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  • Lu Yen Roloff: „Extinction Rebellion“-Aktivistin kandidiert für Bundestag

Aktivistin von Extinction Rebellion tritt gegen Scholz und Baerbock an

  • Lu Yen Roloff war bis vor kurzem noch in führender Rolle bei der Klimabewegung Extinction Rebellion aktiv.
  • Jetzt kandidiert sie als Unabhängige für den Bundestag – ausgerechnet im Promi-Wahlkreis Potsdam gegen Olaf Scholz und Annalena Baerbock.
  • Sie ist Teil einer neuen Bewegung, die den Wahlkampf 2021 für neue Themen nutzen will.
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Berlin. Kein anderer Wahlkreis wird im Bundestagswahlkampf im kommenden Jahr so sehr im Fokus der Medien stehen wie die Nummer 61: In Potsdam kämpfen höchstwahrscheinlich die Spitzen von SPD und Grünen, Olaf Scholz und Annalena Baerbock, gegeneinander um das Direktmandat. Nun aber bekommen die beiden Konkurrenz jenseits des etablierten Spektrums: Die Klimaaktivistin Lu Yen Roloff, 43, will als unabhängige Kandidatin antreten.

Die gelernte Journalistin war vor Kurzem noch als Pressesprecherin von Extinction Rebellion (XR) aktiv, der radikalen Schwesterbewegung von Fridays for Future. „Ich wende mich nicht von XR ab, aber meine Kandidatur ist keine XR-Kandidatur, sondern die nächste Stufe, die ich gehe“, sagt sie im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Dass sie kaum eine Chance hat, bei dieser Konkurrenz das Direktmandat zu holen, ficht sie nicht an.

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„Den Beschluss, nach Potsdam zu ziehen und hier für den Bundestag zu kandidieren, hatte ich gefasst, bevor Olaf Scholz seine Kandidatur bekannt gab. Nun trete ich gegen zwei Parteipromis an, die sich zwar in ihren Parteien ganz nach oben gearbeitet haben – denen ich aber meine Bewegungserfahrung voraus habe.“ Sie will „den Wahlkampf bereichern“ sagt sie, „auf eine Weise, die so noch niemand versucht hat.“ Roloff spricht von „amerikanischen Wahlkampfmethoden“, von neuen Organisationsformen. „Wir wollen auch diejenigen aktivieren, die bisher noch nicht politisch aktiv wurden“, kündigt sie an.

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Der nächste Bundestagswahlkampf bekommt andere Gesichter. Dafür sorgen nicht allein Kandidat*innen wie Lu Yen Roloff, sondern auch die Parteien selbst. Offensiv warben Grüne, Linke und SPD um prominentes Fridays-for-Future-Personal. So soll der 19-jährige Jakob Blasel auf den aussichtsreichen sechsten Platz der schleswig-holsteinischen Grünen-Liste gehievt werden. Er kündigte bereits an, auch als Abgeordneter das Scharnier zur Bewegung zu bilden.

Zu verschiedenen Landtagswahlen, etwa in Baden-Württemberg, treten „Klimalisten“ an, denen in der Klimapolitik auch die Grünen zu wenig entschieden auftreten. Südwest-Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht die neuen Fundis bereits als ernsthafte Gefahr: „Das ist eine ernste Angelegenheit“, sagte Kretschmann vor Kurzem. „Es kann gravierende Folgen haben – zum Beispiel, dass es nicht für eine Regierung reicht, weil es sich zersplittert.“ Unter dem Label „United for Bundestag“ wollen sich Kleinparteien und Initiativen zusammentun, um die Fünf-Prozent-Hürde anzupeilen. Die Initiative „Brand New Bundestag“ schloss nach dem US-Vorbild „Brand New Congress“ eine Art Kandidaten-Casting ab, um das Parlament diverser zu machen, was Herkunft und politisches Programm angeht. Roloff ist eine der acht Finalist*innen und erhofft sich dadurch weiteren Schub für ihre Potsdamer Kandidatur.

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„Die nächste Legislaturperiode ist die alles entscheidende, um das 1,5-Grad-Ziel noch einzuhalten“, sagt sie. „Danach wird es zu spät sein.” Demonstrationen, Besetzungen, ziviler Ungehorsam – das sei jetzt nicht mehr genug. Ihr Fazit: „Wir waren offensichtlich noch nicht nahe genug dran an den Entscheidungsträgern“ – wobei sie mit „wir“ jetzt doch einmal die XR-Bewegung meint.

Scholz gegen Baerbock? Ein „reiner Schauwahlkampf“

Könnte es nicht aber sein, dass sie ausgerechnet der Grünen-Frontfrau Baerbock die vielleicht entscheidenden Stimmen für das Direktmandat wegnimmt? Roloff kontert: „Annalena Baerbock wird ohnehin im nächsten Bundestag vertreten sein, sie wird über die Landesliste abgesichert sein. Olaf Scholz ebenfalls. Dieses ‚Duell‘ ist ein reiner Schauwahlkampf, der vor allem die Medien interessiert. Natürlich schadet es nicht, dass ich von dieser Aufmerksamkeit auch etwas abbekomme.“

Ihr geht es vor allem darum, den Bewegungsgedanken in den Wahlkampf zu tragen: „Der wird dieses Mal nicht nur eine politische Plattform für die Parteien sein”, kündigt sie an. „Nicht nur Parteien können Themen setzen, sondern auch Menschen und zivilgesellschaftliche Interessengruppen.“ Roloff will auf die Bühne, und sie will ans Eingemachte. Will nicht allein übers Klima reden, sondern auch über das Zusammenleben, über Wirtschaftsformen, über Organisation. Ihre Devise: „Es ist nicht mehr möglich, einfach nur zuzugucken.“

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