Lockdown, Biden und mehr: Eine Woche mit vielen Fragezeichen

  • Die Woche beginnt mit vielen Fragen und wenigen Antworten.
  • Uns drohen bald neue Corona-Regeln, in Washington könnte es wieder Randale geben.
  • Und in Russland zeigt Putin Härte gegen Alexej Nawalny.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

es tut mir leid, dass Sie es schon Montagmorgen und aus Ihrem Lieblingsnewsletter erfahren müssen: Aber diese Woche wird anstrengend. Oder, um es aus Sicht von uns Nachrichtenmenschen zu sagen: Die Woche wird spannend. Sehr spannend.

Beschäftigen werden uns vor allem die Antworten auf diese vier Fragen:

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Wie hart wird der Lockdown noch? Morgen werden Angela Merkel und die Länderchefs wieder über die Lockdownregeln beraten. Wir wissen, wie das läuft: Die Bundeskanzlerin bringt härtere Regeln ins Spiel, die Länder zögern, stimmen dann weitgehend zu – und dann wird im Detail wieder abgeschwächt, was zuvor in großer Einigkeit beschlossen worden ist. Daran gibt es manches zu kritisieren. Im RND-Interview unterstellt etwa der Chef des Betriebs­kranken­kassen-Verbandes, im Kanzleramt herrsche eine „Bunkermentalität“.

Aktuell sind bundesweite Ausgangssperren im Gespräch, wie meine Kollegin Kristina Dunz gestern Abend noch erfahren hat. Sie sollen schaffen, was bisher nicht geklappt hat: die Corona-Pandemie endlich wieder in den Griff zu bekommen, auch angesichts neuer, womöglich ansteckenderer Virusmutationen.

Aufsehen hatte gestern Außenminister Heiko Maas erregt. Er forderte, intensiv über Corona-Ausnahmen für Geimpfte nachzudenken. Das Gesundheits­ministerium widersprach umgehend, meine Kollegin Daniela Vates kommentiert: Maas’ Vorschlag sei zwar gut gemeint – „aber schlecht gemacht“.

Eskaliert die Lage in Washington noch einmal? Am Mittwoch endet das Warten. Joe Biden wird als US-Präsident vereidigt, die (erste) Amtszeit von Donald Trump ist dann endgültig vorbei. Feststimmung macht sich in Washington aber nicht breit. Wer den Twitter-Kanal unseres US-Korrespondenten Karl Doemens verfolgt, sieht erschreckende Bilder: Die einzige Weltmacht verrammelt ihre Hauptstadt aus Angst vor gewalttägigen Anhängern ihres scheidenden Präsidenten Donald Trump.

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Die Furcht vor neuer Gewalt scheint nicht unbegründet zu sein: Am Wochenende wurde ein Mann aufgehalten, der mit gefälschten Papieren, einer geladenen Waffe und jeder Menge Munition in die Sperrzone rund um das Kapitol fahren wollte. Nach vier Jahren Trump ist der Weg zur Normalität weiter, als man gehofft hätte.

Wie geht es weiter mit Friedrich Merz? Angesichts von Pandemie und Präsidentenwechsel erscheint die Personalie Friedrich Merz eher unbedeutend. Doch für die CDU geht es um nicht weniger als die Zukunft schlechthin. Merz hat am Samstag zwar die Vorsitzendenwahl verloren. Die On-off-Beziehung zwischen CDU und Merz wird dennoch weitergehen: Sie können nicht gut miteinander. Ohne den anderen geht es aber auch nicht: Zu viele Delegierte gaben am Samstag Merz ihre Stimme in der Vorsitzendenwahl, als dass der neue Chef ihn und seine Anhänger ignorieren könnte.

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„Es ist enormer Druck auf dem Kessel, und die Machtkämpfe gehen weiter“, kommentiert Eva Quadbeck die Lage der Kanzlerinnenpartei. Nach Laschets Wahl sei die CDU eine zerrissene Partei.

