• Startseite
  • Politik
  • Landesparteitag der Linken in Thüringen: Mit Wissler und Hennig-Wellsow will die Partei regierungsfähig werden

Mit Wissler und Hennig-Wellsow: Linke wollen regierungsfähig werden

  • Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow kandidieren für den Vorsitz der Linken.
  • Beim Landesparteitag in Thüringen präsentieren sie sich erstmals gemeinsam.
  • Das sendet ein Zeichen der Eintracht in eine sonst oft von Streit gebeutelte Partei.
|
Anzeige
Anzeige

Sömmerda. Als Janine Wissler mit ihrer Rede fertig war, da geschah, was auf Parteitagen oft geschieht: Irgendjemand kommt mit Blumen, um der Rednerin im Lichte der Öffentlichkeit die eigene Wertschätzung zu demonstrieren. “Irgendjemand” – das war in diesem Fall Susanne Hennig-Wellsow.

Das war kein Zufall. Wissler, Vorsitzende der Linksfraktion im hessischen Landtag, und Hennig-Wellsow, Partei- und Fraktionsvorsitzende in Thüringen, haben sich um den Vorsitz der Bundespartei beworben – getrennt voneinander, aber auch gemeinsam. Beim Landesparteitag der thüringischen Linken in Sömmerda zeigten sie sich erstmals Seite an Seite. Darum ging es denn auch nicht zuletzt: Bilder zu liefern, Bilder der Eintracht in einer Partei, die sich oft bis aufs Blut streitet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Das erste Bild zeigte die beiden Frauen im ersten Stock der Halle. Sie plauderten. Ein Kameramann filmte die Szene. Es folgte das zweite Bild, bei dem die 39-Jährige aus Hessen und die 42-Jährige aus Thüringen den Mittelgang durchschritten – bis in die erste Reihe, wo auch die noch amtierende Parteichefin Katja Kipping Platz nahm.

Dem schlossen sich die Reden an. Zuerst betrat Hennig-Wellsow die Bühne, nahm das Mikro in die Hand und sprach – frei. Sie sprach über die letzten 30 Jahre und das Ankommen der Ostdeutschen in einem neuen Land.

Hennig-Wellsow: Linke muss für die Menschen da sein

Auch sprach sie darüber, dass die Linke einst bei Landtagswahlen gerade mal 9,7 Prozent geholt habe und nun seit 2014 mit Bodo Ramelow den Ministerpräsidenten stelle. Seither habe sie mit Sozialdemokraten und Grünen “das Land gerechter gemacht, ökologischer gemacht, demokratischer gemacht”.

Anzeige

So pries Hennig-Wellsow den “Thüringer Weg” mit dem Ziel, für die Menschen da zu sein, nun also an der Regierung. Damit war die Brücke nach Berlin geschlagen. Die Thüringerin sagte, man müsse die innerparteilichen Kämpfe beenden. Denn die Linke müsse für die Menschen da sein.

Im Übrigen müsse man die Bundespartei nach 30-jähriger Opposition zumindest in die Lage versetzen, sich an einer Regierung zu beteiligen; sie müsse “mehr Thüringen wagen”. “Wo, wenn nicht im Bund, wollen wir denn Humanismus in die Politik bringen?”, fragte sie mit Blick auf die obdachlosen Flüchtlinge aus Moria.

Anzeige

Nachdem Hennig-Wellsow unter Applaus ihre Rede beendet hatte, bat sie Wissler auf die Bühne, um “fünf bis zehn Minuten aus Hessen zu berichten”. Die sprach am Pult, mit Manuskript – und hörbar angriffslustiger. “Wir waren alle stolz auf Susanne”, sagte Wissler – stolz darauf, dass Hennig-Wellsow dem FDP-Politiker Thomas Kemmerich einen Blumenstrauß vor die Füße geworfen habe, nachdem dieser sich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten hatte wählen lassen.

Wissler und Hennig-Wellsow setzen unterschiedliche Akzente

Dann beklagte sie die wachsende “Gefahr von rechts” und die Spaltung der Gesellschaft durch Corona und betonte, Klimaschutz werde nicht gelingen, wenn man sich nicht mit den Konzernen anlege.

Anzeige

Wisslers Kernbotschaft lautete, die Linke müsse eine Partei sein, “die konkrete Verbesserungen erkämpft, aber gleichzeitig auch deutlich macht: Wir wollen eine grundsätzlich andere Gesellschaft. So eine Linke wünsche ich mir: in Thüringen, in Hessen und auch im Bund.”

Die Reden standen nicht im Widerspruch zueinander, setzten aber unterschiedliche Akzente. Das sollten sie wohl auch. Noch sind Hennig-Wellsow und Wissler nicht gewählt. Bis zum Parteitag gilt es, dem reformorientierten und dem radikalen Teil der Partei ein Angebot zu machen, das diese mehrheitlich nicht ausschlagen will.

Als Wissler von der Bühne schritt, kam Hennig-Wellsow ihr schon mit Blumen entgegen. Der Rest waren Bilder, viele Bilder.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen