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Leopoldina-Neurologin über Impfstart: „Grobes Versagen der Verantwortlichen“

  • Die Bundesregierung muss scharfe Kritik am schleppenden Impfstart einstecken.
  • Leopoldina-Mitglied Frauke Zipp wirft den Verantwortlichen vor, im Sommer zu wenig Impfstoff bestellt zu haben.
  • Dabei wäre das Risiko gering gewesen – und möglicherweise hätten sogar ärmere Länder profitiert.
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Berlin. Im Vergleich zu anderen Ländern – wie etwa Israel oder Großbritannien – laufen die Corona-Impfungen in Deutschland nur schleppend an. Deshalb kommt nun aus den Reihen der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina scharfe Kritik an der Bundesregierung.

„Ich halte die derzeitige Situation für grobes Versagen der Verantwortlichen“, sagte Leopoldina-Mitglied Frauke Zipp der Zeitung „Die Welt”. „Vor Kurzem gab es noch offizielle Totengedenken, jetzt zählt offenbar nicht mehr jeder Tag, an dem Menschenleben gerettet werden könnten. Jetzt wird Geduld eingefordert.“

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Nach Impfstart: Rufe nach schnellerer Produktion
2:00 min
Nach dem Start der Corona-Impfungen gibt es Forderungen nach einem höheren Tempo bei der Impfstoffproduktion.  © dpa
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Zipp, die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurologie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz ist, bezog ihre Kritik vor allem auf das zögerliche Bestellen von Impfstoff durch die Politik: „Warum hat man im Sommer nicht viel mehr Impfstoff auf Risiko bestellt? Es gab diese Angebote, wir hätten sie jetzt zur Verfügung.“ Ihr Kenntnisstand sei, dass „Biontech im Spätsommer wesentlich mehr Impfdosen angeboten“ habe.

„Wenn man bei den damals schon Erfolg versprechenden Unternehmen wie Biontech, Curevac, Moderna, Astra Zeneca und einem weiteren schon im Sommer für jeweils 60 Prozent der Bevölkerung – für Deutschland also etwa jeweils 100 Millionen Dosen zu je rund 20 Euro – bestellt hätte, dann wären das für Deutschland gerechnet Kosten von rund 10 Milliarden Euro gewesen“, rechnete sie vor.

Weil viele Impfstoffe sogar deutlich billiger seien, wäre der Betrag „nichts im Vergleich zu den Summen, die man gerade zur Stützung der Wirtschaft aufwenden“ müsse. „Ganz zu schweigen von den Menschenleben, die durch eine frühe und zügige Impfung zu retten wären“, ergänzte Zipp, die auch die rheinland-pfälzische Landesregierung berät.

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Unterstützung von der FDP

Ein großes Risiko hätte man nicht eingehen müssen. „Wenn alle Impfstoffe effektiv und sicher wären, hätte man zwar zu viel Impfstoff – der könnte aber an ärmere Länder weitergegeben werden“, betonte das Leopoldina-Mitglied.

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Unterstützung erhielt Zipp aus den Reihen der FDP. “Die Kritik an der Impfstoffbeschaffung ist sehr ernst zu nehmen”, sagte Generalsekretär Volker Wissing der “Welt”. “Wir sehen am Beispiel Israels und anderer Länder, dass es möglich ist, schneller zu impfen. Die Bundesregierung muss sehr gut erklären, warum das in Deutschland so schleppend läuft.”

Die Linke fordert indes eine Regierungserklärung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). “Es muss aufgearbeitet werden, warum der Impfstoff zu knapp ist und wo geschlampt wurde”, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Jan Korte, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Es sei “dringend geboten”, dass der Gesundheitsminister sich in der kommenden Sitzungswoche dem Bundestag erkläre. Außerdem müsse dargelegt werden, wie die Impfkapazitäten schnell erhöht werden könnten und inwiefern die Bundesregierung in die Verhandlungen in der EU eingebunden gewesen sei, sagte Korte.

RND/tdi/dpa

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