Die große K-Frage: Laschet oder Söder?

  • Der Machtkampf zwischen dem CDU- und dem CSU-Vorsitzenden lähmt die Union.
  • Christdemokraten drängen darauf, dass die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur schnell fällt, am besten schon zu Ostern.
  • Nach 16-jähriger Kanzlerschaft von Angela Merkel steht die letzte große Volkspartei am Scheideweg.
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Berlin. Brutal sei Angela Merkel da wieder einmal gewesen, sagt ein Christdemokrat. Er präzisiert: „Schaurig brutal“ sei es gewesen, wie die scheidende Kanzlerin mit ihrem Nachfolger an der CDU-Spitze, Armin Laschet, umgesprungen sei.

In der Sendung „Anne Will“ hatte sie die Corona-Politik des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten vor einem Millionenpublikum in einem Satz abgewatscht und seinen Rivalen und bayerischen Amtskollegen, CSU-Chef Markus Söder, verschont.

Dabei geht es doch in diesem Jahr für die Union darum, ohne die scheidende Kanzlerin und damit ohne Amtsbonus wieder ins Kanzleramt zu kommen. Von Zäsur ist die Rede und von der Gefahr, dass sich die letzte große Volkspartei im Führungsstreit zerlegt und es nach 16 Jahren Merkel zum Machtwechsel kommen könnte. Immerhin liegt die Union in Umfragen derzeit unter 30 Prozent.

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Video
Kanzlerin Merkel und ihre Ansage an die Länder-Chefs: „Sie hat den Druck enorm erhöht“
4:40 min
Die Ansage von Angela Merkel bei Anne Will war klar – sie nahm die Länderchefs in die Pflicht. Was nun folgen könnte, schätzt Kristina Dunz im Video ein.  © RND

Muss die Christdemokratin Merkel da nicht die eigenen Leute und gerade Armin Laschet, der in der Flüchtlingskrise fest an ihrer Seite stand, stützen?

Söder könnte nur Kanzlerkandidat werden, wenn die CDU ihn bittet

Muss sie nicht, will sie nicht, die CDU spielt für Merkel da gar keine Rolle, sie trennt die Sorgen der Partei von ihrer Arbeit als Regierungschefin – mit dieser Einschätzung möchte sich das Bundesvorstandsmitglied wie viele andere Gesprächspartner aus der CDU in diesen für die Union besonders brisanten Tagen nicht namentlich zitieren lassen.

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Sie alle wollen nur, dass die Hängepartie schnell endet und Laschet und Söder sich einigen, wer Kanzlerkandidat wird. Vielmehr: dass Laschet klärt, dass er Kanzlerkandidat wird. Daran gehe kein Weg vorbei, heißt es in der CDU.

Die Begründung: Mit Söder könnte nach Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber nur zum dritten Mal ein CSU-Chef die Kanzlerkandidatur der Union übernehmen, wenn er von der CDU darum gebeten werden würde. Das werde aber nicht passieren.

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Denn wie viele kleine seien auch die großen CDU-Landesverbände NRW, Niedersachen, Baden-Württemberg und Hessen für Laschet als Kanzlerkandidat. Vor allem der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, inzwischen so etwas wie ein Korrektiv der Partei, habe Einfluss darauf.

Große CDU-Landesverbände stehen hinter Laschet

Söder weiß selbst, dass er nicht gegen die CDU-Landesverbände antreten kann. Da würde ihm nicht einmal helfen, dass seine Umfragewerte viel besser sind als die von Laschet. Sogar unter CDU-Mitgliedern. Und auch nicht, dass sich einige CDU-Hinterbänkler in der Bundestagsfraktion jüngst für den Bayern ausgesprochen haben.

Im Laschet-Lager wird gewitzelt, das seien Fans des bei der CDU-Vorsitzendenwahl im Januar unterlegenen Norbert Röttgen, weil der gerne Außenminister werden würde, was er nicht werden könnte, würde Laschet Kanzler.

Was sie in der CDU an Söder nicht gut leiden können: seine Doppelmoral, wie sie sagen. Seine Wendefähigkeit wie von der AfD-nahen Sprache in der Flüchtlingskrise bis zur Anlehnung an Ideen der Grünen inklusive Baumumarmung.

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Und er habe bei seinen Auftritten neben Merkel nach den Ministerpräsidentenkonferenzen (MPK) immer der Kanzlerin das Wort geredet – zu Hause in München allerdings wieder die Bundesregierung kritisiert. Zuletzt beobachteten sie das, als Söder nach dem missratenen Osterruhebeschluss der MPK in der Nacht noch sagte, die Runde habe „kein schlechtes Gewissen“. Nur Stunden später beklagte er sich über das Kommunikationsmanagement des Bundes.

Laschets lässt Merkels Tadel abtropfen

Und während Laschet nach Merkels Bitte bei den Bürgerinnen und Bürger um Verzeihung für die Verwirrung umgehend klarstellte, dass alle 16 Länderregierungschefs den Beschluss mitzuverantworten hätten, hörte man von Söder erst einmal „persönlichen Respekt“ für Merkels Übernahme der Verantwortung für das Desaster.

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Was sie in der CSU an Laschet nicht leiden können: Er sei nicht so führungsstark wie der 54-jährige Söder. Er lamentiere, sei zu nachgiebig, zu weich. Söder, das sei ein harter Hund, der es auch mit Putin aufnehme.

Das wird innerhalb der CDU sogar ähnlich gesehen. Das sei der wunde Punkt, warum Laschet nicht als der ideale Kandidat gelte. Er habe aber Qualitäten, die wichtiger für einen Regierungschef seien: Kompromissbereitschaft und integrative Fähigkeiten.

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Außerdem helfe ihm sein rheinisches Naturell, die Dinge nicht so schwer zu nehmen. Er hätte aus Merkels Angang auch ein Problem machen und das Schicksal seiner Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer einnehmen können. Es ist schwer, als CDU-Chef neben der Kanzlerin zu bestehen. Aber Laschet ließ den Tadel der Kanzlerin nach außen mit einem Lächeln abtropfen.

Osterüberraschung?

Söder machte daraus: „Ich finde es auch sehr seltsam, wenn der CDU-Vorsitzende mit der CDU-Kanzlerin ein halbes Jahr vor der Wahl streitet.“ So etwas nehmen sie ihm richtig übel in der CDU. Lust auf Spaltung, wenn das Haus schon wackelt, sagt einer.

In der Sendung „Markus Lanz“ wird Laschet das Ganze am Dienstagabend unter die Nase gerieben. Die fehlende Unterstützung von Merkel, die Stichelei von Söder. Aber Laschet behält die Nerven. Zugegeben, Merkels Aussagen hätten ihn „nicht gefreut“, sagt er. Aber er sei sicher, „sie wollte damit keinen Schaden auslösen“. Das klang souverän und nach Nachsicht des 60-Jährigen mit der 66-Jährigen.

Wie die Grünen wollen Laschet und Söder die K-Frage zwischen Ostern und Pfingsten klären. Um die Union zusammenzuhalten, müssten sie gemeinsam vor die Presse treten. Söder müsste dann Laschet zum Kandidaten erklären – oder umgekehrt. Wann genau? Es könnte eine Osterüberraschung werden, wird in Parteikreisen spekuliert. Zumindest dürfe der interne Machtkampf nicht mehr sehr viel länger andauern, wenn die Union sich im Wahljahr noch mit dem Gegner beschäftigen wolle.

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