„Ergebnis unseres Drucks“: Lukaschenko besucht politische Gegner im Gefängnis

  • In Belarus wird weiter gegen Präsident Lukaschenko protestiert.
  • Dieser lässt politische Gegner verfolgen und festnehmen.
  • Elf von ihnen hat er nun im Gefängnis besucht. Die Opposition verbucht das als Erfolg.
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Der umstrittene belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat in einem Gefängnis der Staatssicherheit mit elf inhaftierten Aktivisten der Opposition gesprochen. Die Aktivisten waren festgenommen worden, weil sie das offizielle Ergebnis von Lukaschenkos Wiederwahl in Frage gestellt hatten.

An dem vierstündigen Treffen in dem Gefängnis in der Hauptstadt Minsk nahmen am Samstag mehrere Mitglieder des oppositionellen Koordinationsrats sowie Viktor Babariko teil, der bei der Wahl am 9. August gegen Lukaschenko antreten wollte, aber im Mai festgenommen wurde. Der frühere Leiter einer russischen Bank hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als politisch motiviert bezeichnet.

Ziel des Präsidenten sei gewesen, "die Meinung eines jeden zu hören", teilte sein Büro mit. Er habe bei dem Treffen betont, dass "die Verfassung nicht auf der Straße geschrieben" werden könne, hieß es. Weitere Einzelheiten des Treffens nannte das Büro nicht.

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Lukaschenko, der Belarus seit 26 Jahren autoritär regiert, holte nach offizieller Darstellung 80 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis ist nach Ansicht von Regierungskritikern gefälscht, seither protestieren sie und fordern neue Wahlen sowie die Freilassung politischer Gefangener. In Minsk demonstrierten am Samstag erneut Hunderte Frauen, mehrere Teilnehmer des Protests wurden festgenommen. Weitere Proteste waren für (den heutigen) Sonntag geplant.

Tichanoskaja sieht Besuch als Erfolg an

Lukaschenkos schärfste Rivalin Swetlana Tichanowskaja, die sich auf Druck der belarussischen Behörden inzwischen im Exil in Litauen aufhält, bezeichnete den Besuch des Präsidenten im Gefängnis als "Ergebnis unseres Drucks". Mit dem Treffen habe Lukaschenko "die Existenz politischer Gefangener anerkannt, die er zuvor als Kriminelle abgetan hat", erklärte sie.

Der frühere Kulturminister und Botschafter in Frankreich, Pavel Latuschko, der sich dem oppositionellen Koordinationsrat anschloss und Belarus auf Druck der Behörden verlassen musste, sagte, das Treffen spiegele die Schwäche Lukaschenkos. Er "war gezwungen, sich mit den Leuten, die er inhaftieren ließ, an den Verhandlungstisch zu setzen", erklärte Latuschko.

RND/AP

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