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Lehrerpräsident Meidinger: „Die Maskenpflicht macht unsere Schulen sicherer“

  • Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnt mit Blick auf das Pandemiegeschehen an den Schulen vor dem Kontrollverlust.
  • Im RND-Interview kritisiert er, die wissenschaftliche Expertise werde vielfach zugunsten von politischen Wünschen ignoriert.
  • Dort, wo die Inzidenzen sehr hoch seien, müssten ungeimpfte Lehrer sich täglich testen, fordert er.
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Berlin. Herr Meidinger, verlieren wir gerade die Kontrolle über das Pandemiegeschehen an Schulen?

Es gibt erschreckende Inzidenzen in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen. Die Vielzahl der Corona-Ausbrüche an den Schulen muss uns große Sorgen bereiten. Die Gefahr ist immens, dass wir die Kontrolle über das Pandemiegeschehen an Schulen verlieren. Das ist auch die Einschätzung vieler medizinischer Experten.

Was ist das zentrale politische Versäumnis?

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Bei vielen Landesregierungen hat sich zum Thema Corona und Schule eine Grundhaltung etabliert, die sich so beschreiben lässt: „Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt.“ Das heißt, die Verantwortlichen stellen die eigenen politischen Wünsche über die wissenschaftliche Expertise. Ich halte es für höchst bedenklich, wenn Bundesländer sich entgegen der Empfehlung des Robert Koch-Instituts von der Maskenpflicht an Schulen verabschieden, obwohl die Infektionen bei Schulkindern durch die Decke gehen. Die Maskenpflicht macht unsere Schulen sicherer, das zeigen auch ganz aktuelle Studien. Deshalb müssen wir an ihr voraussichtlich solange festhalten, wie die vierte Welle durch die Schulen rollt.

Zahlen also wieder die Kinder und Jugendlichen den Preis, obwohl das Problem doch ungeimpfte Erwachsene sind?

Die Pandemie ist nicht gerecht. Ja, ein großes Problem sind die ungeimpften Erwachsenen. Das heißt aber nicht, dass wir keine Schutzmaßnahmen für Schulkinder ergreifen müssen. Diese stecken sich zwar beispielsweise bei einem Erwachsenen zu Hause an, bringen aber diese Infektion dann mit in die Schule und geben sie dort an Mitschüler weiter, wenn wir dort keine Schutzmaßnahmen ergreifen. Wir können das nicht einfach hinnehmen als wäre nichts. Das gilt erst recht, da es auch unter Kindern Fälle von Long Covid gibt. Die Masken sind lästig. Aber die Schülerinnen und Schüler kommen normalerweise gut damit klar.

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Geht es bei den Impfungen der über Zwölf-Jährigen schnell genug voran?

Es gibt erhebliche Fortschritte bei den Impfungen der Jugendlichen. Ich bin dafür, alles zu tun, um noch schneller zu sein. Das heißt: Wir sollten noch mehr auf niedrigschwellige Angebote setzen. Dort, wo es gewünscht und machbar ist, sind Impfmobile an den Schulen weiterhin eine gute Idee. Das wird ohnehin wieder ein Thema, wenn auch die Impfung der unter Zwölf-Jährigen möglich und empfohlen ist. Ich hoffe für die Kinder sehr, dass dies bald der Fall ist.

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Wäre eine Impfpflicht für Lehrer angebracht?

Nein. Eine Impfpflicht für Lehrerinnen und Lehrer ist nicht zuletzt angesichts der sehr hohen Impfquote in dieser Berufsgruppe nicht notwendig. Dort, wo die Inzidenzen sehr hoch sind, halte ich aber eine 3G-Regel für Lehrkräfte für eine richtige Idee. Das heißt: Lehrer, die ungeimpft sind, müssten sich dann jeden Tag testen. Die meisten Lehrkräfte kommen täglich mit mehreren verschiedenen Klassen in Kontakt. Die Ansteckungsgefahr für sie selbst und in der Folge dann auch für andere ist also vergleichsweise hoch, wenn sie ungeimpft sind.

Brauchen wir bundeseinheitliche Regeln für den Umgang mit der Pandemie in den Schulen?

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Es ist einer der großen Fehler des politischen Umgangs mit der Pandemie, dass es kaum beziehungsweise nur kurzzeitig gelungen ist, für die Schulen zu bundesweit einheitlichen Regeln zu kommen. Es reicht halt nicht aus, zu schauen, ob die Intensivstationen in einer Region ausgelastet sind – damit wird man der Gefahr durch das Infektionsgeschehen an den Schulen nicht gerecht. Dass wir einheitliche Regeln brauchen, heißt übrigens nicht, dass überall dasselbe passieren muss. Es muss aber verlässliche Kriterien für unterschiedliche Situationen geben. Da darf es ruhig auch Unterschiede in einem Bundesland geben, wenn die Situation regional nicht die gleiche ist.

Muss es notfalls auch eine Rückkehr zum Wechselunterricht geben?

Das will natürlich keiner. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir derzeit so viele heftige Infektionsausbrüche an Schulen haben wie noch nie. Wenn die Situation sich weiter verschärft, dann wäre es gefährlich, auf die Wiederherstellung des Mindestabstands an Schulen von vornherein völlig zu verzichten. Ich bin mir aber nicht sicher, ob im Fall der Fälle wirklich die politische Kraft dafür vorhanden wäre. Es reicht nicht aus zu wissen, was notwendig wäre. Man muss es auch tun.

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