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  • Laschet vs. Söder: Was steht für die Kanzlerkandidaten von CDU und CSU auf dem Spiel?

Was passiert, wenn ...? Diese Szenarien bleiben der Union noch

  • Die beiden Schwesterparteien fechten einen erbitterten Machtkampf um die Kanzlerkandidatur aus.
  • Für CDU-Chef Laschet steht die gesamte politische Karriere auf dem Spiel, aber auch Söder wird nicht unbeschadet aus dem Ringen hervorgehen.
  • Ein Überblick darüber, wer was hat und wem was blüht.
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Berlin. Der Machtkampf in der Union um die Kanzlerkandidatur soll im Laufe dieser Woche entschieden werden – nur wie, ist ihr selbst nicht ganz klar. Verhandlungsdelegation von CDU und CSU Ja oder Nein? Und wenn, wie viele Vertreter? Und wann? Vielleicht doch erst einmal unter vier Augen beziehungsweise vier Ohren der beiden Parteivorsitzenden und Bewerber, Armin Laschet und Markus Söder?

Die denkwürdige Unionsfraktionssitzung am Dienstag brachte keine Klärung. Sie hat nur gezeigt, wie zerrissen und zerstritten die beiden Schwesterparteien sind. Nachfolgend mögliche Szenarien in dem historischen Parteiprozess um das Erbe der langjährigen Kanzlerin Angela Merkel.

Der mühsame Weg zur Entscheidung

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Die Halbwertzeit der Überlegungen ist nicht lang. Am Montag wollte die CSU noch mit einer Verhandlungsdelegation mit sieben Leuten die K-Frage klären. Am Mittwoch erschien das nicht mehr sicher.

Die erste CSU-Idee, mit Parteichef Markus Söder, Generalsekretär Markus Blume, dem Landesgruppenchef im Bundestag, Alexander Dobrindt, sowie zwei CSU-Vertretern aus Bayern und aus dem Bundestag zu dem Gespräch aufzuschlagen, verfestigte sich zunächst nicht. Würde die CDU das spiegelbildlich komplettieren, müssten sage und schreibe 14 Menschen verhandeln – das ist eine von Koalitionsverhandlungen gekannte Größe, aber nicht, wenn es um die Entscheidung zwischen zwei Personen geht.

CSU-Chef Markus Söder, Ministerpräsident Bayern (links), sein Generalsekretär Markus Blume, Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag und Armin Laschet, Ministerpräsident von NRW und Parteichef der CDU. © Quelle: imago images/Jens Schicke

Die CDU hat kein Interesse an einem großen Kreis. Laschet findet ohnehin, dass er das mit Söder allein klären kann. Denn: Er, Laschet, will Kanzlerkandidat werden und hat dafür die Zustimmung der CDU-Spitzengremien eingeholt. Da muss er aus seiner Sicht gar nicht viel verhandeln. Ursprünglich hatte Söder ja anerkannt, dass die große Schwester den Zuschlag bekommt, wenn sie die Unterstützung für ihren Mann bekundet.

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Wann die Entscheidung genau fällt, war am Mittwoch auch nicht klar. Die einen sagen Freitag, die anderen Wochenende. Gleichermaßen verlautete, Söder wolle gern die nächsten Umfragen am Donnerstag und Freitag abwarten, um dann – seiner Vermutung nach frisch gestärkt – in das Gespräch zu gehen.

Apropos

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Kurzzeitig hatte die CSU am Montag den Gedanken einer Mitgliederbefragung aufgebracht. Söder sagte dann, dafür sei keine Zeit mehr. Das lässt vermuten, dass er sie sonst durchaus gemacht hätte.

Ende 2019 hatte er von einer Mitgliederbefragung über die Kanzlerkandidatur noch entschieden abgeraten. Seine Begründung: „Wer endlose Personaldiskussionen führt, verunsichert nur seine Wähler.“ Ein Antrag der Jungen Union, der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU, auf eine Urwahl des Kanzlerkandidaten, lehnte danach auch die CDU ab. Damals war man sich noch einig: Traditionell habe bei der CDU der oder die Vorsitzende den Erstzugriff auf die Kanzlerkandidatur.

