Wo ist der europäische Visionär Macron in der Corona-Krise?

  • Je größer die Krise, desto mehr scheint Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in seinem Element.
  • Das zeigte er auch in seiner jüngsten Fernsehansprache zur Corona-Krise.
  • Doch ausgerechnet jetzt zieht sich der vermeintliche europäische Visionär hinter die nationalen Grenzen zurück, kommentiert Birgit Holzer.
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Paris. Verpasse niemals eine gute Krise – dieses Motto verfolgt Emmanuel Macron offensichtlich bei der Herausforderung, vor die ihn das Coronavirus stellt. Je schwieriger eine Situation ist, desto mehr erscheint Frankreichs Präsident in seinem Element. In seiner TV-Ansprache zum weiteren Vorgehen, in der er die Verlängerung der strikten Ausgangssperre in Frankreich bis zum 11. Mai ankündigte, wechselte sein Tonfall von verständnisvoll über eindringlich bis optimistisch. Macron präsentierte sich als schützender Landesvater, der auch die Schwachen stützt und die Nation eint.

In den ersten drei Jahren seiner Amtszeit ist ihm genau das nicht gelungen. Darum darf es auch jetzt nicht nur bei großen Worten bleiben.

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Denn wie viele andere machte auch die französische Regierung beim Ausbruch der Krise Fehler. Sie beließ es bei der ersten Runde der Kommunalwahlen, während Restaurants oder Museen bereits schließen mussten und die Ausgangssperre unmittelbar folgte. Das Ausmaß der Gefahr redete sie zunächst klein, die mangelnde Vorbereitung und Ausrüstung wurde geleugnet. All das kam in der Folge heraus – und nagte am Vertrauen in die Regierung.

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Frankreich verlängert Ausgangssperre um weitere vier Wochen
1:20 min
Bis zum 11. Mai müssten sich die Bürger noch an die derzeit geltenden Regeln halten, sagte Präsident Emmanuel Macron am Montagabend in einer Fernsehansprache.  © Reuters

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Positiv an Macrons Rede ist daher zu bewerten, dass er Versäumnisse einräumte, Besserung versprach und den Menschen Klarheit über das Ende der belastenden Ausgangssperre verschaffte. Auch ist eine eindeutige Unterstützung des Staates für Wirtschaft und die Schwächeren der Gesellschaft wesentlich, um die schweren Folgen wenigstens abzufedern.

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Doch wie und in welchem Ausmaß wurden die Maßnahmen, darunter die Ankündigung, die außer-europäischen Grenzen bis auf weiteres geschlossen zu halten, mit anderen EU-Ländern abgestimmt? In allen bisherigen großen Reden Macrons hat er den deutschen Partner und die strategische Bedeutung der Achse Paris-Berlin explizit hervorgehoben. In dieser nicht.

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In der Krise ziehen sich die Partner hinter ihre nationalen Grenzen zurück. Leider gilt das auch für Macron und damit ausgerechnet für den Mann, der sich sonst so gerne als europäischer Visionär stilisiert.

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