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Sachsen-Anhalt-Wahl: Parteien müssen sich mehr um AfD-Wähler kümmern

  • Kanzlerkandidat Armin Laschet sagt, die Union sei das Bollwerk gegen Extremisten.
  • Das stimmt nicht, denn in vier ostdeutschen Ländern ist die AfD zweitstärkste Kraft, kommentiert Kristina Dunz.
  • Und in Sachsen-Anhalt war sie bei den jungen Wählern am erfolgreichsten – das muss ein Alarmsignal für alle Parteien sein.
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Berlin. Es ist richtig: Die CDU hat die AfD in Sachsen-Anhalt auf Abstand gehalten. Und es stimmt auch, dass Parteichef Armin Laschet mit seiner eher weichen als klaren Kante seinem Parteifreund und Ministerpräsidenten Reiner Haseloff den Wahlkampf keineswegs verdorben hat.

Dieser selbst hatte mit seinem – dann erfolglosen - Votum für CSU-Chef Markus Söder als Unionskanzlerkandidaten solche Befürchtungen gestreut und sich zur für einen Demokraten recht abenteuerlichen Bemerkung verstiegen, dass es leider nur um die harte Machtfrage und nicht um Vertrauen oder Charaktereigenschaften gehe. Nun stehen beide als Sieger da: Haseloff und Laschet als Kanzlerkandidat von CDU und CSU. Charakter hin oder her.

Aber falsch wäre, darin einen Sieg über die AfD zu sehen. Und fatal wäre, das Problem mit der AfD kleinzureden, weil sie „nur“ im Osten so stark ist. Denn die Zahlen in Sachsen-Anhalt müssen alle anderen Parteien alarmieren.

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Die AfD in Magdeburg kann dort punkten, wo der Niedergang der SPD beginnt, der Bundestrend der Grünen jäh gestoppt wird, auch die einstige Volkspartei Die Linke nicht mehr zieht und die FDP sich in diese Riege des mangelnden Vertrauens in Parteien einreiht: bei jungen Menschen. Bei der Zukunft eines Landes.

Die AfD ist in der Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen selbst an den Christdemokraten mit deren starken Gesamtergebnis von 37 Prozent vorbeigezogen. Nach einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen liegt die CDU erst bei den Älteren klar vorn. Vor allem bei den über 60-Jährigen. Die AfD hat hingegen ein Fünftel der Unter-30-Jährigen und fast ein Drittel in der Altersgruppe 30 bis 44 Jahre gewonnen.

Das sind nicht die Menschen, die der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, meinte, als er zur Empörung bis hin zur Kanzlerin sagte, große Teile der ostdeutschen Bevölkerung seien so „diktatursozialisiert“, dass sie auch 30 Jahre nach der Deutschen Einheit nicht in der Demokratie angekommen seien.

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Ihren größten Erfolg hatte die AfD in Sachsen-Anhalt vielmehr bei den Wählerinnen und Wählern, die beim Mauerfall noch nicht geboren beziehungsweise höchstens zwölf Jahre alt waren, also Bürgerinnen und Bürger, die stärker im wiedervereinigten Deutschland sozialisiert wurden als in der DDR.

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Was ist ihr Lebensgefühl, ihre Hoffnung, ihre Perspektive und ihr Ziel, dass sie einer Partei ihre Stimme geben, die vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft wird? Die Erleichterung selbst bei SPD und Grünen darüber, dass die CDU die AfD auf Abstand gehalten hat, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Partei in Sachsen-Anhalt – demokratisch legitimiert – zweitstärkste Kraft bleibt, die mit rechtsradikalen und hetzerischen Parolen die Systemfrage stellt. Weg mit der Demokratie?

Noch ist die Union keineswegs das „Bollwerk“ gegen Extremisten, wie Laschet es für seine Partei in Anspruch nimmt. Im Übrigen liegt die AfD auch in Sachsen, Thüringen und Brandenburg direkt hinter der jeweils regierenden Partei auf Platz zwei.

Was fehlt, sind eine glaubwürdige Sozialpolitik, der Beweis für Teilhabe an den Möglichkeiten, die die Bundesrepublik bietet, und der Gegenbeweis dafür, dass man in diesem Land einfach abgehängt werden kann. Haseloff will sich in Sachsen-Anhalt darum kümmern. Aber Laschet muss es im Bund machen. So wie alle anderen Parteien auch.

Es muss ein Signal sein, dass diese Wählerinnen und Wähler wichtig sind. Dass sie gebraucht werden für diese Demokratie – die beste aller Staatsformen – und ihre besondere Stärke, Missstände anzuprangern und Kritik auszuhalten. Dass diese Generation der Zukunft eben in ihrer ganzen Breite hier auch ihre Zukunft sieht.

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