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Hungerkrise durch ausbleibende Exporte

Millionen Hungernde und Flüchtlinge wegen Krieg in Ukraine

ARCHIV - 23.03.2022, Kenia, Kilifi: Die Dorfbewohnerin Zawadi Msafiri steht am 23. März 2022 auf einem verdorrten Maisfeld. Das Land am Horn von Afrika kämpft nun mit der dritten Dürre innerhalb eines Jahrzehnts.

Straßburg/Kiew.Wegen des Kriegs in der Ukraine rechnet das Welternährungsprogramm mit Dutzenden Millionen Menschen mehr in Hunger und Armut. „Je nach Dauer des Krieges könnten zwischen 33 und 47 Millionen Menschen zusätzlich in Hunger und Armut abrutschen“, sagte der Direktor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) in Deutschland, Martin Frick, der Deutschen Presse-Agentur. Die Zahl der akut Hungernden habe schon vor Beginn des Krieges mit 276 Millionen Menschen auf einem traurigen Rekordniveau gelegen.

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Hohe Preise bei Kraftstoff, Grundnahrungsmitteln oder Dünger befeuerten diese Entwicklung. Die Ukraine und Russland sind unter anderem wichtige Getreideexporteure, der Krieg Russlands hat daher starke Auswirkungen auf die internationalen Agrarmärkte.

Dürre und Krieg: Hilfsorganisation Oxfam befürchtet Hungerkrise in Ostafrika

Die Entwicklungsorganisation Oxfam warnt vor einer Hungerkrise in Ostafrika. Grund dafür sei unter anderem der Krieg in der Ukraine und eine anhaltende Dürre.

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Nach Einschätzung der Welthungerhilfe wird es wegen der drohenden Lebensmittelkrise durch den Krieg in der Ukraine auch zu neuen Flüchtlingsbewegungen aus ärmeren Ländern kommen. „Wir sehen ganz real in den Ländern, in denen wir arbeiten, wie dramatisch die Lage ist. Die Menschen werden keine andere Möglichkeit für sich sehen, als sich auf den Weg zu machen“, sagte der Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, Mathias Mogge, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Der Migrationsdruck auch nach Europa werde sich in Folge von Hungersnöten verstärken. Hintergrund seien unter anderem die Preissprünge von bis zu 70 Prozent seit Kriegsbeginn für Getreide, das bisher zu einem großen Teil aus der Ukraine und aus Russland importiert wird. „Deswegen muss die internationale Gemeinschaft jetzt schnell handeln“, mahnte Mogge.

EU plant kurz- und langfristige Maßnahmen

Aktuell bezifferten die Vereinten Nationen den Finanzbedarf für humanitäre Hilfen weltweit auf 43 Milliarden Dollar (39 Mrd Euro). „Das ist der höchste Bedarf, den es je gegeben hat.“ Bislang seien von der internationalen Staatengemeinschaft aber nur 3,6 Milliarden Dollar zugesagt worden. „Wir brauchen direktere Hilfen für einzelne Länder und einen Schuldenschnitt“, forderte Mogge.

Am Donnerstag treffen sich die Agrarministerinnen und Agrarminister der EU-Staaten, um über die Auswirkungen der Ukraine-Krise und mögliche Lösungen zu sprechen. Frick appelliert: Kurzfristig brauche es mehr Geld für humanitäre Hilfe. „Gleichzeitig müssen die weltweiten Ernährungssysteme umgebaut werden, damit sie weniger anfällig für solche Krisen sind.“ Es brauche kleinbäuerliche Landwirtschaft mit regionalen Strukturen. Hunger sei menschengemacht. Es gebe weltweit betrachtet keine Nahrungsmittelknappheit, aber Weltmarktpreise und ungerechte Verteilung führten regional dazu.

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Der Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, Mathias Mogge, forderte die Bundesregierung auf, auf den anstehenden G7-Konferenzen das Thema „ganz nach oben“ zu setzen. „Die Unterstützung für die betroffenen Länder muss deutlich erhöht werden“, sagte Mogge der „Rheinischen Post“ (Online Mittwoch). „Was wir bei Afghanistan erleben, dass nämlich bisher nur die Hälfte der erforderlichen 4,4 Milliarden Euro an Hilfsgeldern zusammengekommen sind, darf sich nicht wiederholen.“

Die EU-Kommission hatte bereits vorgeschlagen, auf für Umweltmaßnahmen vorgesehenen Flächen den Anbau von Nahrung und Futter zu erlauben, um Lieferausfälle auszugleichen. Agrarpolitik-Professor Stephan von Cramon-Taubadel von der Uni Göttingen sagte dazu, dies wäre kurzfristig keine schlechte Entscheidung, da es schell Ergebnisse liefern könnte.

Sebastian Lakner von der Uni Rostock betonte hingegen, es gebe Berechnungen, dass diese Maßnahme nur zu einem geringen Ertrag führe, weil diese Flächen meist die unproduktivsten seien. „Ich weiß nicht, wie viel davon wirklich Symbolpolitik ist und wie viel das beiträgt“, sagte der Professor für Agrarökonomie bei einer Veranstaltung der gemeinnützigen Organisation Science Media Center.

Mittelfristig, das geht aus Aussagen beider Wissenschaftler hervor, sei weniger Fleischkonsum effektiver. Für die Tierzucht werden viel Platz und viel Futtermittel gebraucht. Politisch könnte der Preis für Lebensmittel etwa über die Mehrwertsteuer gelenkt werden. So könnte sie theoretisch für Fleisch höher oder für pflanzliche Nahrung niedriger angesetzt werden.

RND/dpa

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