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Corona: Wir brauchen einen Fahrplan bis zum Licht am Ende des Tunnels

  • Der Lockdown zeigt Wirkung, aber das ist noch keine Garantie für eine schnelle Öffnung.
  • Denn die Mutation des Virus ist auch in Deutschland angekommen.
  • Bleibt das Land dicht, müssen Bund und Länder den Menschen jetzt einen Fahrplan bis zum Licht am Ende des Tunnels vorlegen, kommentiert Kristina Dunz.
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Berlin. Die Infektionszahlen sinken, der Lockdown zeigt Wirkung. Das ist der Lohn aller Bürgerinnen und Bürger, die seit Monaten auf so vieles verzichten und auf unterschiedlichste Weise nach Kräften dafür sorgen, dass das Land stabil bleiben möge. Seine Wirtschaft, auch seine Politik, aber vor allem seine Gesellschaft und seine Menschlichkeit. Corona ist eine Jahrhundertkrise und die Ausdauer und Leidensfähigkeit der meisten Menschen ist schon jetzt eine Jahrhundertleistung.

Es wird aber zu großer Enttäuschung führen, wenn die Kanzlerin und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten die Anti-Corona-Maßnahmen am Mittwoch über den 14. Februar hinaus verlängern sollten. Etliche Äußerungen von ihnen deuten darauf hin. Das große Ziel, der Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen, erscheint greifbar nahe. Und trotzdem werden aller Voraussicht nach Schulen und Kitas und Geschäfte geschlossen bleiben.

Die Politik muss erklären

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Die Spitzenpolitiker werden das immer und immer wieder sehr gut erklären müssen, um verständliche Frustration abzufedern. Merkel wartet dafür noch auf eine Zahl, die möglichst aussagekräftig vorliegen soll: die Zahl, die aufzeigt, in welchem Tempo mutierte, sehr viel aggressivere Coronaviren in Deutschland jetzt unterwegs sind.

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Derzeit liegen laut Robert-Koch-Institut die Infektionen etwa mit der britischen Variante im einstelligen Prozentbereich. Das bedeutet höchste Alarmbereitschaft. Denn ohne harte Gegenwehr können sich daraus in Kürze dramatische Zustände entwickeln. Die unterschiedlichen Mutationen wüten bereits in Portugal, Irland, Großbritannien und Tirol.

Es ist, als sei man mühsam die Leiter hinaufgeklettert und wollte die letzten drei Sprossen mit einem Satz überspringen, weil man sich doch schon fast oben angekommen wähnt. Und dann gerät alles ins Wanken. Ein erneuter Aufstieg würde ungleich viel mehr Kraft kosten, als den Rest in Ruhe zu erklimmen. Um diese Ruhe in der Bevölkerung zu bewahren, müssen Bund und Länder ihre angekündigte Öffnungsstrategie erläutern – mit nachvollziehbaren, verlässlichen Daten.

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Sie müssen einen Fahrplan bis zum Licht am Ende des Tunnels vorlegen. Wann werden unter welchen Voraussetzungen Schulen und Kitas geöffnet? Wer hilft bis dahin den Schwächsten?

Die Krise als Chance

Erst jetzt ist durch den berührenden Appell einer seit 30 Jahren in Deutschland lebenden Frau aus dem Libanon an Merkel ins breite Bewusstsein gelangt, wie viele Analphabeten es unter Eltern gibt, die ihren Kindern nicht nur kein Tablet kaufen, sondern ihnen gar nicht bei den Hausaufgaben im Homeschooling helfen können.

Und ist den Politikern wirklich bewusst, dass 150 Euro einmaliger Kinderbonus zwar besser als nichts ist, aber durch die coronabedingten Mehrkosten wie für die vorgeschriebenen Masken im Nu weg ist? Das gilt vor allem für Alleinerziehende, die nur 75 Euro davon bekommen, weil die andere Hälfte des Geldes beim anderen Elternteil bleibt – auch wenn dessen Betreuungsleistung gering ist.

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RKI-Präsident: Corona-Lage noch lange nicht unter Kontrolle
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  © Reuters

Jede Krise bietet die Chance, gestärkt aus ihr hervorzugehen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat Versäumnisse bei der Impfstoffbestellung eingeräumt. Das war nötig und ist gut. Nun geht es darum, ausreichend Corona-Impfstoff auch für den Fall zu besorgen, dass die jetzigen Impfungen nicht zur Grundimmunisierung führen, sondern wiederholt werden müssen. Schon jetzt muss dafür gesorgt werden, dass die Milliarden von Euro, etwa für die Digitalisierung der Schulen oder andere Hilfen, auch abgerufen werden und das Land nicht an der Bürokratie von Institutionen erstickt, die die Menschen schon lange nicht mehr verstehen. Und für einen würdigeren Umgang mit Alten und Schutzbedürftigen braucht es mehr Pflegekräfte. Die Krise als Chance. Man muss sie jetzt nutzen.

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