Linken-Vorsitz: Bundesvize Wissler erwägt Kandidatur

  • Mitte Juni findet in Erfurt der Parteitag der Linken statt.
  • Offen ist, wer die Partei anschließend führt.
  • Nun hat die hessische Fraktionsvorsitzende Janine Wissler eine Kandidatur nicht ausgeschlossen, und auch Bundestags-Fraktionsgeschäftsführer Jan Korte ist in der Diskussion.
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Berlin. Die Vorsitzende der Linksfraktion im hessischen Landtag, Janine Wissler, schließt eine Kandidatur für den Vorsitz der Bundespartei nicht mehr aus. „Wir haben zwei amtierende Parteivorsitzende“, sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Mit beiden habe ich sehr gut zusammengearbeitet. Sie müssen erst mal sagen, was sie wollen. Und dann muss ich mir das überlegen.“ Bereits vor einer Woche hatte die 38-Jährige am Rande einer Pressekonferenz in Wiesbaden auf eine Nachfrage erklärt: „Ich bin da noch nicht entschieden.“

Der Bundesparteitag mit den Vorstandswahlen ist für den 12. bis 14. Juni 2020 in Erfurt geplant. Die Satzung enthält eine Bestimmung, wonach Parteivorsitzende nach achtjähriger Amtszeit nicht mehr antreten sollten. Bei Katja Kipping und Bernd Riexinger sind diese acht Jahre im Juni vorbei. Allerdings verlautet selbst aus dem Lager ihrer Kritiker, womöglich könne sie oder er vielleicht doch länger amtieren. Im Zweifel wäre das wohl eher Kipping, die politisch gerade sehr aktiv ist, sich aber noch nicht erklärt hat. Das dürfte sie wohl im März nach der geplanten Strategiekonferenz in Kassel tun.

2017 noch auf Kandidatur für Bundestag verzichtet

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Wissler ist seit 2008 Abgeordnete im hessischen Landtag und dort Fraktionsvorsitzende. Überdies ist sie seit 2014 eine der stellvertretenden Bundesparteivorsitzenden, hat es in der chronisch polarisierten und aufgeheizten Partei aber stets vermocht, sich nicht allzu deutlich auf eine Seite zu schlagen. Wohl auch deshalb sind ihre Ergebnisse auf Parteitagen meistens sehr gut.

Nicht zuletzt Wissler wird zugeschrieben, dass die Linke bei den vorangegangenen hessischen Landtagswahlen stets klar über 5 Prozent lag. Freilich verharren die hessischen Grünen fest in der schwarz-grünen Koalition. Viel spricht dafür, dass dies auf absehbare Zeit so bleibt. Die fehlende Machtperspektive könnte dazu führen, dass die Diplom-Politologin Wissler, die dem trotzkistischen Netzwerk Marx21 angehört, den Sprung nach Berlin jetzt wagt. 2017 hatte sie auf eine Kandidatur für den Bundestag noch verzichtet.

Wissler und Korte kennen sich

Unterdessen versuchen die Reformer in der Linken um Fraktionschef Dietmar Bartsch, den Parlamentarischen Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Jan Korte, zu einer Kandidatur zu bewegen. Bartsch und Korte sind befreundet. Bisher möchte der 42-jährige gebürtige Niedersachse, der politisch seit Langem in Sachsen-Anhalt zu Hause ist, nicht antreten. In Kortes Umfeld wird jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich dies noch ändern könnte. Das hätte wohl zur Folge, dass er seinen Job als Fraktionsgeschäftsführer aufgeben müsste. Korte äußert sich auf Anfrage nicht zu etwaigen Ambitionen. Der Job als Parteichef gilt wegen der zahlreichen internen Streitereien als undankbar.

Wissler und Korte kennen sich schon lange und haben 2019 ein gemeinsames Papier zum Umgang mit dem Rechtsextremismus geschrieben. Dass beide streng genommen Westdeutsche sind, würde nicht mehr so sehr ins Gewicht fallen, weil Korte schon vor über 15 Jahren nach Ostdeutschland zog.

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