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Lehrstunde in Kundus: AKK, die SPD und der „afghanische Weg“

  • Am Hindukusch besucht Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) die Einheiten der Bundeswehr.
  • Sie interessiert sich für die Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften.
  • Und nimmt dabei Tipps für die Zusammenarbeit in der Koalition mit an die Spree.
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Kundus. Der Punkt, auf den der Soldat deutet, ist nicht weit weg. Zehn Meter, höchstens. „In dieser Entfernung ist das Geschoss eingeschlagen“, erzählt er. Vergangenen Sommer ist das gewesen. Er war noch nicht lange angekommen im Bundeswehrfeldlager im nordafghanischen Kundus. Er stand in der Nähe eines Lagereingangs, dem Angriff entging er knapp.

Einige Monate später ist Annegret Kramp-Karrenbauer nach Kundus gereist, in die Region, die als eine der gefährlichsten gilt in Afghanistan. 16 deutsche Soldaten sind hier bis 2013 gestorben. In diesem Jahr ist die Bundeswehr dann abgezogen, seit 2016 ist sie wieder vor Ort, seit 2018 fest installiert. Kramp-Karrenbauers Vorgängerin Ursula von der Leyen ist nie in Kundus gewesen.

Das Lager Pamir, benannt nach einem der großen nahen Gebirgszüge, ist angeschlossen an eine große afghanische Kaserne. Eng ist es in diesem Feldlager, ganz anders als im weitläufigen Hauptlager Masar-i-Scharif mit seiner Fläche von rund 520 Fußballfeldern, mit vielen freien Flächen, Containerblocks und langen Straßenzügen.

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Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Verteidigungsministerin, wird von Oberst Matthias Ehbrecht (links) durch das Camp Pamir in Kundus geführt. © Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/

Im Camp Pamir stehen die Container eng aneinander, dazwischen liegen Schutzräume aus Beton und Sandsackwälle. Die Soldaten bleiben hier vier bis sechs Monate, in einer ganz eigenen Welt.

Einen OP-Saal gibt es dort, fünf Ärzte sind vor Ort. Der Chirurg zeigt Fotos von schwersten Verletzungen: zerschossenen Beinen, einem Bauchschuss, großen Kopfwunden. Schwerstverletzte werden hier behandelt, vor allem afghanische Soldaten. „Hier gibt es Verletzungen, die man zu Hause nicht sieht“, sagt der Chirurg. „Es wird hier gekämpft“, sagt ein Offizier.

Video
AKK will den Bundeswehreinsatz in Afghanistan fortsetzen
0:43 min
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die in Afghanistan stationierten Bundeswehrsoldaten besucht.  © Daniela Vates/RND/Daniela Vates
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Die deutschen Soldaten kämpfen nicht, das gibt ihr Mandat nicht her. Sie beraten die afghanischen Truppen. „Wir sind die Trainer am Spielfeldrand“, beschreibt es Major Maximilian S. Vor der Präsidentschaftswahl etwa habe man zusammen durchgesprochen, wie die Abstimmung der Schutzmaßnahmen mit der Polizei funktioniere und wer letztlich das Oberkommando haben sollte. Und die afghanische Armee habe mittlerweile einiges geschafft, zum Beispiel ihre Luftwaffe aufgebaut und ihren Sanitätsdienst. Einen Angriff auf Kundus im Sommer habe sie allein abgewehrt.

Die Nähe der deutschen Berater zum afghanischen Lager sei entscheidend, sagt der Leiter der Beratergruppe. Um etwas erreichen zu können, müsse als Erstes ein möglichst gutes persönliches Verhältnis zu den Afghanen aufgebaut werden. Dann müssten Pläne erarbeitet werden – und zwar gemeinsam. „Es gibt immer den ‚afghanischen Weg‘, und man muss im Zweifel bereit sein, dies zu akzeptieren“, hängt als Merksatz an der Wand. Es sei wichtig, dass alle an einem Strang zögen, sagt der Chefberater noch. Kramp-Karrenbauer wendet sich an die Bundestagsabgeordneten, die sie begleiten: „Ich bitte alle Kollegen, gut zuzuhören.“ Auch ein Parlamentarier des Koalitionspartners SPD ist dabei.

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Heron-Drohne der Bundeswehr.

Vor einem olivgrünen Tarnnetz bringt sie dann ein Thema auf, bei dem mit der SPD bisher kein gemeinsamer Weg gefunden wurde. Die Soldaten wünschten sich die bewaffnete Drohne, um erkannte Raketenstellungen von Angreifern selbst zerstören zu können, statt über Stunden auf die Hilfe der USA oder der Afghanen zu warten, sagt sie. Es gehe um den Eigenschutz der Soldaten. „Ich kann das gut nachvollziehen“, sagt sie. Sie werde das so dem Bundestag vortragen.

RND

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