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Kampf um den Bundesvorsitz

Leipziger Linken-Politiker Pellmann will Parteichef werden – wofür steht er?

Sören Pellmann am Dienstag vor der Volksbühne in Berlin bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur für den Bundesvorsitz der Linken.

Berlin. Mit Lastenrad und roten Fahnen steht Sören Pellmann am Dienstagmittag vor der Volksbühne in Berlin-Mitte. Als der Bundestags­abgeordnete der Linken gerade anhebt, seine Botschaft des Tages zu verkünden, geht das Ende des Satzes „habe ich mich entschlossen …“ im Getöse eines Mülllasters unter. Pellmann muss dann noch einmal wiederholen, dass er für den Bundesvorsitz der Linken Ende Juni auf dem Parteitag in Erfurt kandidieren will.

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Der Entschluss, in dieser „schwierigen Situation konkret Verantwortung zu übernehmen“, sei in einer Vielzahl von Gesprächen gereift, sagt der ausgebildete Pädagoge, der in Leipzig bis zu seinem Einstieg in die Bundespolitik als Grundschullehrer gearbeitet hat. Schon 2017 gewann der 45-Jährige dort ein Direktmandat für den Bundestag gegen den damaligen CDU-Kandidaten hauchdünn mit 1170 Stimmen.

Diese fünf Eigenschaften brauchen Politiker, um eine Chance auf Erfolg zu haben

Manche Minister stehen gut da, andere schlecht. Das hat Gründe. Damit Politikerinnen und Politiker ankommen, müssen sie vielerlei Qualitäten mitbringen. Und auch dann gibt es keine Garantie.

„Pelle, der Eroberer“, titelte eine Zeitung in Anlehnung an einen Roman von Martin Anderson Nexø, und Pellmann blieb auch bei der Bundestagswahl im September 2021 auf Erfolgskurs. Neben Gregor Gysi und Gesine Lötzsch (beide Berlin) holte er in Leipzig erneut eines von drei Direktmandaten, die der Partei trotz Scheiterns an der Fünfprozenthürde den Wiedereinzug in den Bundestag in Fraktionsstärke sicherten.

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Für seine Kandidatur zum Parteivorsitz hat Pellmann ein Zehn-Punkte-Programm unter dem Titel „Gemeinsam, einfach machen!“ aufgestellt, in dem es unter anderem um „inhaltliche Klärung“, „politische Kommunikation“ und „miteinander statt gegeneinander“ geht. Gegenüber den vor der Volksbühne versammelten Journalistinnen und Journalisten erklärt er, dass Schluss sein müsse mit Machtkämpfen und persönlichen Eitelkeiten. Damit legt er den Finger in die Wunde, denn die Linke gilt als heillos zerstritten.

Ramelow: Partei hat drei Machtzentren

Der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow hatte gerade am Wochenende noch einmal beklagt, dass die Partei quasi drei Machtzentren habe: den Bundesvorstand, die Bundestagsfraktion und den Bundesausschuss. Diese würden auf eine Frage manchmal drei konträre Antworten geben.

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Pellmann will die Partei wieder einen und als Ostbeauftragter der Fraktion auch noch den Osten wieder stärker ins Blickfeld rücken. „Der Protest gegen soziale Verhärtungen darf nicht noch weiter nach rechts zur AfD wandern“, sagt er. Dass er als gebürtiger Leipziger und in Sachsen sozialisierter Politiker für den Osten steht, ist klar. Aber wofür steht er noch?

Sahra Wagenknecht, die für ihren eigenen Kurs in der Partei bekannt ist, hatte sich schon Anfang Mai im „Spiegel“ für Pellmanns Kandidatur ausgesprochen und ihm die Sache damit nicht unbedingt leichter gemacht. Der medial im „Wagenknecht-Lager“ eingeordnete Linke wehrt auf RND-Nachfrage ab: „Ich gehöre keiner Strömung an, keiner Plattform und auch keinem Lager“, betont Pellmann. Natürlich habe Sahra Wagenknecht eine besondere Außenwirkung. Umso wichtiger sei es, diese für die Partei zu nutzen.

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Pellmann muss sich gegen Vorwürfe wehren

Wehren muss sich Pellmann auch gegen Vorwürfe des „Spiegel“ über zu große Russland-Nähe und überdimensionierte Wahlkampffinanzierung, die angeblich mithilfe alter Stasi-Netzwerke gestemmt worden sei. Pellmann dazu: „Putin ist für mich kein Linker, sondern ein Turbokapitalist, mich verbindet nichts mit ihm. Bei meinem Wahlkampf ist alles sauber nach dem Parteien­finanzierungs­gesetz gelaufen.“ Schon gegenüber der „Leipziger Volkszeitung“ hatte er auf 160 Einzelpersonen verwiesen und gesagt: „Ich kenne jeden Spender und jede Spenderin namentlich.“

Während Pellmann sich vor der Volksbühne erklärt, sickert die Meldung durch, dass auch der Linken-Europapolitiker Martin Schirdewan seinen Hut für den Bundesvorsitz in den Ring wirft, der laut Satzung aus einer Doppelspitze besteht. Der 1975 in Ost-Berlin geborene Schirdewan will wie Pellmann in einem Team „vertrauensvoll zusammenarbeiten“. Damit stehen für den Posten des Co-Vorsitzenden nun schon zwei Bewerber fest neben der amtierenden Parteichefin Janine Wissler, die erneut antreten will. Pellmann zur Kampfkandidatur Schirdewans: „Europa ist weit weg, ich stehe für ‚nah dran‘.“

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