Laschet gegen Söder – „Es wird Verletzte geben“

  • Im Kampf um die Kanzlerkandidatur haben Armin Laschet und Markus Söder den Harmoniemodus beendet.
  • In der Sitzung der Unionsbundestagsfraktion greift der CDU-Chef den CSU-Vorsitzenden an – der verweist auf seine guten Umfragewerte.
  • Eine Art Unterstützung bekommt Laschet von seinem einstigen Widersacher Friedrich Merz.
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Berlin. Ein Notfallmechanismus müsse her, sagt Ralph Brinkhaus kurz bevor Armin Laschet und Markus Söder eintreffen. Der Unionsfraktionschef spricht da über das Infektionsschutzgesetz, über das die Abgeordneten eigentlich beraten wollen.

Aber der Begriff passt auch ganz gut auf das andere Thema, das die CSU kurzfristig auf die Tagesordnung der Fraktion gesetzt hat: die Kanzlerkandidatur der Union.

CDU-Präsidium und -Vorstand haben sich für Laschet ausgesprochen, die CSU hat das entgegen vorheriger Ansagen nicht als letztes Wort akzeptiert. Die Vorsitzenden der Schwesterparteien befinden sich in einem offenen Machtkampf – und der landet nun vor den Bundestagsabgeordneten.

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Das Umfrageproblem

Söder hat hier auch in der CDU Unterstützung. Das zeigt sich, als am Montagabend die Landesgruppen der Fraktion tagen. In der Baden-Württemberg-Gruppe plädiert dem Vernehmen nach zwei Drittel der Mitglieder für Söder – obwohl der alte Haudegen Wolfgang Schäuble für Laschet wirbt. Auch aus Schleswig-Holstein, Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz sind Söder-Rufe zu hören.

In Laschets „Heimat“-Landesgruppe NRW hingegen soll niemand für Söder gesprochen haben. Das habe sich auch niemand getraut, weil Laschet dabei gewesen sei, erzählt ein Teilnehmer. Keiner wolle der Königsmörder sein.

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Die schlechten Umfragewerte des NRW-Ministerpräsidenten machen offenbar vielen zu schaffen. „Je mehr der eigene Wahlkreis wackelt, desto größer die Sehnsucht nach Söder“, sagt ein CDU-Führungsmitglied dem RND. Aber wenn die Union in die Luft gesprengt werde, wackele der Wahlkreis auch.

Aufseiten der Söder-Unterstützer in der CDU wird beklagt, die Entscheidung der CDU-Gremien für Laschet sei „fernab der Mehrheitsmeinung“ in der Partei gewesen. Man habe offenbar den Parteichef nicht beschädigen wollen. Außerdem bestehe wohl die Befürchtung, dass die CDU auf einen CSU-Kanzlerkandidaten und möglichen Kanzler keinen Einfluss nehmen könne.

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Markus Söder am Montag in München. Er selbst hält sich für die bessere Option in der Kanzlerfrage der Union.

„Es wird sehr hässlich“

„Umfragen bleiben flüchtig und abhängig von der politischen Großwetterlage“, setzt Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann dagegen. „Wir sollten jetzt keinen Keil in die CDU treiben und damit die Geschlossenheit der Union schwächen“, sagt er dem RND.

Von Harmonie allerdings ist wenig zu spüren. „Es wird Verletzte geben“, heißt es in der CSU. In der bayerischen Landtagsfraktion sei die Haltung: „Mit Söder müssen wir keinen Wahlkampf machen, mit Laschet wollen wir keinen Wahlkampf machen.“

In der CDU ist zu hören: „Es wird sehr, sehr hässlich.“ Die Auseinandersetzung werde härter als die zwischen den Parteichefs Franz Josef Strauß und Helmut Kohl vor 40 Jahren, die fast zur Spaltung der Union führte.

Und tatsächlich: In der Fraktionssitzung geht der sonst so konziliante Laschet zur Attacke auf Söder über. Er wirft dem CSU-Chef nach Teilnehmerangaben vor, dass er erst mit seinem Kurs gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung die AfD habe einfangen wollen und damit gescheitert sei. Jetzt versuche er, die Grünen einzufangen, und werde wieder damit scheitern.

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Es klingt nicht nach dem Rückzug, auf den das Söder-Lager hofft.

Der bayerische Ministerpräsident setzt voll auf seine guten Umfragewerte. Bei der Kanzlerkandidatur müsse man sich überlegen, was man wolle: „Zieht die Partei die Person oder die Person die Partei?“ Er spricht doppelt so lang wie Laschet. Vier Stunden dauert die Sitzung. Es melden sich etwa 60 Abgeordnete. Teilnehmer berichten übereinstimmend, es hätte mehr Wortmeldungen für Söder gegeben - nur die Gewichtung variiert in der Wahrnehmung, von deutlich mehr Söder-Stimmen zu nahezu ausgeglichen.

Von außen meldete sich Friedrich Merz zu Wort und macht der CSU heftige Vorwürfe. In einem Brief an die Mitglieder seines Wahlkreises weist er darauf hin, dass auch hier viele für Söder seien. Er aber werde Laschet unterstützen. Der CSU macht er heftige Vorwürfe. Sie halte sich nicht an ihre Zusage, das Votum der CDU zu akzeptieren, und versuche, Laschet zu demontieren und die CDU zu schwächen.

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Von einem „wichtigen Moment“ spricht Söder hinter der Sitzung. Und Laschet gibt sich weiter gelassen.

Eine klare Mehrheit für Söder habe er „so nicht wahrgenommen“, sagt Laschet. Keiner der beiden Kandidaten gehe geschwächt oder gestärkt aus der Sitzung. Klar sei der Wunsch der Abgeordneten nach einer schnellen Einigung gewesen. Dies solle seiner Meinung nach noch diese Woche erfolgen. Das findet auch Söder.

Eine, deren Erfahrung helfen könnte, schweigt ganz. Die langjährige CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel sagt sie: „Ich wollte, will und werde mich raushalten.“

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