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So lief die Ernte 2020 – Bauernverband zieht Bilanz

  • Klimawandel und Corona-Krise machen der Landwirtschaft bundesweit zu schaffen.
  • Die Ernteerträge fallen das dritte Jahr in Folge unterdurchschnittlich aus.
  • Und auch kleine Nager sorgen massenhaft für Schäden, bilanziert der Bauernverband.
Marcus Pfeiffer
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Berlin. Die Ernte der vergangenen Wochen und Monate ist für viele Bauern kein Grund zum Jubeln. Die Erträge fallen das dritte Jahr in Folge eher unterdurchschnittlich aus. Joachim Rukwied sprach von 42,4 Millionen Tonnen Getreide in 2020 – 5 Prozent unter dem Durchschnitt. Der Vorsitzende des Deutschen Bauernverbandes zog am Dienstagvormittag in Berlin eine Bilanz der weitgehend abgeschlossenen Erntesaison.

Rukwied pochte dabei auf die Einführung einer sogenannten Mehrgefahrenversicherung, mit der sich Landwirte gegen die Folgen des Klimawandels absichern können. Dafür brauche es eine Anschubfinanzierung von Bund und Ländern, und zwar jährlich mindestens 400 Millionen bis 500 Millionen Euro mindestens für die ersten drei Jahre. Die Versicherung solle freiwillig sein und es den Landwirten ermöglichen, das Risiko etwa extremer Wetterlagen selbst zu reduzieren.

Preise sollen stabil bleiben

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Ein Grund für die roten Zahlen der Ernteerträge seien extreme Witterungssituationen gewesen. Zum Beispiel habe es von Mitte März bis Mitte Mai in vielen Regionen nicht geregnet. Dort seien die Ernteerträge sehr schlecht ausgefallen. Verbraucher müssten aber nicht mit steigenden Preisen rechnen, sagte Rukwied. “Die Preise werden stabil bleiben.” Weltweit gebe es in Summe genügend Getreide. Insgesamt sehe es “sehr heterogen” aus, sagte Rukwied.

In manchen Regionen habe es ausreichend geregnet, dort hätten Landwirte sogar eine leicht überdurchschnittliche Ernte einfahren können. Bei der wichtigen Kultur Winterweizen schwanke der Ertrag zwischen weniger als fünf Tonnen bis zu zehn Tonnen pro Hektar. “Das haben wir früher so nicht gehabt”, sagte Rukwied. Beim Gemüse habe es in manchen Bereichen wider Erwarten “ordentliche Ernten” gegeben.

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Tierfuttervorräte sind knapp

Mit Blick auf die Getreideernte hatte Rukwied schon im Juni leicht unterdurchschnittliche Ergebnisse vorausgesagt – und eine “wahnsinnige Streuung der Ernteerträge in den verschiedenen Regionen in Deutschland” beklagt. Während der Süden mit guten Erträgen rechnen könne, sei es im Osten wegen längerer Trockenheit problematischer. Nach relativ großer Trockenheit im Frühjahr hat zwischenzeitlicher Regen die Situation in diesem Jahr regional verbessert.

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In einigen Regionen sind aber erneut die Tierfuttervorräte knapp, auch wegen der schlechteren Ernten der beiden Dürrejahre 2018 und 2019. Bauern sollen daher wie in den beiden Vorjahren wieder zusätzliche Flächen nutzen dürfen, für die eigentlich Beschränkungen zum Umweltschutz gelten, wie das Bundeslandwirtschaftsministerium erklärte.

Fruchtsafthersteller sind zufrieden

Immerhin: Optimistisch hatte sich bereits die Fruchtsaft-Industrie mit Blick auf die Erträge der Streuobstwiesen gezeigt. Fruchtsafthersteller rechnen mit einer Ernte von rund 850.000 Tonnen – rund vier Mal so viel wie 2019. Ausschlaggebend seien die Regenfälle im Juni gewesen, hatte die Branche mitgeteilt. Allerdings sorgt man sich etwa in der Bodensee-Region, dass wegen der Corona-Pandemie Erntehelfer fehlen.

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Denn nicht nur das Wetter macht den Landwirten zu schaffen. Ohne Erntehelfer, die zumeist aus Osteuropa kommen, geht es nicht, betonte Rukwied. Eilig beschlossene Ausnahmeregeln halfen zwar, dennoch machen bestimmte Einreisebeschränkungen, Testpflichten und Auflagen zu Hygiene und Abstand die Beschäftigung in diesem Jahr komplizierter.

Mäuseplage gefährdet Ernteerträge

Der Mangel an ausländischen Arbeitskräften ist nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes auch der Grund, warum die Spargelernte in diesem Jahr deutlich geringer ausfallen dürfte als 2019. Nach vorläufigen Daten der Behörde sank die Erntemenge von Spargel um 19 Prozent. Die Krise hatte zudem die Absatzmärkte kräftig durcheinandergewirbelt – etwa, weil die Restaurants so lange zu waren.

Joachim Rukwied sprach in seiner Bilanz der Erntesaison auch von einer Mäuseplage in einzelnen Bundesländern. Feldmäuse würden den Landwirten immer mehr zu schaffen machen und den Ertrag gefährden. Der Grund dafür seien schärfere Regeln beim Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln.

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