Mal eine Dosis guter Nachrichten

  • Vor lauter aufgeregten Detaildebatten übersehen wir mitunter das Positive.
  • Heute wird in Europa ein dritter Impfstoff zugelassen.
  • Und die Inzidenzkurven zeigen endlich wieder deutlich nach unten.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

heute Nachmittag, wohl gegen 15 Uhr, wird in Europa ein dritter Impfstoff gegen Covid-19 zugelassen. Das ist eine gute Nachricht – unabhängig von allem Getöse, das in den letzten Tagen rund um Astrazeneca gemacht wurde.

Viele ziehen die Stirn kraus. Denn das neue Mittel soll nach vorab bekannt gewordenen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts nur bei 18- bis 64-Jährigen angewendet werden. „Zur Beurteilung der Impfeffektivität ab 65 Jahren liegen aktuell keine ausreichenden Daten vor“, schreibt die Stiko.

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Dies könnte tatsächlich eine Änderung der deutschen Impfstrategie nach sich ziehen. Die allerdings war vielleicht auch nicht unbedingt der Weisheit allerletzter Schluss. Mittelalte und Jüngere könnten mit Astrazeneca nun etwas früher immunisiert werden als bislang geplant. Aber ehrlich gesagt: Was wäre daran schlecht? Karl Lauterbach, SPD-Politiker und Epidemiologe, empfiehlt genau diesen Schritt.

Erst Euphorie, dann Enttäuschung

Ja, wir müssen weiter improvisieren. Und ja, bis auf Weiteres ist der Impfstoff knapp. Vor lauter Krisengerede aber übersehen wir mittlerweile oft das Positive.

Als im Dezember der erste Impfstoff zugelassen wurde, glaubten viele Deutsche, hinter der nächsten Kurve sei schon das Ende der Pandemie erreicht. Dass es anders kam – und warum es anders kam –, erläutert heute unser Autorenteam Eva Quadbeck, Kristina Dunz, Daniela Vates, Tim Szent-Ivanyi und Damir Fras in einem großen Frage-Antwort-Stück.

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Die anfängliche Impfeuphorie war ebenso übertrieben wie die jetzige Impfdüsternis. Es gibt zum Glück auch hier einen Weg in Richtung Immunisierung: einfach mal den vorherigen objektiven Zustand mit dem inzwischen erreichten objektiven Zustand vergleichen.

Noch im vorigen Frühjahr, als erstmals die Infiziertenzahlen hochschossen, gab es überhaupt keinen Impfstoff. Monatelang hieß es, dessen Entwicklung könne erfahrungsgemäß mehrere Jahre dauern. Inzwischen aber gibt es schon drei wirksame Vakzine, und zwei weitere könnten noch hinzukommen, von Curevac in Tübingen und dem US-Konzern Johnson & Johnson.

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Es geht voran, wenn auch langsam

Gönnen wir uns zum Ende dieser Woche eine Dosis guter Nachrichten:

1. Ein neues Biontech-Werk in Marburg hilft wohl schon von Februar an bei der Produktion des Wirkstoffs. Der Umbau lief in Rekordzeit, gestern Abend erteilten die hessischen Behörden die letzten arzneimittel­rechtlichen Genehmigungen.

2. Die bislang verabreichten zwei Millionen Corona-Impfungen in Deutschland wurden gut vertragen. Nach einer Studie des Paul-Ehrlich-Instituts gibt es kaum Nebenwirkungen, die Rede ist von nur „0,1 Meldungen pro 1000 Impfdosen“.

3. Die Wirkstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna wirken nach amerikanischen Studien auch gegen die britische Virusmutation – die jetzt in Köln in vier Kitas auftrat.

4. Studien aus Israel belegen eine sehr hohe Wirksamkeit von Biontech/Pfizer: Weniger als 0,01 Prozent der Geimpften infizierten sich mit dem Virus, von ihnen wiederum musste niemand ins Krankenhaus.

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5. In Deutschland stieg laut Allensbach der Anteil der Impfbereiten seit Mitte Dezember von 52 auf 63 Prozent.

6. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland ist erstmals seit drei Monaten wieder unter den Wert von 100 gefallen. Sie liegt jetzt bei 98,1. In Niedersachsen melden ein Dutzend Landkreise bereits Werte unter 50. Und Aurich, ganz im Nordwesten, grüßt als bundesweit bester Landkreis mit einer Inzidenz von nur noch 18,5.

7. Ein neuer Spieler macht sich bereit für den Einsatz: Der Corona-Impfstoff von Novavax befindet sich in der finalen Testphase und bietet Aussicht auf 89 prozentigen Schutz. Auch bei Virusmutationen soll er wirken, wenn auch weniger effektiv.

Der Tag Wissen, was der Tag bringt: Erhalten Sie jeden Morgen um 7 Uhr das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Zitat des Tages

Es muss weiter daran gearbeitet werden, die Hetze in den sozialen Netzwerken früher und entschlossener zu unterbinden. Auch die Freiheit im Internet hat ihre Grenzen, wenn sie dazu führt, dass Menschen ermordet werden.

Wolfgang Schäuble, Bundestagspräsident, gestern Abend im ZDF zum Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Der Haupttäter wurde gestern zu lebenslanger Haft verurteilt.
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Wohin mit den zu lang gewordenen Locken im Lockdown? Weil die Friseursalons in Deutschland noch geschlossen sind, in Luxemburg aber nicht, erlebt der Kleinstaat einen großen Ansturm von Deutschen. Friseurmeisterin Doris Fuchs aus dem benachbarten Trier fürchtet um die Existenz ihres Ladens und fühlt sich „verarscht“: In Trier liegt der Inzidenzwert unter 50, in Luxemburg bei 140. „Mir fehlen die Worte“, sagt sie – und holt vor ihrem Gespräch mit RND-Redakteurin Geraldine Oetken erst mal tief Luft. ­

Im Alter von vier Jahren verlor Sarah Biasini ihre berühmte Mutter Romy Schneider. Nun hat die 43-Jährige ein Buch über den Umgang mit ihren vagen Erinnerungen an die Frau geschrieben, die für andere eine Ikone ist. Birgit Holzer, RND-Korrespondentin in Frankreich, hat es vorab gelesen.

Aus unserem Netzwerk: Der älteste Baum

Wo steht Deutschlands ältester Baum? In Balderschwang im Landkreis Oberallgäu, sagen die Leute im Allgäu. Nein, in Raesfeld im Münsterland, meinen die Münsterländer. Nun aber tippt ein Forscher aus Dresden, Andreas Roloff, Professor am Institut für Forstbotanik und Forstzoologie der Technischen Universität, auf eine Linde in – Trommelwirbel – Dresden. Die „Dresdner Neuesten Nachrichten“, Partner in unserem Netzwerk, erzählen die Geschichte.

Termine des Tages

Um 10 Uhr treten Bundes­gesundheits­minister Jens Spahn und RKI-Präsident Lothar Wieler vor die Presse. Erwartet werden Hinweise auf ein Einreiseverbot aus Ländern mit hoher Verbreitung neuer Varianten des Coronavirus. Auch mit Fragen zum Impfgipfel bei der Kanzlerin am nächsten Montag ist heute zu rechnen.

Im Bundestag geht es heute unter anderem um eine Reform der Kinder- und Jugendhilfe, die Beschränkung der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen sowie die Kontrolle des Bundes­nachrichten­dienstes. Zudem startet eine fraktions­übergreifende Abgeordneten­gruppe eine Initiative zur Neuregelung der Sterbehilfe.

Das Statistische Bundesamt gibt um 10 Uhr das Brutto­inlands­produkt im vierten Quartal 2020 bekannt.

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht um 10 Uhr die Arbeitsmarktdaten für den Januar 2021.

Wer heute wichtig wird

Eine Frau verändert die früher von Männern dominierte Motorwelt: Mary Barra, Vorstandsvorsitzende von General Motors, leitet den Abschied des US-Konzerns von Diesel und Benzin ein. Bis 2035 werde die Produktion komplett auf E-Mobilität umgestellt, erklärte Barra am Donnerstagabend. Am Vortag hatte der neue US-Präsident Joe Biden in einer Anordnung die USA klimapolitisch in eine neue Richtung bewegt. © Quelle: dpa

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Ihr Matthias Koch

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