Linken-Parteivorsitz: Wissler und Hennig-Wellsow treten an

  • Nach der hessischen Fraktionsvorsitzenden Janine Wissler hat auch Thüringens Partei- und Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow ihre Kandidatur für den Vorsitz der Linken erklärt.
  • Beide haben ganz gute Aussichten, gewählt zu werden.
  • Fraktionschef Dietmar Bartsch hält von dem Frauenduo allerdings nicht so viel.
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Berlin/Potsdam. Die Vorsitzende der Linksfraktion im hessischen Landtag, Janine Wissler, bewirbt sich um den Vorsitz der Bundespartei. Das geht aus einer Erklärung hervor, die sie am Freitag veröffentlichte. “Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich auf dem kommenden Parteitag als Parteivorsitzende kandidieren soll, und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich das tun möchte”, heißt es darin.

Und auch Thüringens Linke-Landespartei- und -Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow will Bundesvorsitzende ihrer Partei werden. Das gab die 42-Jährige am Freitagabend nach einer Vorstandssitzung der Thüringer Linken in Erfurt bekannt.

Der 39-Jährigen aus Frankfurt am Main und der 42-Jährigen aus Erfurt werden parteiintern gute Chancen eingeräumt. Die amtierenden Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger hatten vor einer Woche ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklärt, weil die Satzung eine Bestimmung enthält, dass Vorsitzende nach spätestens acht Jahren ausscheiden sollten. Kipping und Riexinger waren im Juni 2012 gewählt worden.

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Höhn und Korte zögern

Als denkbar gilt, dass sich auch der ehemalige Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn, der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, und der stellvertretende Parteivorsitzende Ali Al-Dailami bewerben. Allerdings ist einer der beiden Vorsitzendenplätze laut Satzung einer Frau vorbehalten. Sollte sich keine weitere Kandidatin finden, dann käme also entweder Wissler oder Hennig-Wellsow definitiv ins Amt.

Während Korte den Vorsitz dem Vernehmen nach gar nicht anstrebt, eine Kandidatur aber unter bestimmten Bedingungen auch nicht ausschließt, ist es bei Höhn offenbar genau umgekehrt: Er würde wohl antreten, wenn eine Chance bestünde, dass er es schafft. Beide gehören dem Forum Demokratischer Sozialismus (FDS) an, in dem die Reformer der Linken versammelt sind, das jedoch mittlerweile nicht mehr ganz einheitlich agiert. Al-Dailami zählt hingegen zum linken Flügel der Partei und hätte allenfalls Außenseiterchancen.

Sicher ist, dass der Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch eine Kandidatur seines langjährigen Freundes und Weggefährten Korte begrüßen würde. Bartsch steht einem Duo aus Wissler und Hennig-Wellsow skeptisch gegenüber. Ihm geht es vornehmlich darum, sich die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 2021 zu sichern. Sie wäre durch die beiden Frauen womöglich gefährdet. Korte könnte die Interessen von Bartsch sichern.

Die Fraktion traf sich am Donnerstag und Freitag zu einer Klausurtagung in Potsdam. Im Anschluss sagte Bartsch, Wissler sei eine “herausragende Politikerin”. Er gehe ungeachtet dessen davon aus, dass sich noch einige andere Kandidaten melden würden, und hoffe auf “tragfähige Lösungen”.

Rückenwind aus Berlin

Die Berliner Landesvorsitzende der Linken, Katina Schubert, bewertete die aktuellen Äußerungen Wisslers und Hennig-Wellsows positiv. “Ich begrüße die Ankündigung der Kandidaturen”, sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Ich glaube, dass wir mit den zwei Frauen an der Spitze gut aufgestellt wären. Wir würden dadurch nochmal neuen Schwung für einen notwendigen politischen Wechsel bekommen.” Auch Kipping favorisiert das Duo; sie ist eine enge Vertraute Hennig-Wellsows. Als schwierig gilt, dass Letztere in Thüringen gebraucht wird. Dort steht im April 2021 eine Neuwahl des Landtages an.

Der Bundesparteitag ist am 31. Oktober und 1. November in Erfurt geplant. Dass er stattfinden kann, ist wegen der Corona-Pandemie nicht ausgemacht. Der Parteitag hätte eigentlich schon im Juni abgehalten werden sollen, wurde dann aber abgesagt.

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