• Startseite
  • Politik
  • „Zentrum für politische Schönheit“ entführt Grabstein von Reichskanzler

„Zentrum für politische Schönheit“ entführt Grabstein von Reichskanzler

  • In Berlin hat die Gruppe „Zentrum für politische Schönheit“ eine Säule für die Opfer des Nationalsozialismus errichtet.
  • Jetzt hat sie auch den Grabstein des Reichskanzlers Franz von Papen gestohlen, der Hitler den Weg zur Macht geebnet hat.
  • Mit der Aktion will die Gruppe vor einer Zusammenarbeit der Union mit der AfD warnen.
Anzeige
Anzeige

Die Künstlergruppe „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) hat in der Nähe des Bundestags in Berlin eine temporäre Gedenkstätte für NS-Opfer errichtet.

Die 2,5 Meter hohe und vier Tonnen schwere „Widerstandssäule“ solle daran erinnern, dass an diesem Ort „der deutsche Konservatismus die Demokratie in die Hände von Hitler und seinen Nazischergen“ legte, erklärte das ZPS am Montag in Berlin.

Mit der Aktion unter dem Titel „Suchet nach uns!“ will die Gruppe vor einer Zusammenarbeit der Union mit der AfD warnen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Zudem entwendete die Gruppe den Grabstein des früheren Reichskanzlers Franz von Papen aus seinem Ehrengrab in Wallerfangen (Saarland). "Franz von Papen ist in unserer Gewalt", schrieben die Kunst-Aktivisten in den sozialen Netzwerken. Sie veröffentlichten zudem ein Bild des Grabsteins. Die Polizei in Saarlouis teilte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit, dass der Grabstein tatsächlich fehle und sie voraussichtlich wegen des Verdachts auf Diebstahl und Störung der Totenruhe ermitteln werde. Lokale Medien veröffentlichten ein Bild des Grabes. Nach RND-Informationen ist der Grabstein schon vor mehreren Wochen entwendet worden.

Papen war als früherer Zentrums-Politiker in der Endphase der Weimarer Republik 1932 für ein halbes Jahr Reichskanzler. Er ließ sich von den Nationalsozialisten tolerieren und versuchte Hitlers Partei dadurch zu zähmen. Dadurch ebnete er Hitler in der Folge den Weg zur Macht. "Wir bringen Papen nach Berlin, um mit der Union die historische Schuld des deutschen Konservativismus zu diskutieren", sagt ein ZPS-Sprecher.

Anzeige
Mit dem Denkmal für die NS-Opfer will die Gruppe vor einer Zusammenarbeit mit der AfD im Bundestag warnen. © Quelle: Christophe Gateau/dpa

Laut ZPS haben Aktivisten in den vergangenen zwei Jahren über 200 Bodenproben an 23 Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine, an denen die Nazis Massenmorde begingen, zusammengetragen und ins Berliner Regierungsviertel überführt. Laboruntersuchungen hätten in über 70 Prozent Hinweise auf menschliche Überreste gegeben: „Wir fanden Knochenkohle, sedimentierte Asche und menschliche Fragmente in den Flussläufen der Weichsel, Zähne auf Feldern, Knochenreste in allen erdenklichen Körnungsgrößen. Es gibt dort kein Grab, keine letzte Ruhestätte.“

Anzeige

Nicht erste umstrittene Kunstaktion der Organisation

„Die Toten erinnern den deutschen Konservatismus an seine historische Schuld, sich mit den Faschisten eingelassen zu haben: Es nicht mit ihnen zu versuchen, nicht mit ihnen zu paktieren – das ist das Gebot der Stunde“, erklärte das ZPS.

Das „Zentrum für politische Schönheit“ ist für umstrittene Kunstaktionen bekannt. Im Herbst 2017 hatte die Gruppe mit dem Nachbau des Holocaust-Mahnmals in Thüringen auf sich aufmerksam gemacht. Damit sollte gegen eine Rede von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke vom Januar 2017 in Dresden protestiert werden.

RND/epd