Video
Laschet und Söder: Klärung der Kanzlerfrage noch diese Woche
1:06 min
In einer stundenlangen Debatte der Unions-Bundestagsfraktion hatten mehrere Dutzend Abgeordnete Stellung bezogen für Laschet oder Söder.  © Reuters

Die Truppen

Armin Laschet hat das Präsidium und den Vorstand der Partei hinter sich. Aber an der Basis und in der Bundestagsfraktion rumort es in der CDU. Besonders sauer ist man im Konrad-Adenauer-Haus auf die Söder-Fans in der Bundestagsfraktion in Berlin, Hamburg und Baden-Württemberg. Dort vergeige die CDU eine Landtagswahl nach der anderen, und dann riefen Bundestagsabgeordnete von dort aus Angst um das eigene Mandat nach Markus Söder von der kleineren Schwesterpartei.

Viele heutige Söder-Fans unter den Christdemokraten waren zuvor Anhänger von Friedrich Merz, also eines konservativeren Kurses. Laschet verkörpert den Kurs der Mitte von Angela Merkel.

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Die stärkste Unterstützung für Laschet kommt aus seinem Heimatland NRW. Viele haben ihn dort als Moderator erlebt. Als einen Politiker, der zuhört und andere Meinungen gelten lässt. Sie sagen, CSU-Politiker hätten keinen Respekt vor Söder, sondern Angst. So wolle man nicht geführt werden, weder in einer Partei noch im Land.

Ein CDU-Mitglied sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), an der Basis in NRW sei die Hölle los. Eine solche Emotionalität habe man noch nicht erlebt. Söder sei „machtgeil“, „charakterlich ein Taugenichts“ und opfere die CDU für eigene Interessen vor der Bundestagswahl. Es sei beschämend, dass eigene Bundestagsabgeordnete das nicht durchschauten. Sie sollten wissen, dass Söder das mit ihnen ganz genauso machen werde, wenn er ans Ruder komme.

Andere CDU-Politiker lesen Beschwerdebriefe vor, wonach Kommunalpolitiker keinen Wahlkampf für Laschet machen wollten und die CDU auch nicht wiederwählen würden, wenn er Kanzlerkandidat werde. Söder sei der „Macher“ und nur mit ihm komme die Union wieder ins Kanzleramt.

Was passiert, wenn Laschet den Machtkampf verliert?

Armin Laschets politische Karriere wäre aller Wahrscheinlichkeit am Ende, wenn er sich jetzt nicht gegen Söder durchsetzt. Als frisch gewählter CDU-Chef den Kampf um die Kanzlerkandidatur zu verlieren, würde seine Autorität als Vorsitzender der größten Volkspartei im Land irreparabel beschädigen.

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Zweifel an seiner Eignung und Debatten über eine Neuwahl des Vorsitzenden ließen vermutlich nicht lange auf sich warten. Und damit wäre auch das Zutrauen in sein Stehvermögen als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident beschädigt. Die nächste Landtagswahl ist schon 2022.

In der CDU heißt es, dass bei der Entscheidung über die K-Frage für den 60-Jährigen alles auf dem Spiel stehe. Und genau deshalb setze er jetzt auch alles auf diese eine Karte: den Sieg über Söder. Er sei sehr viel leidensfähiger als Söder und sein Durchhaltevermögen sei legendär.

Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. © Quelle: Michael Kappeler/dpa

Wenn er diesen Machtkampf gewinne, wäre das seine beste Voraussetzung für eine Kanzlerschaft. Denn damit hätte er allen gezeigt, dass er ein Mann sei, der einfach stehen bleibe.

Die Ironie: Im Laschet-Lager heißt es, die CDU dürfe jetzt Söder nicht zu sehr beschädigen. Denn die Union müsse zusammenstehen und sie brauche den Mann aus Bayern.

Was passiert, wenn Söder den Machtkampf verliert?

