Locker in den Lockdown?

  • Der Advent hat gerade erst begonnen, und die Lage ist weiterhin außer Kontrolle.
  • Aber ist das schon bei allen angekommen?
  • Diese Woche sollten Entscheidungen fallen.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der nächste Weihnachtslockdown steht vor der Tür – und manche tun so, als ginge sie das nichts an. Zum Beispiel die 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, die am Samstag ins Kölner Stadion gingen.

Sie wollten nicht auf das Derby gegen Borussia Mönchengladbach verzichten, die Behörden hatten nichts gegen ein ausverkauftes Stadion einzuwenden. Kurz vor Anpfiff verhängten sie dann aber noch eine Maskenpflicht in der Arena. Blöd nur, dass sich kaum jemand daran hielt und offenbar niemand imstande und willens war, die Regel durchzusetzen. Dass im Nachhinein über eine Geldstrafe für den Verein nachgedacht wird, macht es nicht besser.

Um hier nicht zu pauschal zu sein: In München legten die Fans mehr Vernunft an den Tag. Dort gingen weniger ins Stadion, als erlaubt gewesen wären. Es ist auch ohne Verbot erlaubt, seine Kontakte zu reduzieren.

Und hier liegt der Knackpunkt: Wir alle dürfen nicht allein auf „die Politik“ vertrauen und uns allein nach deren Regeln richten. Dass die eigentlich immer mit Verspätung auf die Volten der Pandemie reagiert, sollte eigentlich mittlerweile bekannt sein.

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„Die Losung der Stunde lautet Kontaktreduzierung“, analysiert Felix Huesmann. Solange es keine Regeln dafür gibt, kommt es auf jeden Einzelnen an. Auch wenn es wehtut, Tickets für ein Fußballspiel zurückzugeben oder verfallen zu lassen. Der Autor spricht aus eigener Erfahrung.

Es ist schwer vorstellbar, dass wir diese Welle ohne erneute harte Kontaktregeln überstehen werden. Das liegt an der Unvernunft der Ungeimpften und an der Trägheit der Geimpften: Auch sie müssen sich nun mit der neuen Realität abfinden, dass angesichts der Zahlen auch 2G-Regeln immer weniger Sicherheit bieten.

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Südafrika-Variante Omikron in Deutschland angekommen
2:00 min
Zwei erste Fälle der Omikron-Virusvariante sind in Deutschland bestätigt worden. Die beiden Patienten stammen aus München.  © Reuters

Welchen Einfluss die neu entdeckte Omikron-Variante des Coronavirus auf die Pandemie haben wird, ist noch nicht abzusehen. Sie hat Deutschland erreicht und dürfte sich rasch ausbreiten, denn sie gilt als hoch ansteckend. Gleichzeitig deuten erste Beobachtungen darauf hin, dass die Erkrankungen vergleichsweise mild verlaufen.

Für Panik und Entwarnung ist es zu früh. Für Vernunft und klare Regeln ist hingegen genau jetzt die richtige Zeit.

Zitat des Tages

Eine blinde Testung bei gesunden Geimpften ist nicht nur logistisch schwierig, sondern möglicherweise auch in ihrer Aussagekraft eingeschränkt.

Christian Drosten, Virologe

Charité-Virologe Christian Drosten hält es für möglich, dass die Aussagekraft von Schnelltests bei Geimpften eingeschränkt ist. Von einer „blinden Testung“ bei Geimpften rät er daher ab – der Einsatz sei aber ratsam, wenn Symptome vorliegen. Mit mehr Tests kann die vierte Corona-Welle aus Sicht des Virologen ohnehin nicht mehr durchbrochen werden.

Leseempfehlungen

Impfpflicht, aber wie? Die Debatte über eine allgemeine Impfpflicht nähert sich einer zentralen Frage: Was genau geschieht mit dem, der dagegen verstößt? Drakonische Strafen könnten schnell eine Verhaltensänderung erzwingen – würden aber gegen das Grundgesetz verstoßen. Allzu lasche Bußgelder dagegen ließen die Impfpflicht leerlaufen. Fachleute leuchten bereits einen mittleren Weg aus, analysiert Matthias Koch.

­„Generation lebensunfähig“: Sind Eltern heutzutage zu vorsichtig mit ihren Kindern? „Ja“, sagt der Psychologe und Generationenforscher Rüdiger Maas im Interview mit dem RND. Viele Kinder seien daher heute unglücklich. In seinem neuen Buch erklärt Maas die Hintergründe – und rät Eltern zu weniger Überbehütung.

Aus unserem Netzwerk: Polizei stoppt illegale Impfaktion

Auf dem Lübecker Flughafengelände könnten nicht zugelassene Vakzine verimpft worden sein. Die Polizei hatte eine illegale Impfaktion aufgelöst. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden offenbar per E‑Mail kontaktiert, berichten die „Lübecker Nachrichten“.

Termine des Tages

15 Uhr: Inhaltlicher Start mit Auftaktplädoyers im Prozess gegen Ghislaine Maxwell wegen Missbrauchs. Die Ex-Partnerin von Jeffrey Epstein ist unter anderem wegen Verführung Minderjähriger zu illegalen Sexhandlungen und Meineid angeklagt.

Der Bundestag startet in seine Sitzungswoche.

Neustart der Atomgespräche mit dem Iran

Wer heute wichtig wird

Gewählt, zurückgetreten, wiedergewählt? Magdalena Andersson könnte heute ein zweites Mal zur schwedischen Ministerpräsidentin aufsteigen. © Quelle: imago images/TT

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Ihr Christian Palm

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