellen von der berüchtigten Wagner Group. Das private Sicherheitsunternehmen mit engen Verbindungen zu Wladimir Putin schickt russische Söldner in Kriegs‑ und Krisengebiete weltweit. „Sieben Russen kamen zu uns rüber und scheuchten uns auf. Sie hatten zu dem Zeitpunkt keinen malischen Soldaten bei sich“, berichtet ein Überlebender von Moura, der bei dem Blutbad zwei Brüder verlor.

Malis Kooperation mit russischen Söldnern: Baerbock fordert sofortiges Ende

Die Außenministerin betonte bei ihrem Besuch, dass ein klares Bekenntnis zur Demokratisierung gebraucht würde – dazu zählt sie vor allem Wahlen.

Die Militärjunta bestreitet die Präsenz der Russen. Ein Politologe in Bamako wollte aus Angst vor den Armeemachthabern keine Einschätzung abgeben: Die Lage unabhängiger Beobachter sei „heikel“, Regimekritiker würden „mundtot gemacht“. Unterdessen berichtet das Magazin „The Africa Report“ von einem Massengrab nahe des Anschlagsorts. Die Zeitschrift zitiert einen westlichen Diplomaten: „Seit Wagners Ankunft in Mali setzt man auf eine Terrorstrategie, um den Menschen einzutrichtern, nicht mit den Dschihadisten zu kooperieren. Sicher wollten sie mit Moura ein Exempel statuieren.“

Auch in anderen afrikanischen Ländern sind die Söldner aus Russland tätig. Erst letzten Monat unterstellte die amerikanische, britische und norwegische Botschaft im Sudan der Wagner Group, Desinformation in sozialen Medien zu streuen und illegal am Goldabbau im Land beteiligt zu sein. Auch in Angola, Libyen, der Demokratischen Republik Kongo, Mosambik und Madagaskar überwachten die russischen Kämpfer Bergwerke oder unterstützten die Armeen, hieß es im Januar vom südafrikanischen Institut für Sicherheitsstudien (ISS). In der Zentralafrikanischen Republik schlugen die Söldner letztes Jahr einen Rebellenaufstand nieder. Somit verhinderten sie die Entmachtung von Präsident Faustin Touadera. „Sie sorgten für Sicherheit, wie sie die Zentralafrikanische Republik schon lange nicht gesehen hatte. Damit schafften sie das, woran andere Außenstehende gescheitert waren“, so das ISS.

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Vergangenen Dezember verhängte die EU Sanktionen gegen die Wagner Group. Die Firma entsende Personal „um Gewalt zu schüren, natürliche Ressourcen zu plündern und die Zivilbevölkerung einzuschüchtern“, wobei sie gegen das Völkerrecht verstoße, hieß es. Etliche Beobachtende sind jedoch besorgt: Russland fülle ein Vakuum in einigen Ländern Afrikas, das der Westen durch schwindendes Engagement schaffe. Zunehmend ziehen sich Frankreich und andere EU-Staaten aus Ländern wie Mali zurück. Das hinterlässt geopolitische Spuren: Länder, in denen die Wagner Group tätig sein soll, enthielten sich bei der UN-Resolution gegen Russland im März überwiegend ihrer Stimme.

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