Lauterbach fordert Reiseverbot für Briten in die EU

  • In Großbritannien breitet sich die ansteckendere Delta-Variante rasant aus.
  • Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat daher ein Reiseverbot für Briten in die EU gefordert.
  • „Es ist komplett unverständlich, warum es keine harten EU-weiten Einreisebeschränkungen für Reisende aus Großbritannien gibt“, sagte der SPD-Politiker.
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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat ein Reiseverbot für Briten in der EU gefordert. „Angesichts der dramatischen Corona-Entwicklung im Vereinten Königreich mitten in der Hauptreisesaison wäre ein Reiseembargo aus dem Vereinigten Königreich nach Europa ratsam“, sagt der SPD Politiker in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung.

Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Großbritannien auf den höchsten Stand seit mehr als vier Monaten gestiegen. Am Samstag meldeten die Behörden 18.270 neue Fälle – rund 2400 mehr als am Vortag und so viele wie seit dem 5. Februar nicht mehr. Damit stieg die Sieben-Tage-Inzidenz auf der Insel auf über 100. In Deutschland liegt die Inzidenz aktuell bei 6,2.

Lauterbach fordert EU-weite Reisebeschränkungen

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Angesichts dieser Zahlen sagte Lauterbach in dem Interview: „Es ist komplett unverständlich, warum es keine harten EU-weiten Einreisebeschränkungen für Reisende aus Großbritannien gibt. Das Mindeste wäre eine zehntägige Quarantäne mit erstem Test nach fünf Tagen für Briten in allen EU-Ländern.“

Demnach kritisierte Lauterbach, dass in der letzten Phase vor der Impfung ganz Europa im Urlaub der Delta-Variante aus England ausgesetzt werden könnte.

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Delta-Variante könnte bis Ende August 90 Prozent der Neuinfektionen ausmachen
1:49 min
Der Anteil der ansteckenderen Variante an den Infektionen in Deutschland hat sich nach Daten des Robert Koch-Instituts innerhalb einer Woche verdoppelt.  © Reuters

16 Länder als Virusvariantengebiete eingestuft

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Beim EU-Gipfel in Brüssel hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel für ein gemeinsames Vorgehen der Europäischen Union bei den Reisebeschränkungen eingesetzt, um Reisen aus Virusvariantengebieten zu verhindern – allerdings ohne Erfolg.

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn bedauerte, dass innerhalb der EU keine Einigung in Bezug auf Reisen in Virusvariantengebiete und auch in Hinblick auf Impfregeln gefunden werden konnte. „Es wäre besser, wir würden einheitliche Regelungen finden“, sagte Spahn. Derzeit müsse die Bundesregierung die Situation in den EU-Ländern eigenständig im Blick behalten.

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Deutschland hat bisher 16 Länder als Virusvariantengebiete eingestuft, darunter auch Großbritannien. Am Freitag kamen Portugal und Russland hinzu. Die Einstufung hat ein weitreichendes Beförderungsverbot und strikte Quarantäneregeln für Einreisende zur Folge.

Großbritannien rechnet nicht mit Reiseverbot

Großbritannien rechnet hingegen nicht mit einem EU-weiten Einreiseverbot für britische Touristen. Deutschland und Frankreich hätten den Vorstoß gemacht, weil sie bei den Impfungen hinterherhinkten, sagte Verkehrsminister Grant Shapps am Freitag dem Sender Sky News.

„Deutschland hat nicht das gleiche Maß an Impfungen (wie Großbritannien), daher machen sie sich besonders Sorgen“, sagte Shapps. „Jedes Land wird seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen müssen.“ Er respektiere dies, die Lage sei in jedem Land anders.

Dem Sender Times Radio sagte Shapps, er sei zuversichtlich, dass andere EU-Staaten dem Beispiel von Deutschland und Frankreich nicht folgen. „Ich glaube nicht, dass es eine EU-weite Politik geben wird. Malta wird britische Reisende sicherlich nicht beschränken, weil Malta sehr hohe Impfraten hat“, sagte der Minister.

RND/ar/dpa

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