Lucke und Co.: Auch Studenten müssen andere Meinungen ertragen

  • Die Proteste gegen Vorlesungen von AfD-Mitbegründer Bernd Lucke und die Verhinderung einer Lesung von Thomas de Maizière zeigen: In Sachen Meinungsfreiheit haben einige im Land Nachholbedarf.
  • FDP-Chef Christian Lindner wiederum beklagt, dass er nicht an der Uni Hamburg sprechen darf.
  • Die Fälle haben einiges gemeinsam, aber es gibt auch Unterschiede, kommentiert Tobias Peter.
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Berlin. Studenten stören wiederholt eine Vorlesung des AfD-Mitbegründers Bernd Lucke. Linke Aktivisten haben beim Göttinger Literaturherbst eine Lesung des früheren Bundesinnenministers Thomas de Maizière (CDU) verhindert. Und FDP-Chef Christian Lindner ist empört, dass er nicht an der Uni Hamburg sprechen darf.

Die drei Fälle haben nur begrenzt etwas gemeinsam. Jene von Lucke und de Maizière vereint, dass die Gesellschaft die deutliche Botschaft aussenden muss: Die Schikanen der Protestierenden gegen den Professor und den auftretenden Politiker sind inakzeptabel. Auch Studenten und Aktivisten müssen es ertragen, dass es Menschen mit anderen Meinungen gibt.

Langweiliger Lucke

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Niemand ist gezwungen, zu einer Veranstaltung mit Thomas de Maizière zu gehen. Nur verhindern darf man eine solche Veranstaltung nicht. Und Lucke hält seine Vorlesungen nicht als Mitbegründer einer Partei, deren Mitglied er gar nicht mehr ist. Er hält sie als Wirtschaftsprofessor.

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Hamburg: Erneut Vorlesung von AfD-Mitbegründer Lucke gestört
0:50 min
Bei seiner ersten Vorlesung an der Uni Hamburg wurde AfD-Mitbegründer Lucke als „Nazi-Schwein“ beschimpft, jetzt wurde wieder eine Vorlesung von ihm gestört.  © Tobias Peter/dpa

Das, was Lucke dort zu erzählen hat, dürfte aus Sicht der meisten Menschen einfach nur langweilig sein. Aus Sicht des einen oder anderen Wirtschaftsstudenten ist es hoffentlich interessant. Jedenfalls liefert es keinen Anlass für Proteste. Und selbst wenn es anders wäre, sollte für Erwachsene immer noch gelten: Erst zuhören und dann protestieren.

Die Regeln der Uni Hamburg

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Wie passt der Fall von Christian Lindner in dieses Schema? Gar nicht. Lindner beklagt, dass eine Diskussionsveranstaltung der Liberalen Hochschulgruppe mit ihm nicht genehmigt wurde. Die Universität hat Regeln, die eine Überlassung von Räumen für Veranstaltungen mit parteipolitischer Ausrichtung ausschließen.

Es ist legitim, über den Sinn der Regel und auch über ihre Auslegung im Einzelfall zu streiten. Lindner sollte aber nicht so tun, als würde hier die Meinungsfreiheit beschädigt. Im Gegenteil: Die Universität Hamburg ist einfach nur anderer Meinung als er.

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