Den richtigen Zeitpunkt für einen Rückzug hat Söder verpasst. Den gab es nach seiner Ankündigung am Sonntag, sich einem Votum der CDU auf jeden Fall und „ohne Groll“ zu fügen. Am Montag stellten sich die CDU-Spitzen einmütig hinter Laschet. Es wäre das Signal für Söder gewesen. Nun ist der CSU-Chef derjenige, dem man Wortbruch nachsagen kann oder Trickserei mittels unklarer Kommunikation.

Auch Söder geht nun also in jedem Fall beschädigt aus dem Rennen. Wie in der Flüchtlingspolitik hat er erneut maßgeblich dazu beigetragen, die Union zu spalten.

Ein Rückzug würde ihm dennoch nicht schaden. Er würde CSU-Vorsitzender bleiben und bayerischer Ministerpräsident, jetzt mit dem zusätzlichen Label „Kanzlerformat“. Für die Landtagswahl 2023, in der die CSU versuchen will, die verlorene absolute Mehrheit zurückzuholen, kann das nur nützlich sein.

Gelingt dies in Zeiten von auch in Bayern wachsender Konkurrenz von allen Seiten – von Freien Wählern, AfD und Grünen – wäre Söder endgültig in den kleinen Kreis der CSU-Heiligen aufgenommen.

Markus Söder, CSU-Vorsitzender und bayrischer Ministerpräsident.

Der Verbleib in Bayern ist wohl sogar die sicherere Variante auf dem Weg zum Ruhm: Ob die Union bei der Bundestagswahl gewinnt, wäre auch mit Söder an der Spitze nicht sicher. Er würde dann als ein weiterer geschlagener CSU-Kanzlerkandidat nach Bayern zurückkehren.

Und mit einem Kanzler Söder, der sich mit Koalitionspartnern zurechtfinden müsste, fiele der bisherige Verkaufsschlager der CSU weg: die bayernzentrierte Kompromisslosigkeit.

Video
Kanzlerkandidatur: Söder in Umfrage deutlich vor Laschet
1:03 min
Sowohl Armin Laschet als auch Markus Söder wollen im Kampf um die Kanzlerkandidatur der Union nicht zurückstecken.  © dpa

Und was ist eigentlich mit Friedrich Merz?

So deutliche Worte wie Merz hat in den vergangenen Tagen kaum ein CDU-Spitzenpolitiker für Laschet gefunden – im Gegenteil: Viele hielten sich auffällig bedeckt, ob im Versuch, die CSU nicht weiter zu reizen, oder doch aus Unsicherheit über den Ausgang.

Merz, der Laschet nach einem ebenfalls zermürbenden Kampf im Januar bei der Vorsitzwahl unterlegen war, ging in die Vollen: In einem Brief an seinen Wahlkreis sprach er sich dezidiert für seinen einstigen Konkurrenten aus und machte der CSU massive Vorwürfe. Die halte sich nicht an ihre Zusagen, beschädige den CDU-Chef und die Partei gleich mit.

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Merz kann davon nur profitieren: Er präsentiert sich als guter Verlierer und loyaler Parteifreund, den Ruf hat er bisher nicht gehabt. Zuletzt hatte er selbst seine Fans irritiert, als er nach der Parteitagsniederlage das Wirtschaftsministerium für sich einforderte.

Nun ist Selbstlosigkeit Merz‘ neues Credo: Er betont, dass in seiner Wahlkreis-CDU, von der er an diesem Wochenende gerne statt des derzeitigen Direktkandidaten als Bundestagskandidat nominiert werden würde, ja schon einige auch für Söder seien.

Wenn Laschet Kandidat und Kanzler wird, dürfte er sich bei der Besetzung von Posten einigermaßen wohlwollend an Merz erinnern. Für alle anderen Fälle – eine Kandidatur Söders und/oder eine Niederlage der Union bei der Wahl – hat er seine Ausgangslage etwa für einen Griff nach dem Unionsfraktionsvorsitz verbessert.

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