Macron: Wir erleben den „Hirntod” der Nato

  • Deutliche Worte von Emmanuel Macron: Frankreichs Präsident hat die Nato als „hirntot” bezeichnet.
  • Dem westlichen Verteidigungsbündnis fehle eine einheitliche Strategie, sagte er in einem Interview.
  • Europa müsse daraus Konsequenzen ziehen, wenn es „die Kontrolle über unser Schicksal” behalten wolle.
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Paris. Der französische Präsident Emmanuel Macron stellt dem westlichen Verteidigungsbündnis Nato ein verheerendes Urteil aus. „Was wir momentan erleben, ist der Hirntod der Nato“, sagte er in einem Interview mit der britischen Zeitschrift „The Economist“. Dafür macht Macron vor allem die USA verantwortlich. Europa könne sich in Fragen der Verteidigung nicht mehr auf die Vereinigten Staaten verlassen, sagte er. Macron vermisse eine strategische Koordination zwischen den USA und den anderen Nato-Staaten.

Frankreichs Präsident setzt in dem einstündigen Interview auf eine deutliche Sprache. Er sieht Europa sicherheitspolitisch „an der Kante des Abgrunds“. Seine Schlussfolgerung: Frankreich und die europäischen Partner müssten anfangen, sich als geopolitische Macht zu begreifen und dementsprechend zu handeln. Ansonsten verlöre Europa „die Kontrolle über unser Schicksal“.

Macron besucht Deutschland am Sonntag

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Macron ist am Sonntag bei seinem deutschen Amtskollegen zu Gast. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird am Sonntagabend den französischen Präsidenten in Berlin empfangen. Nach einem Gespräch unter vier Augen zu aktuellen politischen Fragen ist im Schloss Bellevue ein Abendessen vorgesehen, wie das Präsidialamt am Donnerstag mitteilte. Anlass der Einladung ist der 30. Jahrestag des Mauerfalls. Steinmeier will Macron für die Rolle Frankreichs bei der deutschen Wiedervereinigung danken. Zu dem Abendessen sind unter anderem auch Gäste aus der Zeit des Mauerfalls eingeladen.

RND/ms/dpa