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  • Luisa Neubauer sieht in Corona-Krise die Chance für einen Neustart der Wirtschaft

Luisa Neubauer zu Corona-Hilfen: Kein Steuergeld für Klimasünder!

  • Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer sieht die Corona-Krise auch als Chance.
  • Denn sie entblöße unsere bisherige Normalität als absurd.
  • Von der Politik fordert sie ein gezieltes Umsteuern.
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Berlin. Die Krise als Chance: Fridays for Future hat heute zur weltweit größten Onlinedemonstration aufgerufen. Luisa Neubauer, das Gesicht der deutschen Klimabewegung, sieht durch die Corona-Krise die Gelegenheit gekommen, Fehler der Vergangenheit zu beheben und sich neu zu besinnen.

In einer Kolumne für den “Stern” spricht sie von einer “Entblößungskrise”, die durch Corona entstanden sei: “Corona sprengt Routinen und Strukturen, man kann einfach nicht mehr so gut drum rumreden. Jede Antwort, die heute gegeben wird, gegeben werden muss, politisch wie privat, ist eine Richtungsentscheidung. Die gnadenlose Zerstörung der Kategorie ‘Haben wir doch immer schon so gemacht’.”

Die 24-Jährige spricht davon, dass viele in Wirtschaft und Politik nun schon wieder “in Richtung von blinden und opportunistischen Wachstumsschüben” schielen würden. Als Beispiele nannte sie den CDU-Wirtschaftsrat, der gerne Klimaziele aufweichen würde, die Autoindustrie, die nach einer weiteren Abwrackprämie rufe, oder die Verpackungsindustrie, die das EU-Verbot von Einwegplastik wegen Corona am liebsten verschieben würde.

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Die Niederlande als Vorbild?

Neubauer fordert ein sozialökologisches Krisenmanagement und würde dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) und damit der Wachstumsorientierung gerne “den unverdienten Heiligenschein herunterreißen” und sich an Konzepten orientieren, die das tatsächliche Wohlergehen von Mensch und Umwelt zum Maßstab machen. “Utopisch?”, fragt Neubauer und antwortet selbst: “Na ja: Gerade kündigte Amsterdam an, sich bei der wirtschaftlichen Wiederbelebung am sogenannten Donut-Modell von Kate Raworth zu orientieren.” Im Zentrum dieses Wirtschaftsmodells steht der Gedanke der Nachhaltigkeit.

Neubauer würde die Krise beziehungsweise die Bewältigung der Krise auch gerne dazu nutzen, Konzerne auf einen ökologischeren Kurs zu zwingen: “In Dänemark unterstützt die Regierung keine Unternehmen, die in Steueroasen angemeldet sind. Unverantwortliche Steuerflucht wird also sanktioniert, was ist mit unverantwortlicher Klimaflucht? Was passiert mit Unternehmen, die keine pariskonformen Klimaziele haben und für große Mengen Emissionen verantwortlich sind?” Würden Konzerne ohne Klimaauflagen staatlich unterstützt, würden Geschäftspraktiken mit Steuergeld befeuert, die die Klimakrise antrieben. “Eine Krise, die wiederum gigantische Summen an Steuergeld zur Bewältigung erfordert.”

“Eine Inventur unserer entblößten Abhängigkeiten”

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Die FFF-Aktivistin setzt auch eine allgemeine Entschleunigung. Zum Beispiel im Verkehr: “Wäre es nicht denkbar, nun da alles stillsteht, den Moment zu nutzen und sich im Sinne von, ja, der Gesundheit von Mensch und Umwelt zu fragen, wie es denn idealerweise aussähe, wenn sich alles bewegt – und ob Veränderungen nicht einen Hauch schneller gehen als lange gedacht? Im Kleinen fängt das bei der Entschleunigung von Innenstädten an, mehr Platz für Menschenleben, weniger Autos, mehr Sicherheit, weniger Emissionen." Aber dies lasse sich ausweiten bis hin zu der Frage von der Belastbarkeit hochgradig beschleunigter Lieferketten oder der Abhängigkeit schlecht bezahlter Arbeitskräfte über Grenzen hinweg, wie Spargelstecher. “Ökologisch, aber auch sozial und wirtschaftlich scheint es höchste Zeit für eine Inventur unserer nun entblößten Abhängigkeiten”, schreibt Neubauer.

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Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) spricht im Interview mit RND-Hauptstadtkorrespondentin Marina Kormbaki über Klimaschutz in der Corona-Krise.  © Christian Burmeister/RND
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Selten habe eine Krise die Absurdität der Normalität so hemmungslos entblößt wie die Corona-Krise: “Das ist eine Einladung – aber im Zweifel auch ein Auftrag.” Es sei leicht, Ideen als zu radikal abzustempeln, wenn man die Radikalität der Normalität außer Acht lasse. “Normalität ist Illusion. Und Normalität war schon lange vor Corona in der Krise. Alles, was dieses ebenso winzige wie tückische Virus gemacht hast, ist, unsere wohlsortierten Krisenverschleierungskonstrukte einstürzen zu lassen. Dahinter verbirgt sich eine Gesellschaft, die gerade durch den Aufnahmetest für das 21. Jahrhundert gefallen ist.” Die Klimakrise lasse sich trotz Corona-Krise nicht dauerhaft auf stumm schalten, resümiert Neubauer.




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