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Lehrer warnen: “Die Schulen dürfen nicht alleingelassen werden”

  • Der 4. Mai ist der Tag, an dem Hunderttausende nach Wochen erstmals wieder in die Schulen kommen.
  • Mehrere Lehrergewerkschaften fordern bessere Unterstützung ein.
  • Und sie haben eine konkrete Vorstellung, worin die jetzt bestehen müsste.
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Berlin. Die Nervosität wächst. Hunderttausende Kinder und Jugendliche gehen an diesem Montag zum ersten Mal seit Wochen wieder in die Schule. Auch wenn die schrittweise Öffnung ab dem 4. Mai noch weit von einem Normalbetrieb entfernt ist, stellt sich die Frage: Sind die Schulen gut genug vorbereitet?

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Gibt es ausreichend Desinfektionsmittel?

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Mehrere Lehrergewerkschaften dringen auf bessere Unterstützung und fordern verbindliche Ansprechpartner in den Ministerien für die Schulleitungen. “Die Schulen dürfen nicht alleingelassen werden”, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Es müsse sichergestellt sein, “dass alle Schulen ausreichend mit Hygiene- und Desinfektionsmitteln ausgestattet sind und täglich grundständig gereinigt werden”, setzte sie hinzu. Die Kommunen bräuchten finanzielle Unterstützung, um ihren Aufgaben nachkommen zu können.

Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sagte dem RND, auf den Schultern der Schulleitungen liege jetzt viel Verantwortung. “Um diese wahrnehmen zu können, braucht es verbindliche Ansprechpersonen in den Kultusministerien”, forderte er.

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RND-Videoschalte: “Die Schulen brauchen eine Vorlaufzeit”
5:05 min
Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE, spricht über Schulöffnungen.  © Tobias Peter/RND

Beckmann erläuterte: “Die Interpretation der Hygienekonzepte, so sie denn vorliegen, obliegt den Schulleitungen.” Er sagte: “Mit dem Zollstock und viel Kreativität werden Räume umgestaltet.” Gleichzeitig würden die Lerngruppen geteilt, dafür Stundenpläne erstellt und die Lehrkräfte zugewiesen.

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“Doch wer ist eigentlich da, wenn die Schulleitungen Fragen haben? Wenn der Interpretationsspielraum zu groß ist, wenn sie sich rechtlich absichern wollen oder sie melden müssen, dass die Ausdehnung der Schulöffnung auf weitere Jahrgangsstufen organisatorisch nicht zu stemmen ist?” Das ist die mahnende Nachfrage des VBE-Vorsitzenden.

So sieht das Konzept der Minister aus

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Die Länder hatten sich auf eine schrittweise Öffnung der Schulen ab dem 4. Mai verständigt. Gleichzeitig sah das Konzept vor, dass Prüfungsvorbereitungen schon früher beginnen können, sodass Abiturienten vielfach bereits früher zur Schule gekommen sind. Generell haben Abschluss- und Prüfungsklassen den Vorzug, also etwa auch die Klassen, in denen es um die mittlere Reife geht. An den Grundschulen sollen die vierten Klassen zuerst zurückkommen, bei denen es um den Übertritt in die nächste Schulform geht.

GEW-Chefin Tepe betonte: “Die Schulen brauchen ein Zeit- und Raumkonzept, das Schulwege und Pausen einschließt.” Dabei müsse gewährleistet sein, “dass 1,5 Meter Mindestabstand zwischen allen Menschen in der Schule eingehalten werden können”, forderte sie. Beschäftigte und Schüler, die zur Risikogruppe gehörten, dürften nicht in die Klassenräume geholt werden.

“Ministerien, Schulbehörden und Träger müssen die Schulleitungen bei der Umsetzung der Maßnahmen unterstützen”, forderte Tepe. Die Schulleitungen bräuchten “feste Ansprechpartner auf der Verwaltungsebene, die ihnen helfen, wenn Regeln und Vorgaben beispielsweise beim Schülertransport nicht eingehalten werden”.

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RND-Videoschalte “Hygiene ist an vielen Schulen ein Problem”
7:09 min
Torben Krauß von der Bundesschülerkonferenz spricht über Hygieneprobleme an vielen deutschen Schulen.  © Tobias Peter/RND

Tepe verwies darauf, die einzelnen Länder, aber auch die Schulen gingen teils unterschiedliche Öffnungswege. “Die Länder müssen ein verbindliches Rückmeldesystem entwickeln, damit die Erfahrungen aus der Schulpraxis gesammelt, ausgewertet und in entsprechende Maßnahmen übersetzt werden können”, schlug sie vor.

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Die unterschiedlichen Ansätze in den Ländern müssten wissenschaftlich begleitet werden, sagte sie. “Der Grund: Die Erkenntnisse sollen Grundlage für die nächsten Öffnungsschritte sein, beziehungsweise nach einem möglichen weiteren Lockdown bei der Wiedereröffnung genutzt werden.”

Die Kultusminister der Länder haben sich – über die ersten Öffnungsschritte in dieser Woche hinaus – auf ein Konzept verständigt, in dem es heißt: “Jede Schülerin und jeder Schüler soll bis zu dem Beginn der Sommerferien tage- oder wochenweise die Schule besuchen können.”

Das bedeutet aber auch: Einen normalen Schulbetrieb wird es nicht geben – sondern zeitweisen Unterricht in kleinen Gruppen, zum Teil in Schichten organisiert. Die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin wollen weitere Schritte am kommenden Mittwoch beraten.


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