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Lübcke-Prozess: Ernst schildert Mitangeklagten als Nazi-Freund

  • Im Prozess um den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat der mutmaßliche Täter Stephan Ernst in der vergangenen Woche die Tat gestanden.
  • Gleichzeitig belastete er den wegen Beihilfe angeklagten Markus H.
  • Am Montag antwortete er auf weitere Fragen und berichtete auch von einem Video, das H. angefertigt hatte.
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Frankfurt/Main. Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat der Hauptangeklagte Stephan Ernst den bisher schweigenden Mitangeklagten Markus H. als Nazifreund beschrieben. Dessen politische Einstellung gehe “in Richtung Reichsbürger”, sagte Ernst am Montag vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main.

Die Bundesrepublik sei dessen Meinung nach kein souveräner Staat, die Bundesregierung keine legale Regierung. Figuren mit dem Hitlergruß hätten bei H. im Bücherregal gestanden, auf dem Tisch eine originale Dose des Vernichtungsgases Zyklon B als Stiftehalter.

H. habe Berichte über den Holocaust als übertrieben und unwahr bezeichnet, sagte E. Dessen Wohnung sei “voll mit Dekowaffen” gewesen, “überall Munition”. Patronen- und Panzergranatenhülsen, militärische Kleidung und Mützen sowie Bücher über den Zweiten Weltkrieg hätten sich in der Wohnung befunden.

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Ernst: Waren öfter bei AfD-Stammtischen

Sie beide seien nicht Mitglied einer Partei gewesen, aber öfter bei AfD-Stammtischen dabei, führte Ernst aus. Bei der Bundestagswahl 2017 habe er Wahlplakate dieser Partei aufgehängt. Er sei mit H. in den vergangenen Jahren mehrfach auf Kundgebungen der AfD gewesen.

Die beiden Männer stehen seit Mitte Juni vor Gericht. Stephan Ernst wird vorgeworfen, aus einer rechtsradikalen Gesinnung heraus in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni vergangenen Jahres Lübcke auf der Terrasse von dessen Wohnhaus im nordhessischen Wolfhagen-Istha erschossen zu haben. Dem Angeklagten Markus H. wird Beihilfe zu Last gelegt.

Der 46-Jährige hatte am vergangenen Mittwoch in einer von seinem Verteidiger verlesenen Einlassung vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt die Tat gestanden.

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Demnach war er der Schütze. Gleichzeitig belastete Ernst den wegen Beihilfe angeklagten Markus H., der ebenfalls am Tatort gewesen sei und eine entscheidende Rolle gespielt habe. H. habe ihn radikalisiert, aufgehetzt und Lübcke als Ziel ins Spiel gebracht.

Bürgerversammlung zur Aufnahme von Geflüchteten

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Am Montag berichtete Ernst zudem über den Besuch einer Bürgerversammlung, auf der sich Lübcke klar für die Aufnahme geflüchteter Menschen positioniert hatte. Auf einem Video, das H. von der Veranstaltung angefertigt haben soll, ist auch Ernsts Stimme mit den Worten "Ich glaub's nicht" und "Verschwinde!" zu hören.

Der CDU-Politiker Lübcke hatte nach der Versammlung Droh- und Hassbotschaften erhalten. H. habe bereits vorher die Adresse Lübckes recherchiert, sagte Ernst.

RND/epd/dpa

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