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Leipziger Autoritarismus-Studie: Fast die Hälfte glaubt an Corona-Verschwörung

  • Der Glaube an Verschwörungsmythen steigt stark an.
  • Zu diesem Ergebnis kommt die neue Leipziger Autoritarismus-Studie.
  • Zwischen West und Ost gibt es große Unterschiede.
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Berlin. Einsatzwagen der Polizei schützen das Haus der Bundespressekonferenz vor den Corona-Demonstrierenden im Berliner Regierungsviertel. Drinnen sprechen zwei Leipziger Professoren über den Anstieg von Verschwörungsmythen. Selten hatte die Autoritarismus-Studie so viel Aktualität.

Oliver Decker und Elmar Brähler bezeichnen Verschwörungsmythen als „eine Art Einstiegsdroge für ein antimodernes Weltbild“. Auf den sogenannten Hygienedemos gegen die Corona-Einschränkungen manifestiert sich nach Ansicht der Wissenschaftler „wie weit verbreitet die antidemokratische Orientierung in der Gesellschaft ist, auch wenn die Menschen keiner rechtsextremen Partei oder Organisation angehören“.

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Problematisch sei dabei nicht die von den Demonstranten aufgeworfene Frage nach der Verhältnismäßigkeit der staatlichen Maßnahmen oder der Vorwurf einer Instrumentalisierung der Pandemie. Gefährlich sei vielmehr, dass einige von ihnen glaubten, hier seien „verschiedenste geheime Organisationen am Werk, die aus dem Hintergrund das Geschehen lenken würden“. In der Studie heißt es weiter: „Während die einen eine ‚Weltregierung‘ imaginieren, die einen ‚Bevölkerungsaustausch‘ vorbereitet, sind für andere die ‚Pharmalobby‘ oder gleich ganz offen die ‚jüdischen Milliardäre‘ verantwortlich für die Pandemie.”

Dass die Pandemie den Hang zu Verschwörungsmythen beeinflusst hat, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Während die Zahl der Menschen, bei denen die Forscher eine „Verschwörungsmentalität“ erkannten, zwischen 2012 und 2018 von knapp 45 Prozent auf knapp 31 Prozent sank, stieg sie 2020 wieder an: auf 38,4 Prozent.

Die Zustimmungswerte zur Aussage „Die Corona-Krise wurde so groß geredet, damit einige wenige davon profitieren können“, liegen bei 33 Prozent („stark ausgeprägt“) sowie 15 Prozent („ausgeprägt“); jene zur Aussage „Die Hintergründe der Corona-Pandemie werden nie ans Licht der Öffentlichkeit kommen“ bei knapp 48 Prozent („stark ausgeprägt“) sowie knapp 15 Prozent („ausgeprägt“). In anderen Worten: Fast die Hälfte der Befragten glaubt an eine übel wollende Elite, die im Hintergrund der Pandemie wirkt. Fast zwei Drittel erwarten, dass die „Wahrheit über Corona“ nie aufgeklärt wird.

Ost und West driften dabei immer weiter auseinander: Gut der Hälfte der Ostdeutschen (51 Prozent) attestieren die Forscher eine „Verschwörungsmentalität“, im Westen sind es 35 Prozent.

Im Westen sank in den vergangenen zwei Jahren die Zahl der Menschen, bei denen die Forscher eine „manifest-geschlossene rechtsextreme Weltsicht“ feststellten, von 5,2 Prozent auf drei Prozent. Im Osten war dagegen im gleichen Zeitraum ein Anstieg von 8,5 Prozent auf 9,5 Prozent zu verzeichnen. 2012 wurde ein Höchstwert von 15,8 Prozent im Osten gemessen.

Für die Studie mit dem Titel „Autoritäre Dynamiken. Alte Ressentiments – neue Radikalität“ waren im Mai und Juni dieses Jahres bundesweit 2503 Menschen im Alter zwischen 14 und 93 Jahren befragt worden. Wissenschaftler der Universität Leipzig beobachten seit 2002 die Entwicklung autoritärer und rechtsextremer Einstellungen in Deutschland. Um Ausländerfeindlichkeit zu messen, bitten die Forscher die Befragten Aussagen wie „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen“ oder „Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken“ zu bewerten.

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