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  • Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Die neue Ost-West-Debatte ist leider ganz die alte

Die neue Ost-West-Debatte ist leider ganz die alte

  • Vor der Sachsen-Anhalt-Wahl steht Ostdeutschland erneut im Fokus.
  • Dabei wird die größere Anfälligkeit der Ostdeutschen für rechtsradikale Positionen ebenso verleugnet wie die westdeutsche Mitverantwortung dafür.
  • Beides muss sich ändern, kommentiert Markus Decker.
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Es ist alles so wie immer in den letzten Jahren, wenn Ostdeutschland im Fokus steht. Dann findet irgendwo eine Wahl statt. Und die Republik wartet gespannt darauf, wie viele Bürger der AfD ihre Stimme geben werden, um vorher und nachher über Ursachen und Konsequenzen zu debattieren.

Das war nach der Bundestagswahl 2017 so, es war 2019 so, im 30. Jahr der Vereinigung, und es ist jetzt so, vor dem Urnengang in Sachsen-Anhalt. Das Ritual gewordene Muster zeigt auch schon, worin das Problem besteht: Im Kern ändert sich nichts.

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Tatsächlich sind Ostdeutsche anfälliger für rechtsradikale Positionen

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU), hat die jüngste Ostdebatte eröffnet, als er über diktatursozialisierte ältere Mitbürger sprach, die in Teilen für die Demokratie verloren seien.

Der Widerspruch auch aus der CDU geht aus parteipolitischem Opportunismus oft mit der Leugnung des Offenkundigen einher: dass eine größere Anfälligkeit Ostdeutscher für rechtsradikale Positionen tatsächlich existiert. Die SED-Diktatur ist ein Grund dafür, die Transformation, in der sich viele Menschen im Zuge der Anpassung an Westverhältnisse als machtlos erlebten, ein anderer.

Alle Bundesbehörden im Osten werden von Westdeutschen geleitet

Stabil ist ferner das materielle Gefälle. Die Ostdeutschen arbeiten mehr und verdienen weniger als die Westdeutschen. Sie haben weniger Vermögen und leben eher in Angst vor Veränderungen. Sie schaffen es auch weitaus seltener auf Führungsposten; so werden alle Bundesbehörden im Osten von Westdeutschen geleitet. Fatal.

Zu viele Westdeutsche blicken derweil auf Ostdeutschland unverändert wie auf ein fernes Land. Dabei haben sie dessen Misere seit 1990 bisweilen durch Ignoranz und Dominanz mit verursacht. Erst wenn wir die vereinte Republik wirklich als gemeinsame Republik begreifen, kann sich die Lage bessern.

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