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Kritik an Spahn-Aussage: „Maßnahmen beizubehalten“ ist Konsens über Fachrichtungen hinweg

  • Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie sieht die Erwägungen zum Auslaufen der „epidemischen Lage nationaler Tragweite“ in der Corona-Pandemie kritisch.
  • Die Immunologin befürchtet ein „falsches Signal an alle, die mit der Impfung zögern“.
  • Auch weitere Experten mahnen zur Vorsicht.
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Berlin. Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie hat auf Erwägungen zum Auslaufen der sogenannten „epidemischen Lage nationaler Tragweite“ in der Corona-Pandemie mit Erstaunen und Kritik reagiert. „Die Infektionszahlen in Deutschland sind zu hoch und dürften weiter steigen, die Impfquote ist zu niedrig. Es ist Konsens über mehrere Fachrichtungen hinweg, dass wir noch Disziplin und Motivation zum Impfen und zum Einhalten von Maßnahmen brauchen“, sagte die Immunologin Christine Falk am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Sie berief sich dabei auch auf ein Treffen zahlreicher Experten mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorige Woche. Dessen Ankündigung, die „epidemische Lage nationaler Tragweite“ auslaufen lassen zu wollen, erstaune sie daher, dies könne in der Bevölkerung als Entwarnung missverstanden werden. „Das wäre ein kontraproduktives Signal an alle, die noch mit der Impfung zögern“, sagte Falk.

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Spahn spricht sich für Ende der epidemischen Lage aus

Die „epidemische Lage“ ist Grundlage für Verordnungen und zentrale Corona-Maßnahmen in Deutschland. Sie muss vom Bundestag festgestellt werden. Spahn hatte sich am Montag bei Beratungen mit seinen Länderkollegen dafür ausgesprochen, die Regelung nicht noch einmal zu verlängern. Würde sie nicht verlängert, würde sie am 25. November auslaufen. Die „epidemische Lage“ gibt Bundes- und Landesregierungen Befugnisse, um Verordnungen zu Corona-Maßnahmen oder zur Impfstoffbeschaffung zu erlassen.

Auch die Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Jana Schroeder, hält weiter Vorsicht für angebracht. „Wer zu früh Normalität fordert, verhindert sie.“ Vergleichsweise milde Maßnahmen - wie die Maske im Supermarkt - sollten zunächst beibehalten werden, um möglichst viel Leid zu verhindern. Öffnungen hätten einen Preis, machte Schroeder deutlich: Es heiße, Tote und Langzeiterkrankte in Kauf zu nehmen. Um die Frage, in welchem Umfang dies gesellschaftlich hingenommen werden kann, müsste sich die Debatte aus ihrer Sicht eigentlich drehen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) äußerte sich am Dienstag nicht zum Thema. Es verwies aber unter anderem auf ein schon länger bekanntes Strategiepapier, in dem empfohlen wird, dass auch Geimpfte und Genesene bis zum nächsten Frühjahr Maßnahmen wie Abstand, Hygiene, Masken, Corona-Warn-App und Lüften einhalten sollten.

RND/dpa

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