Was hat Putin mit Nawalny vor? Nach 149 Tagen in Berlin ist Alexej Nawalny nach Russland zurückgekehrt. Noch am Flughafen wurde der Oppositionsführer verhaftet. Putins Regime wirft seinem prominentesten Kritiker vor, gegen Bewährungsauflagen verstoßen zu haben. Nawalny war nämlich seinen Bewährungsauflagen nicht nachgekommen – während er nach seiner Vergiftung im Koma lag.

Video
Nawalny-Freund im Interview: Verhaftung des Kremlkritikers ist nicht legal
10:14 min
Die Verhaftung seines Freundes Alexej Nawalny in Moskau sei illegal, sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sergey Lagodinsky.  © RND

Nawalny verabschiedete sich mit überschwänglichem Lob für die Deutschen aus dem Exil. Seine Zukunft ist ungewiss, seine Popularität im Ausland ist sein wichtigstes Pfand. Auf Milde des Kremls sollte er aber nicht hoffen.

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Zitat des Tages

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Marc Hanefeld betreibt eine Hausarztpraxis im Norden Deutschlands und hilft nebenher als Impfzentrumsarzt bei Corona-Impfungen in Pflegeheimen. Diese Woche hat auch er die erste Impfdosis von Biontech bekommen. Im Interview mit RND-Redakteurin Saskia Bücker spricht der Mediziner darüber, was er daran faszinierend fand, wie er Impfängsten bei Patienten und Pflegern begegnet – und wieso er eine konsequente Zero-Covid-Strategie seitens der Landesminister für längst überfällig hält.

Leseempfehlungen

Das Reich und seine Bürger: Schwarz-Weiß-Rot, die Farben des Kaiserreichs, flattern wieder bei den Gegnern der heutigen Demokratie. Und auch die ernsthafte Debatte über das Erbe des Kaiserreichs geht wieder los, berichtet RND-Korrespondent Jan Sternberg. 150 Jahre nach der Ausrufung des preußischen Königs Wilhelm zum deutschen Kaiser ist das letzte Wort über sein schwieriges Erbe noch nicht gesprochen.

­Die Models und ihr Laufsteg: Models präsentieren die neuesten Entwürfe der Designer auf dem Laufsteg, zahlreiche Zuschauer – darunter Prominente – schauen sich das Ganze an. So laufen Fashion-Weeks in Berlin, Paris oder Mailand normalerweise. Doch die Modewoche in Berlin, die am Montag startet, muss wegen der Corona-Pandemie umdisponieren. Unsere RND-Redakteurin Hannah Scheiwe hat sich schlau gemacht, wie die Modewoche in diesem Jahr abläuft.

Aus unserem Netzwerk: Angst im Supermarkt

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Beschäftigte in Supermärkten haben auch in der Corona-Pandemie täglich Kontakt zu vielen Menschen. In Mecklenburg-Vorpommern hoffen deshalb einige Mitarbeiter, bald gegen Covid-19 geimpft zu werden. In der „Ostsee-Zeitung“ kommt ein besorgter Marktleiter zu Wort.

Die Termine des Tages

Lockdown und CDU-Vorsitz: Die Bundesparteien halten ihre Vorstandssitzungen ab und treten danach vor die Presse.

Vermittlung im Erdgaskonflikt: Bundesaußenminister Heiko Maas reist in die Türkei.

Wer heute wichtig wird

Giuseppe Conte. © Quelle: Andrew Medichini/AP/dpa

Die italienische Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte steht vor dem Aus. Die Partnerpartei Italia Viva ist nach Differenzen über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise aus der Koalition ausgestiegen. Conte wendet sich am Montag an das italienische Unterhaus und am Dienstag an den Senat. Nach jedem Auftritt gibt es eine Abstimmung, die auf eine Vertrauens­abstimmung hinausläuft.

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Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die Woche,

Ihr Christian Palm

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