Laschets Merz-Dilemma

  • Armin Laschet wird Chef der CDU.
  • Der Machtkampf in der Union wird trotzdem weitergehen.
  • Auch das Rennen um die Kanzlerkandidatur bleibt offen.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

521 zu 466: Auch eine absolute Mehrheit kann Symbol einer ziemlich unklaren Lage sein. Denn die Frage nach dem Vorsitzenden der CDU ist mit der Wahl Armin Laschets beantwortet – die Richtung der Partei bleibt aber unklar.

Eva Quadbeck, Kristina Dunz und Daniela Vates berichten aus dem Herzen einer gespaltenen Partei. Meine Kolleginnen aus dem Berliner RND-Büro haben den digitalen Parteitag der CDU gestern aufmerksam verfolgt – und erlebt, wie die Partei dem Bergmannssohn Armin Laschet ihr Vertrauen geschenkt hat. Das ist auch ein Sieg für Angela Merkel, die Sehnsucht nach Kontinuität hat sich durchgesetzt.

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Friedrich Merz hat wieder einmal verloren. Und durch sein postwendend geäußertes „Angebot“, gern bald Wirtschaftsminister zu werden, hat er es sich nicht unbedingt einfacher gemacht, in Zukunft eine wichtige Rolle zu spielen. Die Absagen von Merkel und Laschet fielen kurz und kühl aus. Die künftige Zusammenarbeit macht das kompliziert.

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Laschet mit Appell für Geschlossenheit
1:26 min
Laschet sagte, dass die CDU bei der Bundestagswahl dann wieder dafür sorgen müsse, dass die Union den nächsten Kanzler stellt.  © Reuters

Laschet steckt nun im Merz-Dilemma: Dessen 466 Delegiertenstimmen stehen für einen großen Teil der CDU, der sich eine andere Partei wünscht. Wer Merz ignoriert, riskiert einen noch tieferen Riss der CDU.

Und dann ist da noch die selbstbewusste Schwesterpartei in München. In Sachen Kanzlerkandidatur führt kein Weg an einer Einigung mit Markus Söder vorbei. Laschet hat zwar eine wichtige Etappe geschafft – vor ihm liegt nun aber eine gewaltige Aufgabe: die Union zu einen.

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Laschet war im Team mit Gesundheitsminister Jens Spahn ins Rennen um den CDU-Vorsitz eingestiegen. Der hatte sich mit seinem Corona-Management eigentlich viele Sympathien erarbeitet, galt gar als Mitfavorit auf eine Kanzlerkandidatur. Auf dem Parteitag erhielt er nun ein schwaches Ergebnis bei den Vorstandswahlen – auch, weil er mit einem plumpen Werbeauftritt für Laschet unter den Delegierten einigen Unmut ausgelöst hatte.

Und das gibt dann doch etwas Klarheit: Spahn darf seine Kanzlerträume vorerst beenden.

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Zitat des Tages

Herr Adams, Sie können sprechen.

Nicht alles lief rund auf dem digitalen CDU-Parteitag: Als der zugeschaltete Delegierte Hans-Werner Adams aus Rheinland-Pfalz eine Frage stellen wollte, streikte die Technik. Er war nicht zu hören. Da halfen auch die Rufe des Moderators nicht.

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Die Termine des Tages

In Italien sucht Premier Giuseppe Conte nach einer Mehrheit vor der Vertrauensabstimmung zu Wochenbeginn.

In Österreich will die Regierung heute weitere Schritte zur Eindämmung der Corona-Pandemie verkünden.

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In München stehen Bayern-Trainer Hansi Flick und seine Mannschaft im Spiel gegen den SC Freiburg unter besonderer Beobachtung (Anpfiff: 15.30 Uhr).

Wer heute wichtig wird

Alexej Nawalny: Der 44-Jährige gilt als der prominenteste Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin – und will heute nach Russland zurückkehren. Doch Nawalny drohen in Russland mehrere Strafverfahren, die als politisch motiviert in der Kritik stehen. Möglich ist eine Festnahme, weil er Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren nicht erfüllt haben soll, während er sich in Deutschland aufhielt. © Quelle: Navalny Instagram Account/Navalny

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