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„Putins Cheflügner“: Russlands Außenminister Lawrow unterwegs in Afrika

Auf diesem vom Pressedienst des russischen Außenministeriums veröffentlichten Foto posieren der russische Außenminister Sergej Lawrow (links) und seine südafrikanische Amtskollegin Naledi Pandor für ein Foto vor ihren Gesprächen in Pretoria, Südafrika.

Auf diesem vom Pressedienst des russischen Außenministeriums veröffentlichten Foto posieren der russische Außenminister Sergej Lawrow (links) und seine südafrikanische Amtskollegin Naledi Pandor für ein Foto vor ihren Gesprächen in Pretoria, Südafrika.

„Kindermörder“, „Geh nach Hause“, „Bis zum Hals im Blut und keineswegs beschämt“. Mit diesen Protest­plakaten wurde der russische Außenminister Sergej Lawrow am Montag in Südafrika empfangen. Demonstrie­rende hatten sich mit Ukraine-Flaggen vor dem Außenministerium in der Hauptstadt Pretoria versammelt. Lawrow ist für sie nur eins: „Putins Cheflügner“.

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Am Sonntag brach der russische Außenminister zu seiner zweiten Afrika-Tour seit dem Angriffskrieg Russ­lands auf die Ukraine auf. Isoliert vom Westen, wirbt Russland dort um Verbündete bei den Vereinten Nationen – und um die üppigen Rohstoffe des Kontinents. Bereits vergangenen Juli war Lawrow nach Ägypten, in die Republik Kongo, nach Uganda und Äthiopien gereist. Nun stehen Südafrika, das Königreich Eswatini und Angola am Programm. Und nächsten Monat: eine Nordafrika-Tour, die Russlands Chefdiplo­maten nach Tunesien, Mauretanien, Algerien und Marokko führt. „Das wären zwölf Länder und die Afrikanische Union in weniger als sechs Monaten – eine beeindruckende diplomatische Charmeoffensive“, analysiert das Institut für Sicherheitsstudien (ISS).

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Afrika-Besuche von China, den USA und Russland in nur einem Monat

Laut dem Thinktank sei es überstürzt, von einem „neuen Wettrennen um Afrika“ zu sprechen. „Doch man kann nicht abstreiten, dass die Weltmächte energisch um Afrika werben, während sich ihre Beziehungen untereinander verschlechtern.“ Vor wenigen Tagen besuchte Chinas neuer Außenminister Qin Gang fünf afri­kanische Länder. Zeitgleich mit Lawrow ist auch die US‑Finanzministerin Janet Yellen auf dem Kontinent zu Gast. Sie will in Senegal, Sambia und Südafrika die Wirtschaftsbeziehungen vorantreiben; ein Thema seien Berichten zufolge auch die Schulden einiger afrikanischer Länder bei China. „Qins und Lawrows Besuch könnte die Antwort auf Joe Bidens Afrika-Gipfel im Dezember sein“, so das ISS.

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Doch Kritiker warnen: Länder wie Südafrika könnten sich „auf der falschen Seite der Geschichte“ wiederfinden. Die Regierung in Pretoria geriet wegen ihres russlandfreundlichen Kurses wiederholt in die Kritik. Sie pocht auf Neutralität. So sagte Südafrikas Außenministerin Naledi Pandor beim Treffen: „Wir wünschen uns, dass der gegenwärtige Konflikt zwischen Russland und der Ukraine bald ein friedliches Ende durch Diplomatie und Verhandlung findet.“ Das wünscht sich auch Lawrow, wie er betonte. Dass es bisher zu keinen Verhandlungen kam, liege aber „völlig offensichtlich“ an der Regierung in Kiew. Entsprechend schätze man Südafrikas neutralen Kurs. Außen vor bleibt dabei, dass die Ukraine nach den Verlusten von Menschen und Land und bei fortschreitender Waffengewalt durch Moskau aktuell keine Basis für Verhandlungen sieht.

Ist Südafrika wirklich neutral?

Dazu hielt die Akademikerin Irina Filatova gegenüber dem Radiosender Cape-Talk fest: „Diese Neutralität scheint mir vorgespielt angesichts der Tatsache, dass Südafrika bisher kein einziges Mal Russlands Invasion verurteilt hat.“ Während sich die Kaprepublik bei UN‑Resolutionen gegen Russland stets ihrer Stimme enthielt, führten Pretoria und Moskau ihre Beziehungen fort. Für nächsten Monat planen Südafrika und Russland – gemeinsam mit China –, ein Marinemanöver vor der südafrikanischen Ostküste abzuhalten. Opposition und Menschenrechtler verurteilen den Plan. „Durch diese Aktionen löst sich Südafrikas Argument in Luft auf, dass sich Länder auf der internationalen Bühne nicht zwischen zwei Optionen entscheiden müssen“, schrieb das Magazin „The Continent“ am Wochenende.

Während des Kampfes gegen den Kolonialismus und die Apartheid hatte die Sowjetunion etliche Befreiungs­bewegungen in Afrika mit Waffen und Training unterstützt. Nun lobte Lawrow in Pretoria die „offene und aufrichtige“ Zusammenarbeit, die bis heute zwischen der russischen Regierungspartei und dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) herrsche. Neben der historischen Verbindung sei laut Experten auch die Mitglied­schaft der beiden Staaten im Brics-Bund (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) ausschlaggebend für Südafrikas Kurs.

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Die Ukrainische Vereinigung Südafrikas (UAZA) bezeichnete Lawrow als „Putins Cheflügner“. Mit ihrem friedlichen Protest am Montag wollte die Organisation auf die russische Propagandamaschine aufmerksam machen. „Und auf die Tatsache, dass jede Annäherung zu Russlands Terrorregime und seinen Henkern nicht nur politisch und wirtschaftlich gefährlich, sondern auch moralisch inakzeptabel ist“, so die in Südafrika lebenden Ukrainerinnen und Ukrainer.

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