Lauterbach: „Impfplan bis Sommer in Deutschland nicht zu halten“

  • Der Impfstoffhersteller Astrazeneca kürzt seine Prognose für die Lieferung an die EU im ersten Quartal offenbar um ein Drittel der vertraglichen Verpflichtungen.
  • SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht deshalb davon aus, dass Deutschland von seinem Impfplan abrücken muss.
  • Unter diesen Voraussetzungen könnten bis zum Sommer maximal 30 Millionen Menschen geimpft werden.
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Berlin. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht davon aus, dass Deutschland von seinem Impfplan abrücken muss. Wenn sich bestätigte, dass Astrazeneca der Europäischen Union im zweiten Quartal nur 70 Millionen Impfdosen liefern würde und Johnson & Johnson seine Lieferungen erst Ende April beginne, könnten in Deutschland „maximal 30 Millionen Menschen“ im zweiten Quartal geimpft werden, twitterte Lauterbach. Damit „ist der Impfplan bis Sommer in Deutschland nicht zu halten“.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ein Dokument, das mit EU-Beamten geteilt wurde, berichtet, Astrazeneca habe seine Prognose für die Impfstofflieferung an die EU im ersten Quartal auf etwa 30 Millionen Dosen gesenkt. Die Kürzung entspreche einem Drittel der vertraglichen Verpflichtungen und einem Rückgang von 25 Prozent gegenüber den im letzten Monat gemachten Zusagen.

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Auf diese Unsicherheiten hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zuvor bereits hingewiesen. „Wir wissen noch nicht abschließend von allen Herstellern alle Lieferdaten im nächsten Monat“, sagte Spahn mit Blick auf Astrazeneca und Moderna.

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Am 17. März trifft sich Kanzlerin Angela Merkel wieder mit den Länderchefs. Ziel der Gespräche sei es, das Impftempo zu erhöhen.  © dpa

Sieben Millionen Dosen bis Ende März

Im ganzen zweiten Quartal sollten 60 Millionen Dosen nach Deutschland kommen – davon 40 Millionen von Biontech/Pfizer, von denen es aktuelle Daten gebe. Spahn warb für Verständnis fehlender weiterer Prognosen: Die Hersteller produzierten rund um die Uhr. Lagerhaltung gebe es nicht. Jede Unsicherheit im Ablauf könne Pläne durcheinanderwirbeln.

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Bisher wurden laut Bundesgesundheitsministerium 12,5 Millionen Dosen der drei Hersteller an die Länder geliefert. 2,7 Millionen Personen oder 3,3 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Knapp sechs Millionen Menschen haben mindestens eine der zwei nötigen Impfungen erhalten. Rund sieben Millionen Dosen erwartet der Bund noch in den rund drei Wochen bis Ende März. Vom Impfstoff von Biontech/Pfizer sind laut Spahn im April gut neun Millionen Dosen zu erwarten.

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Bei dem am Donnerstag zugelassenen Impfstoff von Johnson & Johnson seien Lieferungen frühestens Mitte/Ende April realistisch. Spahn begrüßte, dass die EU-Kommission bei dem US-Hersteller nachhake. Die EU sei schließlich bereits im Oktober mit 300 Millionen Euro für den Kapazitätsaufbau in Vorleistung gegangen.

Probleme beim Lieferstart von Johnson & Johnson in Europa haben damit zu tun, dass die USA die Ausfuhr dort abgefüllter Impfstoffe womöglich nicht erlauben.

RND/tdi/dpa

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