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  • Laschet oder Söder als Kanzlerkandidat: Fronten haben sich extrem verhärtet

Kandidatenstreit in der Union: auf Biegen und Brechen

  • Bis Ende der Woche sollte die Entscheidung fallen, wer die Union als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl führen wird.
  • Es sieht nicht so aus, als ob Armin Laschet und Markus Söder das noch hinbekommen – im Gegenteil.
  • Die Fronten haben sich extrem verhärtet.
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Berlin. Immer dann, wenn Markus Söder treuherzig in die Kameras blickt und mit besonders sanfter Stimme spricht, ist Vorsicht geboten. In der CSU wissen sie das schon lange, in der CDU haben sie es am vergangenen Montag erfahren, und im Land lernen viele Menschen gerade, was die in solchen Momenten getätigten Aussagen des Mannes aus Bayern wert sind: nichts.

Am Sonntag vor einer Woche hatte Söder noch gesäuselt, er werde es „natürlich“ akzeptieren, wenn die CDU als größere der beiden Unionsschwestern nicht für ihn, sondern für CDU-Chef Armins Laschet als Kanzlerkandidat sei. Niemand wolle die Kandidatenfrage „auf Biegen und Brechen“ für sich entscheiden.

Keine 24 Stunden später, nach einem eindeutigen Votum der CDU-Gremien pro Laschet, wollte der CSU-Chef von seiner Zusage nichts mehr wissen. Stattdessen zog er öffentlich in Zweifel, dass die gewählten CDU-Gremien überhaupt für die Partei in ihrer Breite sprechen würden. Es war ein einmaliger Vorgang.

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Hängepartie um Kanzelerkandidatur der Union: „Weder Laschet noch Söder kann echter Gewinner sein“
4:05 min
Armin Laschet oder Markus Söder – wer wird Kanzlerkandidat der Union? Im Video analysiert Kristina Dunz aus dem RND-Hauptstadtbüro die Lage in diesem Duell.  © RND

Sein nächstes Versprechen gab Söder am Dienstag nach der Sitzung der Unionsbundestagsfraktion ab, in der er sich eine offene Feldschlacht mit Kontrahent Laschet geliefert hatte. Man müsse das Ergebnis der Sitzung jetzt einmal sacken lassen, sagte er, werde aber noch in dieser Woche „abschließend besprechen“ wie es weitergeht. Und auf die Nachfrage, ob er damit eine Entscheidung in der Kandidatenfrage meine, antwortete Söder laut und vernehmlich: „Ja.“

Die Woche endet an diesem Sonntag, und bislang sieht es nicht so aus, als ob es eine abschließende Einigung in der Kandidatenfrage gibt. Im Gegenteil: die Fronten scheinen sich über das Wochenende derart verhärtet zu haben, dass eine freundschaftliche, einvernehmliche oder wenigstens sachorientierte Entscheidung in weite Ferne gerückt ist. Vielmehr deuten alle Signale auf ein „Biegen und Brechen“ hin.

Wichtige Sitzungen am Sonntagabend

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Mehrere Gliederungen der Partei haben für Sonntagabend Sitzungen anberaumt. Die Junge Union hat sich am Sonntagabend deutlich für Söder als Kanzlerkandidat ausgesprochen. Damit wurde bereits im Vorfeld gerechnet.

Der niedersächsische CDU-Vorsitzende Bernd Althusmann hat für die gleiche Uhrzeit die Mitglieder seines Landesvorstands sowie die Bezirks- und Kreisvorsitzenden zu einer Onlineberatung zusammengerufen. Dabei soll es um ein Stimmungsbild gehen, heißt es.

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Dass es noch am späten Sonntagabend oder frühen Montagmorgen eine Einigung zwischen Laschet und Söder geben wird, gilt inzwischen als wenig wahrscheinlich. Obwohl Söder mittlerweile in Berlin angekommen ist. Stattdessen richten sich die Augen auf die Sitzung der Unionsbundestagsfraktion, die am Dienstag stattfindet. Dort könnte das Söder-Lager eine Abstimmung erzwingen, heißt es.

Während die CSU geschlossen zu Söder steht, ist die Lage in der großen Schwesterpartei weniger einheitlich. Viele CDU-Politiker sprechen sich für Laschet aus, es gibt aber auch Stimmen für Söder.

So unterstützt der Arbeitnehmerflügel Laschet. CDA-Chef Karl-Josef Laumann, der in Nordrhein-Westfalen in Laschets Kabinett auch Sozialminister ist, sagte der „Bild am Sonntag“: „Armin Laschet ist der richtige Kanzlerkandidat der Union, weil er eine Politik der Mitte und des Ausgleichs verkörpert. Auf ihn ist Verlass, er steht zu seinem Wort. Das ist nicht ganz unwichtig in der Politik.“

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Union: Machtkampf zwischen Laschet und Söder spitzt sich zu
1:08 min
Die von Armin Laschet und Markus Söder selbst gesetzte Frist läuft ab: Bis Ende der Woche wollten sie sich einigen, wer Kanzlerkandidat der Union wird.  © dpa-Video

Bundestagskandidat Merz für Laschet

Auch Friedrich Merz, der gegen Laschet im Ringen um den CDU-Parteivorsitz verloren hatte, hat sich für den ehemaligen Rivalen ausgesprochen. Merz will wieder in den Deutschen Bundestag, am Samstag hat der Kreisverband des Hochsauerlandkreises den 65-Jährigen zum Direktkandidaten gewählt.

Der CDU-Europaabgeordnete Dennis Radtke drohte Söder gar, dass die CDU einen Landesverband im CSU-Stammland Bayern gründen könne, wenn er Laschet nicht den Vortritt überlasse. „Wenn Söder die Kanzlerkandidatur erzwingen will, wenn er die CDU zerstören will, dann darf die Gründung der CDU in Bayern kein Tabu mehr sein“, sagte Radtke, der Mitglied im NRW-Landesvorstand der CDU ist, dem ZDF-Hauptstadtstudio.

Der CDU-Landesvorsitzende von Thüringen, Christian Hirte, sprach sich hingegen indirekt für Söder aus. Laschet und Söder seien von den Parteigremien und der Fraktion beauftragt, eine Einigung herbeizuführen. „Der Wunsch in der Mehrheit von Wählern und CDU ist dabei offensichtlich“, sagte er.

Eine Sorge ist inzwischen mit Händen greifbar: Dass Söder auch sein drittes Versprechen bricht. „Egal, wie die Entscheidung fällt, wir werden beide persönlich sehr gut miteinander zusammenarbeiten“, hatte er am vergangenen Sonntag angekündigt – treuherzig und mit sanfter Stimme.

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In der CDU wissen sie inzwischen sehr genau, was davon zu halten ist.

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