Krisengewinner Amazon hat gut lachen

  • Die Gewinner der örtlichen Friseurlotterie bekommen heute einen neuen Haarschnitt.
  • Beim großen Gewinner der Corona-Krise – dem Onlineriesen Amazon – bleiben Fragezeichen.
  • Und Jens Spahn zählt derzeit nicht mehr zu den Gewinnern.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie schon einen Termin beim Friseur? Gehören Sie zu den Glücklichen, deren Zeit mit Lockdownfrisur bereits heute endet? Wir schreiben den 1. März, den Stichtag, über den in den letzten Wochen so viel geschrieben worden ist. Ein Tag mit Symbolkraft, kehrt doch mit der Wiedereröffnung der Friseure ein kleines bisschen Normalität zurück in den so sehr vermissten Alltag. Normalität, die viele kleine und mittlere Friseurbetriebe rein wirtschaftlich dringend brauchen.

Ursprünglich hatte Jens Spahn den heutigen Tag für noch einen Stichtag vorgesehen. Den Tag, an dem allen Deutschen kostenlose Corona-Schnelltests zur Verfügung stehen sollten. Aber so viel läuft gerade nicht im Sinne Spahns, jüngst brachte ihn ein viel beachtetes Geschäftsessen in Bedrängnis. Und auch das mit den Schnelltests hat nicht geklappt.

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Die Krise der anderen

Solche Probleme hat der Onlineriese Amazon nicht. Für ihn läuft in den vergangenen zwölf Monaten alles fast schon zu gut. Das Wort „Krisengewinner“ drängt sich nahezu auf, wird von Marketing­spezialisten des Konzerns aber nicht gern gehört. Es hat so einen unschönen Beiklang.

Dabei ist Amazon natürlich genau das: der ganz große Gewinner der Corona-Krise. Allein in Deutschland hat Amazon seinen Umsatz im vergangenen Jahr um ein Drittel steigern können auf knapp 25 Milliarden Euro. In den USA legte Amazon um 36 Prozent zu, in Großbritannien um mehr als die Hälfte.

Natürlich ist nicht alles rosig im Reich von Jeff Bezos. Immer wieder wird scharfe Kritik am Unternehmen laut. RND-Chefreporter Thorsten Fuchs hat sich die aktuelle Situation bei Amazon genau angesehen und beleuchtet die verschiedenen Fragezeichen rund um den Konzern in einer spannenden Reportage.

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Will noch dieses Jahr seinen Posten als CEO abgeben: Amazon-Gründer Jeff Bezos. © Quelle: Patrick Fallon/ZUMA Wire/dpa

Besonders oft steht der Umgang mit den eigenen Mitarbeitern in der Kritik. Seit Jahren fordert die Gewerkschaft Verdi einen Tarifvertrag ähnlich wie im Einzelhandel. Bislang erfolglos. Und die Berichte von großem Druck und umfassender Kontrolle in den Logistikzentren des US-Unternehmens sind in der Corona-Krise nicht leiser geworden. Im Gegenteil.

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Eine Mitarbeiterin – die aus Angst vor Sanktionen ihres Arbeitgebers unerkannt bleiben möchte – erzählte Fuchs von der großen Absurdität ihres Arbeitstages im Lockdown. „In der gesamten Gesellschaft soll man keine Kontakte haben“, sagt sie, „aber hier kommen Hunderte auf engstem Raum zusammen.“ Mehrere Ausbrüche, etwa in Hannover oder Bayreuth, scheinen ihr recht zu geben. Obwohl ein Amazon-Sprecher das sicher ganz anders sehen würde. Offiziell hat die Gesundheit der Mitarbeiter für das Unternehmen oberste Priorität.

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Zitat der Nacht

Habt Ihr mich vermisst?

Donald Trump 45. Präsident der Vereinigten Staaten

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Regierungswechsel hält Donald Trump seine bekannte Retro-Rede. Die Gründung einer eigenen Partei schließt er aus, eine erneute Kandidatur fürs Weiße Haus hält er sich offen. Doch das Feuer früherer Auftritte des 74-Jährigen ist Bitterkeit und Wahn gewichen, berichtet US-Korrespondent Karl Doemens.

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Orangenbäume wachsen in der spanischen Stadt Sevilla quasi an jeder Ecke. Was romantisch aussieht, wird für die Stadt aber zunehmend zum Problem – denn viele überreife Früchte fallen auf den Boden und verderben dort. Das städtische Wasserversorgungs­unternehmen Emasesa will die Orangen nun recyceln und daraus Strom erzeugen.

­Bei der Wahl zur Miss Germany geht es nicht mehr nur um Schönheit, im Fokus stehen Authentizität und Persönlichkeit. Damit überzeugte die Zweifachmama Anja Kallenbach. Die 33-Jährige aus Thüringen, die zwei Fahrradläden betreibt, möchte ein Vorbild sein, erzählt sie im Videointerview mit dem RND. „Ich möchte den Leuten Mut machen, dass man in seinem Leben jederzeit etwas ändern und seine Ziele erreichen kann und man damit am besten jetzt beginnt.“

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SPD-Gesundheits­experte Karl Lauterbach meldet sich in Sachen Corona häufig zu Wort. Damit löst der anerkannte Politiker mitunter Kontroversen aus. Jetzt lästerte Innenminister Torsten Renz (CDU) aus Mecklenburg-Vorpommern über Lauterbach, berichtet die „Ostsee-Zeitung“.

Termine des Tages

Im Prozess gegen Frankreichs ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy soll gegen 13.30 Uhr in Paris das Urteil verkündet werden. Der 66-Jährige muss sich mit zwei weiteren Beschuldigten wegen mutmaßlicher Bestechung und unerlaubter Einflussnahme verantworten.

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Bei einer Geberkonferenz für das Bürgerkriegsland Jemen wollen die Vereinten Nationen Spenden in Milliardenhöhe sammeln. Um eine Hungersnot noch abzuwenden seien 3,85 Milliarden Dollar (3,15 Milliarden Euro) nötig. Im vergangenen Jahr wurden nur 56 Prozent einer ähnlichen Summe zusammengetragen.

Heute werden auch international einige Corona-Regeln angepasst. In Tschechien gilt nun ein deutlich härterer Corona-Lockdown. Die Menschen dürfen etwa ihren jeweiligen Bezirk für drei Wochen nur noch in Ausnahmefällen verlassen. Österreich hingegen überlegt – drei Wochen nach Öffnung aller Geschäfte – weitere Lockerungen zu beschließen. Im Raum stand zuletzt der Neustart der Gastronomie und der Hotellerie noch vor Ostern, allerdings verzeichnet auch Österreich derzeit hohe Corona-Zahlen. In Dänemark dürfen die meisten Einzelhändler ab heute wieder Kunden in ihren Geschäften begrüßen.

Was heute wichtig wird

Schluss mit Lockdownfrisuren: Nach wochenlanger Schließung öffnen in Deutschland die Frisiergeschäfte wieder. Viele Kunden werden jedoch noch etwas auf einen Termin warten müssen. Denn: Viele Friseurläden sind bereits ausgebucht. © Quelle: Fabian Sommer/dpa

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