Lehrermangel: Wir dürfen die Schulen nicht allein lassen

  • Der deutsche Lehrerverband schlägt einmal mehr Alarm - wegen des Lehrermangels
  • Etwa 15.000 Stellen könnten bundesweit nicht besetzt werden, warnte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger im Deutschlandfunk.
  • Der Lehrerberuf muss attraktiver werden, kommentiert Tobias Peter.
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Berlin. Es fehlen Lehrer – und das nicht zu knapp! Dieser Befund ist eindeutig, auch wenn Lehrerverbände und Kultusministerien das Ausmaß des Problems nie exakt gleich beschreiben. Die Länder haben verstanden, dass sie etwas tun müssen. Doch sie steuern nicht entschieden genug gegen. Die Politik hinkt der Entwicklung immer ein bis zwei Schritte hinterher.

Keine Frage, Geburtenzahlen lassen sich nicht perfekt prognostizieren. Die starke Migration ab Herbst 2015 war so nicht vorhersehbar. Dennoch gilt: Die langfristige Planung muss besser werden. Und wenn sich etwas ändert, muss die Politik schneller reagieren. Jetzt braucht es vor allem bessere Arbeitsbedingungen für Lehrer, um mehr junge Menschen von diesem Studium zu begeistern.

Die Sache mit den Seiteneinsteigern

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Dass ein Teil der unbesetzten Stellen mit Seiteneinsteigern aufgefüllt wird, ist grundsätzlich in Ordnung. Es ist sogar gut, wenn auch der eine oder andere im Klassenraum steht, dessen Vorleben nicht vor allem aus Schule und Lehramtsstudium besteht. Der Deutsche Lehrerverband hat aber Recht, dass es auf ein angemessenes Zahlenverhältnis zwischen gelernten Lehrern und Seiteneinsteigern ankommt.

Schulen sind Brenngläser unserer Gesellschaft, wenn es um soziale Probleme und Integrationsfragen geht. Auch Seiteneinsteiger brauchen eine hinreichende pädagogische Vorbereitung. Crashkurse reichen nicht aus.

Es geht nicht in erster Linie um die Bezahlung

Attraktiver wird der Lehrerberuf nicht in erster Linie durch eine bessere Bezahlung. Zwar ist – auch auf der Grundlage des Lehrermangels in Grund- und Sonderschulen – die Frage berechtigt, warum oft die Lehrer am schlechtesten bezahlt werden, die pädagogisch besonders anspruchsvolle Aufgaben übernehmen, oft in sozialen Brennpunkten.

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Entscheidend aber ist: Wir dürfen Lehrer im Klassenraum nicht allein lassen. Sie brauchen die Gelegenheit, sich auch mal gegenseitig im Unterricht zu besuchen und gemeinsam Ideen zu erarbeiten. Brennpunktschulen müssen wir so mit Sozialarbeitern und Erziehern ausstatten, dass Lehrer nicht den Eindruck haben: Die Gesellschaft lädt ihrer Probleme nur an den Schulen ab.

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