• Startseite
  • Politik
  • Kushners enge Kontakte zu Kronprinz Salman belasten US-Regierung

Kushners enge Kontakte zu Kronprinz Salman belasten US-Regierung

In der Affäre um Jamal Khashoggi gerät Jared Kushner immer stärker unter Druck. Der Schwiegersohn und Berater des US-Präsidenten soll ungewöhnlich enge Kontakte zu dem umstrittenen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman unterhalten. Zeitgleich werden neue Details über die letzten Worte des ermordeten Journalisten bekannt.

Anzeige
Anzeige

Washington. Der Mord an dem saudischen Journalisten und Regimekritiker Jamal Khashoggi hält die amerikanische Öffentlichkeit in seinem Bann. Aufmerksam registrieren die US-Medien, dass am Montag sogar die kleine Republik Litauen Sanktionen gegen ranghohe Regierungsarbeiter des saudischen Königshauses verhängte. Auch die Details, die der Nachrichtensender CNN veröffentlicht, erschüttern viele Amerikaner. Laut einer Audioaufnahme sollen die letzten Worte des ermordeten Journalisten gewesen sein: "Ich bekomme keine Luft."

Während des Verbrechens am 2. Oktober im saudischen Konsulat in Istanbul habe es mehrere Telefonate zwischen den Agenten und den Drahtziehern in Riad gegeben, berichtet CNN. Türkische Ermittler gehen demnach davon aus, dass es sich bei den Gesprächspartnern in der saudischen Hauptstadt um hochrangige Geheimdienst- und Regierungsvertreter handelte.

Der kurze Draht per WhatsApp

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Angesichts der unzähligen Details, die mittlerweile über die Gräueltat bekannt geworden sind, gerät einer der wichtigsten außenpolitischen Berater des US-Präsidenten zunehmend unter Druck: Jared Kushner, der im Weißen Haus als der einflussreichste Fürsprecher Saudi-Arabiens gilt. Ausgerechnet zu Kronprinz Mohammed bin Salman, der unmittelbar in die Gewalttat verstrickt sein soll, soll der Schwiegersohn von Donald Trump eine Beziehung besitzen, die über reguläre Regierungskontakte weit hinausgeht.

Offiziell bestätigte das Weiße Haus bisher nur ein Telefonat, das Kushner und bin Salman nach dem Vorfall in Istanbul geführt haben sollen. Bei dem Gespräch am 10. Oktober, das von Sicherheitsberater John Bolton verfolgt wurde, habe Kushner auf „transparente Ermittlungen in dem Mordfall“ gedrungen.

Wie es in Washingtoner Regierungskreisen heißt, würden sich Kushner und bin Salman allerdings auch mit Kurzbotschaften über den privaten Nachrichtenkanal WhatsApp regelmäßig austauschen. Und laut „New York Times“ soll Kushner nach Bekanntwerden des Verbrechens seinem Bekannten vorgeschlagen haben, ihn in der Affäre weiterhin zu beraten.

Riad: Der Schlüsselpartner im Nahen und Mittleren Osten

Anzeige

Fest steht: Die Freundschaft zwischen den beiden ebenso jungen wie ehrgeizigen Männern dürfte ganz im Interesse des Präsidenten gelegen haben. Immerhin spielt das Königreich im Ringen mit dem Iran eine erhebliche, wenn nicht gar die entscheidende Rolle. Auch erscheint Saudi-Arabien der Trump-Administration als Schlüsselpartner für ein mögliches Friedensabkommen im Nahen Osten. Und nicht zuletzt wird das Land mit den großen Erdölschätzen regelmäßig als finanzkräftiger Käufer amerikanischer Rüstungsgüter genannt. Kushners Aufgabe soll es daher auch gewesen sein, den Kronprinzen davon zu überzeugen, militärische Ausrüstungen überwiegend in den USA zu erwerben - und möglichst nicht in China oder in Russland.

All die geostrategischen Überlegungen dürften jedoch nur ein Teil der Erklärung darstellen. Die engen Kontakte zwischen Washington und Riad werden offenbar auch durch private Immobiliengeschäfte untermauert. Nach Erkenntnissen der „New York Times“ zählt die saudische Führungsebene - nach den russischen Oligarchen - zu der zweitstärksten Käufergruppe von Luxusappartments der Familien Trump und Kushner.

Von Stefan Koch/RND

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen