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Nach CDU-Vorstoß: Lehrer-Gewerkschaften gegen längere Winterferien

  • Kann man die zweite Corona-Welle brechen, indem man die Schüler länger in die Winter- bzw. Weihnachtsferien schickt - und ihnen im Gegenzug den kommenden Sommer-Urlaub kürzt?
  • Der Vorstoß aus der Unionsfraktion wird gerade heftig debattiert.
  • Die beiden großen Lehrer- und Erzieher-Gewerkschaften GEW und VBE lehnen die Idee ab: Längere Winterferien würden mehr Probleme verursachen als lösen.
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Berlin. Die Gewerkschaften der Lehrer und Erzieher weisen den Vorstoß von Unions-Politikern zurück, als Schutzmaßnahme gegen Corona die Winterferien zu verlängern. „Der Vorschlag ist völlig unausgegoren“, sagte Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Dafür müssten nicht nur das „höchst komplexe und fragile System Schule“ mit seinen Lehrplänen und Prüfungsterminen komplett umgebaut werden, sondern auch Wirtschaft und Gesellschaft, warnte die GEW-Vertreterin. „Betriebe und Familien haben ihre Jahresplanung darauf abgestellt, dass die Beschäftigten während der Sommerferien den großen Jahresurlaub nehmen.“

GEW: Zu großer Planungsaufwand

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Auch Reisebranche sowie Hotel- und Gaststättengewerbe hätten ihre Angebote auf „diesen gesellschaftlichen Common Sense ausgerichtet“ und ständen bei längeren Ferien „vor einer vollkommenen Neuorientierung“, sagte Hoffmann weiter. „Zudem werden Eltern nicht davon begeistert sein, wenn der Großteil des Jahresurlaubs – bei schlechtem Wetter - schon im Januar verbraten ist.“

Die Gewerkschafterin verwies auf den großen bundesweiten Planungsaufwand, den eine Ferienverlängerung bedeuten würde und kritisierte: „Bisher war die Politik schon häufig genug überfordert, die ganz konkreten Probleme vor Ort wie den Gesundheitsschutz der Lehrkräfte und Schüler, die digitale Ausstattung der Schulen, die Lüftungsfrage oder den Schülertransport zu lösen – und da sollen jetzt die ganz großen Räder gedreht werden?“

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) reagierte skeptisch auf den Vorschlag. „Wäre das nicht ein temporärer Lockdown durch die Hintertür?“, sagte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann dem RND. Wer die Ferien verlängern wolle, müsse etwa die Frage beantworten, wo die Kinder dann betreut werden sollen.

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„Die Politik ist in der Verantwortung, gestützt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, Lösungen zu finden, wie Unterricht unter Gewährleistung hinreichender Schutzmaßnahmen sichergestellt werden kann“, so Beckmann. Dabei sei „unverhandelbar, dass bei der Beschulung die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern als auch Lehrkräften oberste Priorität haben muss“, so Beckmann. „Es braucht aufeinander abgestimmte und ineinandergreifende Maßnahmen, deren Auswirkungen nicht isoliert betrachtet werden dürfen.“

Der Vorschlag, die Winterferien zu verlängern, werfe viele Fragen auf, sagte der Gewerkschaftschef, darunter vor allem die Frage nach der Betreuung der Kinder, nach der Infektionsentwicklung im kommenden Sommer und nach der zusätzlichen Belastung von Eltern – etwa durch das frühzeitige Aufbrauchen ihres Jahresurlaubs oder auch der Lohneinbußen beim Fernbleiben vom Arbeitsplatz.

„Ich erwarte, dass alle, die neue Vorschläge machen, auf diese und weitere wichtige Fragen überzeugende Antworten haben“, so Beckmann. „Die Politik muss sich ehrlich machen und bei all dem, was sie vorschlägt, immer auch transparent machen, welche Auswirkungen dies für Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und die Gesellschaft mit sich bringt.“

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