Lürssen soll “Gorch Fock”-Werft übernehmen

Korruptionsverdacht, Mauscheleien, Insolvenz: Nach der Pleite zeichnet sich eine Lösung für die “Gorch Fock”-Werft ab. Der Vertrag mit der Bremer Lürssen-Gruppe soll bald unterzeichnet werden - mit einem symbolisch niedrigen Kaufpreis.

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Berlin. Die Bremer Lürssen-Gruppe steht vor dem Kauf der insolventen „Gorch Fock“-Werft im niedersächsischen Elsfleth. Das erfuhr das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Kreisen des Gläubigerausschusses.

Nach RND-Informationen sollen die Verträge bereits nach der nächsten Sitzung des Gläubigerausschusses Ende August unterzeichnet werden. Der Kaufpreis soll im einstelligen Millionenbereich liegen. Lürssen will sich offenbar dazu verpflichten, die derzeit gut hundert Mitarbeiter des Schiffbaubetriebes vollständig zu übernehmen.

Gläubigerausschuss empfiehlt Lürssen

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Bis zum Ablauf der Bieterfrist Ende Juli hatten insgesamt drei Bewerber ein Angebot für die Elsflether Werft abgegeben. Neben Lürssen haben sich die Fassmer-Werft im niedersächsischen Berne an der Unterweser sowie die Abeking & Rasmussen Schiffs- und Yachtwerft Aktiengesellschaft (A&R) in Lemwerder bei Bremen beworben. Der Gläubigerausschuss soll nach RND-Informationen inzwischen eine Kaufempfehlung zugunsten von Lürssen abgegeben haben.

Mit dem Kauf der Werft würde Lürssen die Verantwortung für den Weiterbau und die Fertigstellung der „Gorch Fock“ übernehmen. Das Segelschulschiff der Marine wird seit 2016 auf der Elsflether Werft generalüberholt. Die Kosten waren ursprünglich auf rund 10 Millionen Euro veranschlagt worden. Sie hatten sich im Verlauf der bisherigen Arbeiten auf insgesamt 135 Millionen Euro summiert. Anfang Januar 2019 waren bereits 69 Millionen Euro für die Sanierung des Schiffes ausgegeben worden.

Werft befindet sich im Insolvenzverfahren

Im Februar 2019 war bekannt geworden, dass die Elsflether Werft seit mehreren Monaten Rechnungen in zweistelliger Millionenhöhe nicht mehr bezahlen konnte. Am 20. Februar stellte das Unternehmen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Generalbevollmächtigter der Werft ist der Hamburger Insolvenzverwalter Tobias Brinkmann.

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Gegen den früheren Vorstand der Werft laufen Ermittlungen unter anderem wegen des Verdachts der Korruption. Auch gegen einen Mitarbeiter des für die Rechnungsprüfung zuständigen Marinearsenals in Wilhelmshaven laufen Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts.

Mitbewerber arbeitet noch bis September an der “Gorch Fock”

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Da es in Elsfleth keinen ausreichenden Platz gibt, liegt die „Gorch Fock“ zurzeit auf der Fassmer-Werft in Berne. Fassmer ist noch bis September als Unterauftragnehmer dafür verantwortlich, die Dreimastbark mit Elektrik, Maschinen und einem Anstrich zu versehen. Für die anschließende Innenausstattung ist ein Liegeplatz im Binnenhafen von Brake vorgesehen.

Neben dem Stammsitz in Bremen-Vegesack verfügt Lürssen bereits über weitere Niederlassungen im norddeutschen Raum, darunter die Peene-Werft in Wolgast sowie Blohm und Voss und die Norderwerft in Hamburg. Allerdings fehlen dem Unternehmen nach einem Brand in Vegesack ausreichend Kapazitäten.

Die Lürssen-Gruppe ist bekannt für den Bau militärischer Schnellboote und ziviler Großjachten. Ein Sprecher Lürssens wollte sich auf RND-Anfrage nicht zur geplanten Übernahme der Elsflether Werft äußern.