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Linke Randale in der Boomtown: Leipzig ist “der andere Osten”

  • Am Freitag wurde der Jahresbericht zum Stand der deutschen Einheit bekannt.
  • Darin erscheint Ostdeutschland als wirtschaftlich rückständig und auch politisch anders.
  • Dass es Leipzig besser geht und dort nicht Rechts-, sondern Linksradikale dominieren, ist dennoch keine gute Nachricht, findet Markus Decker.
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In knapp vier Wochen jährt sich die deutsche Einheit zum 30. Mal. Bereits am Freitag wurde der jährliche Bericht der Bundesregierung zum Stand derselben öffentlich. Parallel dazu setzten in Leipzig die militanten Proteste gegen die Räumung besetzter Häuser ein. Hat das eine mit dem anderen zu tun? Ja und Nein.

Der Regierungsbericht zur Einheit bewegt sich auf der Linie der Vorgänger-Berichte. Wirtschaftlich hole der Osten auf, heißt es darin. Allerdings schreitet die Angleichung aufs Ganze gesehen im Schneckentempo voran. Die Autor*innen des Berichts räumen denn auch ein: Selbst kurz vor dem Einheitsjubiläum habe noch kein Flächenland der neuen Bundesländer das Niveau des westdeutschen Landes mit der niedrigsten Wirtschaftskraft erreicht.

Frust der Transformation

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Politisch stellt auch der aktuelle Bericht fest, was bereits die Vorgängerberichte feststellen mussten: dass die Skepsis gegenüber den politischen Verhältnissen in Ostdeutschland unverändert größer ausfällt als in Westdeutschland. Die Skepsis artikuliert sich überwiegend Rechtsaußen mit breiten Brücken zur Mitte hin und ist unter anderem Reaktion auf den Transformationsprozess und die Härten der Vereinigung.

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Das Irritierende an Leipzig ist nun, dass es in doppelter Weise von der Norm abweicht. Die Stadt gilt ökonomisch betrachtet als Boomtown, als “Hypezig”. Es widerspricht dem Klischee ostdeutscher Tristesse zu 100 Prozent. Indikator dieses erfreulichen Aufschwungs sind die unerfreulichen Verhältnisse auf dem Immobilienmarkt. Die Einwohnerzahl steigt. Wohnungen werden knapp und teuer. Zugleich macht Leipzig anders als “das rechte Dresden” seit Jahren mit einer entwickelten linksradikalen Szene von sich reden. Dabei haben auch die Leipziger Linksradikalen ein Viertel, in dem sie es sich gleichsam (un)gemütlich machen. Was in Berlin Friedrichshain ist und in Hamburg das Schanzenviertel, ist in Leipzig längst Connewitz: Ein Funke, und es knallt.

Probleme des Kapitalismus

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Die Szene nimmt die herrschenden Probleme auf dem Wohnungsmarkt zum Anlass für Randale und Angriffe auf Polizisten. Ja, Leipzig gilt in Sicherheitskreisen mittlerweile als der Hotspot der Autonomen. Im Einheitsbericht steht: Dass die ostdeutschen Einkommen bei lediglich 86 Prozent der westdeutschen Einkommen lägen, werde durch “vergleichsweise günstige Preise für Mieten und Bauland zu einem erheblichen Teil” kompensiert. Genau das trifft auf Leipzig immer weniger zu.

Dass die Gewalt und ihre Rechtfertigung gesamtdeutsch geworden sind und so gesehen eine gewisse Normalisierung eingetreten ist, ist natürlich dennoch kein Grund zur Freude. Wie nachvollziehbar die Wut bei manchen auch sein mag: Die Urheber von Angriffen auf Polizisten, die als Bürger übrigens ebenfalls unter der Gentrifizierung leiden, sind politische Kriminelle. Sie müssen in Ost wie West bestraft werden.

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