Labore am Limit: Wegen Omikron werden die Corona-Tests knapp

  • Die Omikron-Variante des Corona­virus breitet sich in Deutschland immer weiter aus.
  • Deshalb könnten bald nicht mehr ausreichend Test­kapazitäten für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stehen.
  • Davor warnt der Vorsitzende des Verbandes für Akkreditierte Labore – und auch General­major Carsten Breuer, der Leiter des Corona-Krisen­stabes der Bundes­regierung, äußert Bedenken.
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Hannover/Berlin. Die Medizin­labore in Deutschland nähern sich nach Angaben eines Branchen­verbands in der Corona-Krise zunehmend den Grenzen ihrer Auslastung. „Die hohen Infektions­zahlen gehen mit vielen Tests einher. Weil derzeit kaum priorisiert wird bei PCR-Tests, stoßen die Labore in Deutschland zunehmend an ihre Kapazitäts­grenzen“, sagte der Vorsitzende des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin, Michael Müller, der „Rheinischen Post“ (Donnerstag). Das sei für Kranke und Kranken­häuser kritisch.

„Daher ist es zwingend, dass insbesondere die Arzt­praxen und Test­zentren dazu angehalten werden, sich an der Nationalen Test­strategie auszurichten“, forderte Müller. Bei knappen Kapazitäten müssten PCR-Tests entsprechend den dortigen Empfehlungen erfolgen. „Dass man sich bald aus der Quarantäne freitesten lassen kann, wird unweigerlich zu einem Mehr­aufwand der Labore führen.“ Von Bundes­regierung und Ländern habe es keine Prognosen gegeben, „auf wie viel mehr Tests wir uns einstellen müssen“. „Die Labore werden dem Ansturm nun weit­gehend unvorbereitet begegnen müssen.“

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Am Dienstag hatte der Verband die Auslastung der Test­kapazität noch auf 64 Prozent beziffert. Zur Diskussion über Kapazitäts­engpässe sagte Müller einer Mitteilung zufolge: „Die Belastung in den Laboren ist zwar erheblich, aber ich sehe keinen Grund für zu große Sorgen.“ Vielmehr komme es bei zunehmendem Test­geschehen und begrenzten Test­kapazitäten darauf an, die Test­strategie tatsächlich umzusetzen.

Krisenstab­leiter warnt vor knappen Ressourcen

Nach Einschätzung von General­major Carsten Breuer, dem Leiter des Corona-Krisen­stabes der Bundes­regierung, stehen voraussichtlich schon bald nicht mehr ausreichend Test­kapazitäten für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung.

„Wir werden mit Sicherheit wie bei allen knappen Ressourcen Kapazitäten bündeln müssen, wo es erforderlich ist. Das gilt auch für Tests“, sagte Breuer der „Süddeutschen Zeitung“. „Sobald es irgendwo eng wird, muss ich priorisieren. Da haben Beschäftigte in der kritischen Infra­struktur Vorrang.“

Das Ziel sei aber, das bisherige Test­regime so lange wie möglich aufrecht­zuerhalten. „Wir brauchen möglichst genaue Daten, um zu sehen, wie sich die Welle bei uns auswirkt“, betonte Breuer. Der Grund für die drohende Knappheit seien die steigenden Infektions­zahlen.

Auch deshalb brauche Deutschland ein „Bollwerk gegen Omikron“, forderte der Leiter des Corona-Krisen­stabes. Man dürfe „nicht in die Lage geraten, dass wir in der kritischen Infra­struktur so weit herunter­fahren müssen, dass öffentliches Leben eingeschränkt wird“.

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Als „zweifels­ohne eine große Kraft­anstrengung“ bezeichnete Breuer das Ziel, von Weihnachten an gerechnet noch einmal 30 Millionen Impfungen vorzunehmen. „Ich bin überzeugt davon, dass es notwendig ist, dieses Ziel so schnell wie möglich zu erreichen“, sagte er. Es fehle dafür weder an Impf­stoff noch an der Infra­struktur.

Breuer hatte mit dem Regierungs­wechsel in Berlin die Leitung des neuen Corona-Krisen­stabs im Kanzler­amt übernommen.

RND/dpa/tdi

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