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Der langsame Ausstieg aus dem Kükentöten ist kein Ruhmesblatt

Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, stellt nach dem Beschluss des Bundeskabinetts ihren Entwurf zum Verbot des Kükentötens vor.

Berlin. Um es klar zu sagen: Dass die Bundesregierung endlich einen Ausstiegsplan aus dem jahrzehntelangen Kükentöten verabredet hat, ist lobenswert. Dass Jahr für Jahr millionenfach männliche Legehuhnküken vernichtet werden, weil sie weder zum Eierlegen noch zum Mästen taugen, ist ein Umgang mit Lebewesen, der modernen Gesellschaften unwürdig ist.

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Als ethisches Problem ist das längst erkannt – sogar von der deutschen Geflügelbranche selbst, die die Tötungsmethoden nach und nach weniger brutal gestaltete, etwa nach eigenen Angaben freiwillig vom betäubungslosen Schreddern aufs Ersticken umstellte.

Auch juristisch war die Praxis nicht mehr haltbar, weil Tierschutz seit 2002 im Grundgesetz steht. Das musste jedoch erst das Bundesverwaltungsgericht durchsetzen, das die Tötungen 2019 nur befristet erlaubte: Sobald das Aussortieren schon im Ei möglich sei, müsse das Töten enden. So ein Verfahren steht nun bereit – und wird vereinzelt sogar schon eingesetzt.

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Deshalb muss man auch das klar sagen: Wenn Agrarministerin Julia Klöckner sich nun rühmt, mit „Millionenbeträgen Alternativen gefördert“ oder gar mit ihrem Schredderverbot ab 2022 einen „bedeutenden Fortschritt für den Tierschutz“ herbeigeführt zu haben, ist das schlicht peinlich.

Tatsächlich hat sie so lange Zeitspiel zugunsten der Geflügelbranche betrieben – und betreibt es mit dem gestaffelten Ausstieg im neuen Gesetz weiter –, dass ein höchstrichterliches Ultimatum und die Fertigstellung der Alternativmethode nötig waren, ehe sie der Industrie Vorgaben machte.

Denn um eine Industrie, nicht um Bauernhöfe, geht es. Die weltweite Hühnerzucht befindet sich in der Hand von nur vier Konzernen, in Deutschland werden 100 Millionen Küken pro Jahr von nur 25 Brütereien produziert.

Ohne Hilfe gehen dafür nun die Betriebe aus, die wahre Gegenentwürfe praktizieren: indem sie Rassen für Fleisch und Eier halten oder die Aufzuchtkosten für „Bruderküken“ auf die Eierpreise aufschlagen. Für die meisten Verbraucher sind sie dennoch nicht zu teuer, sondern für den Preiskampf auf dem Weltmarkt der exportorientierten Industriebetriebe.

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