Lockdown im Klapphaus

  • Während die Politik über härtere Corona-Regeln nachdenkt, treffen sich Gott und die Welt in einer neuen App.
  • Was Clubhouse kann, beschreiben wir heute ausführlich.
  • Und wir warten auf die Beschlüsse von Bund und Ländern.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

stellen Sie sich vor, Sie könnten ihr Smartphone in die Hand nehmen und mit anderen Leuten reden. Klingt erst mal nicht nach einer revolutionären Idee. Trotzdem gibt es gerade viel Rummel um eine App, die genau das ermöglicht: Auf Clubhouse (gesprochen: Klapphaus) trifft sich aktuell Gott und die Welt zu Audiomeetings. Die Plattform gibt es zwar im Moment nur für iPhones, die Downloadzahlen sind aber gewaltig.

Der RND-Trendbeauftragte Matthias Schwarzer hat die wichtigsten Details zur App in Erfahrung gebracht. Rein kommt nur, wer eine persönliche Einladung von einem Nutzer bekommen hat. Dann heißt es aufpassen: Wer die falschen Einstellungen wählt, kann von seinen Kontakten belauscht werden.

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Was das Ganze soll: Die Erfinder der App wollen jedem ein einfaches Forum geben, um gehört zu werden. „Jeder kann reden. Es ist eine wirklich organische Sache“, sagt der Gründer von Clubhouse. Derzeit geht es dort vor allem um Techthemen, doch politische Meetings werden zahlreicher. Und Influencer wollen die Audioblase nutzen, um neue Follower zu finden. Gut möglich, dass die Pandemielangeweile zum Erfolg von Clubhouse beiträgt. Im Lockdown sehnen sich viele nach neuen Kontakten.

Kritiker sind aber nicht weit. „Warum Clubhouse?“, fragt etwa der Gagschreiber Micky Beisenherz. „Wenn ich zwei Wichtigtuern beim Businessgesabbel zuhören will, kann ich doch auch ICE fahren!“

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Aber wer will in diesen Zeiten mit dem Zug durchs Land fahren? Wenn heute Angela Merkel und die Länderchefs über die Corona-Pandemie sprechen, werden sie sich vermutlich auf härtere Regeln einigen:

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  • Im Gespräch sind bundesweite, nächtliche Ausgangssperren.
  • Die Pflicht, FFP2-Masken zu tragen, könnte bald bundesweit an bestimmten Orten gelten.
  • Unternehmen könnten eine neue Pflicht auferlegt bekommen, ihren Angestellten die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen.

Die RND-Hauptstadt­korrespondenten Kristina Dunz, Andreas Niesmann und Tobias Peter geben ein Überblick darüber, welche Lockdownvarianten heute diskutiert werden. Viele Details sind noch unklar, die Schnittmengen kleiner als vor anderen Bund-Länder-Treffen, deshalb sollten wir uns auf eine lange Diskussion einstellen. Um 14 Uhr soll die Ministerpräsidenten­konferenz (MPK) beginnen.

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Ein Clubhouse-Meeting ist nicht geplant, die Bund-Länder-Videoschalte wird auf einer hoffentlich abhörsicheren Leitung geführt.

So oder so wird sich der Blick auf die Pandemie vermutlich auch mit dieser MPK nicht verändern – es wird ein zäher Kampf bleiben. Vom Virus selbst gibt es nun aber eine neue Darstellung. Ein Unternehmen aus Wien hat eine 3-D-Abbildung veröffentlicht, die den Erreger zeigt, wie wir ihn noch nie gesehen haben. Dazu haben ihn Forscher schockgefroren, aufgenommen und die Bilder aufwendig bearbeitet:

Forschern des TU-Wien-Spin-off Nanographics gelangen diese und andere Aufnahmen des Erregers. Es handelt sich dabei nicht um computergenerierte Modelle, sondern um durch neue Techniken entstandene 3-D-Abbildungen „echter“ Sars-CoV-2-Viren aus schockgefrorenen Proben. © Quelle: Peter Mindek/Nanographics/apa/dp

Zitat des Tages

Ich habe oft gesehen, wie der Rechtsstaat ins Lächerliche gezogen wird, aber dieser Opi in seinem Bunker fürchtet sich inzwischen so sehr (…), dass nun einfach der Strafprozesskodex zerrissen und auf die Müllhalde geworfen wird.

Alexej Nawalny

Der Kremlkritiker Alexej Nawalny wurde in einem Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt. Sein Kampfgeist ist ungebrochen.

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Leseempfehlungen

Hoffnungsträger: Morgen übernimmt Joe Biden das wichtigste Amt der Weltpolitik. Er regiert dann ein aufgewühltes Land, das sein Vorgänger bis an den Rand eines Bürgerkriegs getrieben hat. US-Korrespondent Karl Doemens beschreibt in seinem Porträt einen Mann, auf den es jetzt ankommt.

Existenzängste: Gestern startete die Fashion-Week in Berlin. Für Topmodels wie Anna Hiltrop ist es der erste größere Job seit Ausbruch der Pandemie. „In den letzten Monaten habe ich mich wirklich dran gehalten und bin einfach nur zu Hause geblieben“, sagt sie im RND-Interview.

­Reiseträume: In Italien gibt es viele kleine und bei Touristen weitgehend unbekannte Inseln – Procida ist so ein Geheimtipp. Sie wird im Jahr 2022 die Kulturhauptstadt des Landes. Das ist aber nicht der einzige Grund für einen Urlaub dort, Maike Geißler vom Reisereporter stellt die Insel vor.

Aus unserem Netzwerk: bittersüße Insolvenz

Die Deutsche Confiserie-Holding hat Insolvenz beantragt. Zu ihr gehören auch die Süßwarenkette Arko sowie Hussel und Eilles. Die „Kieler Nachrichten“ berichten über die Pleite eines Traditions­unternehmens.

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Die Termine des Tages

Betrug: Heute Vormittag wird der Prozess gegen Ex-Audi-Chef Stadler und drei Ingenieure wegen mutmaßlicher Abgasmanipulationen an Dieselautos fortgeführt.

Bundesliga: Die Fußball-Bundesliga geht in eine englische Woche – unter anderem mit dem Spiel Leverkusen–Dortmund. Vor allem für den BVB in Hinblick auf die Meisterschaft eine richtungsweisende Partie. Beträgt der Rückstand auf Bayern München doch bereits sieben Zähler.

Bruch: Italiens Regierung hat sich über die europäischen Corona-Aufbaufonds zerstritten. Nachdem die Splitterpartei Italia Viva die Koalition verlassen hatte, musste sich Ministerpräsident Giuseppe Conte gestern einer Vertrauensabstimmung stellen. Nun hat sein Mitte-links-Bündnis das Votum in der Abgeordnetenkammer gewonnen. Heute muss ihm noch der Senat das Vertrauen aussprechen. Das Votum im Senat gilt als sehr kritisch, denn dort ist Contes Position deutlich schwächer als in der großen Kammer.

Wer heute wichtig wird

Die Ministerpräsidenten treffen wieder auf Angela Merkel – wie schon gewohnt allerdings in einer Videokonferenz statt real. © Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Podcast des Tages

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

Wir hören uns auf Clubhouse – vielleicht,

Ihr Christian Palm

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