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  • Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern: Corona-Krise verschärft Problem

Corona-Krise: Frauen zahlen den höchsten Preis

  • Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen: Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern sowie zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen bleiben groß.
  • Die Corona-Krise verschärft das Problem vor allem für Frauen.
  • Der Staat kann dagegen nur wenig tun, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. Die Zahlen sind nicht wirklich neu. Aber sie bleiben frappierend. So verdienen aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge Frauen immer noch deutlich weniger als Männer und Ostdeutsche immer noch deutlich weniger als Westdeutsche. In der Corona-Krise wirken sich diese Klüfte nun erneut nachteilig aus.

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In Ostdeutschland ist der Anteil der tarifgebundenen Unternehmen kleiner und der Anteil des Niedriglohnsektors größer als in Westdeutschland. Entsprechend geringer ist dann auch das Kurzarbeitergeld, das der Staat an die dort Beschäftigten auszahlt. Zudem sind die Unternehmen in Ostdeutschland ebenfalls kleiner und verfügen anders als Großkonzerne in Westdeutschland über weniger Rücklagen. Kurzum: Ostdeutschland zählt zwar weniger Infizierte, ist aber ökonomisch betrachtet wieder einmal verletzlicher.

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Frauen verlieren drei Jahrzehnte

Noch verletzlicher sind die Frauen, und zwar in Gesamtdeutschland. Deren Kurzarbeitergeld bemisst sich ja auch am bisherigen Gehalt. Überdies gilt als ausgemacht, dass die Corona-Krise Geschlechterrollen zementiert, weil sie den Frauen quasi automatisch abermals die Hauptverantwortung für jene Kinder zuweist, die jetzt nicht in Kindergärten und Schulen gehen können.

Die Arbeitsmarktexpertin Jutta Allmendinger geht davon aus, dass die Frauen in diesen Monaten drei Jahrzehnte verlieren. Tatsächlich: drei Jahrzehnte. Am stärksten sind Alleinerziehende betroffen.

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Natürlich kann der Staat etwas tun, etwa indem er das Kurzarbeitergeld anhebt. Und er tut es ja auch. Freilich sind die Möglichkeiten des Staates zugleich begrenzt. Er kann ökonomische Ungleichgewichte nur bedingt ausgleichen und strukturelle Geschlechterunterschiede nur bedingt einebnen. Besser wäre es deshalb schlicht und ergreifend, wenn sich das ökonomische Leben so rasch wie möglich wieder normalisieren würde.

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Heil sieht in Kurzarbeit „Brücke über tiefes Tal"
1:40 min
Laut Bundesagentur für Arbeit ist derzeit jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland von Kurzarbeit bedroht.  © Markus Decker/RND



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