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Laschet lacht: Zur falschen Zeit, am falschen Ort

  • Inmitten der Flutkatastrophe werden Statements von Unionskanzlerkandidat Laschet und Bundespräsident Steinmeier zum medialen Supergau.
  • Beide lachten hinter dem Rücken des anderen bei kurzen Ansprachen, in denen es um Opfer ging.
  • Lachen tut gut, kommentiert Thoralf Cleven, aber nicht in jeder Situation ist es angebracht.
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Nun haben sich alle wochenlang an den moralischen oder tatsächlichen Verfehlungen einer Annalena Baerbock abgearbeitet – jetzt das.

Der immer etwas großväterlich wirkende Armin Laschet lacht keck hinterm Rücken des Bundespräsidenten, während der sagt: „Es zerreißt uns das Herz“. Beide hatten zuvor gemeinsam das Katastrophengebiet in Nordrhein-Westfalen besucht und viel Leid gesehen.

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Erftstadt: Bilder nach der Katastrophe
0:59 min
Keine Toten - aber es sei noch nicht auszuschließen, dass die Retter bei den Aufräumarbeiten Opfer finden könnten, sagte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises.  © Reuters
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Die Erregung, vor allem in sozialen Netzwerken, war groß. Hashtags wie #Laschetlacht oder #LaschetDarfNichtKanzlerWerden bestimmten kurzzeitig die deutschen Twitter-Trends. Dann zeigte ein weiterer Mitschnitt einen witzelnden Bundespräsidenten – in Laschets Rücken, während der von einer Jahrhundertkatastrophe sprach.

Es ist ein medialer Supergau.

Bislang wissen eigentlich nur die Beteiligten, was in der Situation so lustig war. Erstaunlich ist – und das macht Politprofis wie Steinmeier und Laschet, die die Macht von Bildern bestens kennen und damit spielen, schon wieder sympathisch – dass beide hier jegliche Vorsicht fahren ließen und einem Impuls folgten.

War es vielleicht eine Art innere Kompensation für den realen Schrecken ringsum? Spekulation.

Natürlich darf auch in Katastrophensituationen gelacht werden. Anders sind sie manchmal nicht zu bewältigen. Staatsmänner wie Laschet und Steinmeier sollten sich jedoch im Griff haben, wenn es darum geht, ihr Beileid auszusprechen oder den Menschen Mut zu machen.

Es geht nicht darum, sauertöpfische Mienen aufzusetzen. Es geht darum, den Staat als starken Arm und Anker zu repräsentieren. Es geht darum, dass die Menschen Kraft und Vertrauen in die Gemeinschaft schöpfen.

Dies ist hier gründlich in die Hosen gegangen, denn an die hehren Worte beider Politiker erinnert sich niemand mehr. Das Lachen zur falschen Zeit am falschen Ort hat sich eingebrannt. Daran ändert auch Laschets dürres Bedauern Stunden später nichts mehr.

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