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Sorge über gefährdete Ernährungssicherheit

Özdemir will ökologische Vorrangflächen für Futternutzung freigeben

30.03.2022: Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen, Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung), aufgenommen im Rahmen des 4. Stiftungsratssitzung des Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt DSEE in Neustrelitz.

Berlin. Agrarminister Cem Özdemir will wegen der Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine den Landwirten den Futteranbau auf zusätzlichen Flächen ermöglichen. „Ich will die ökologischen Vorrangflächen für die Futternutzung freigeben und hoffe, dass der Bundesrat das am 8. April unterstützt“, sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Donnerstag. Das solle auch dazu beitragen, die Preissteigerungen auszugleichen.

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+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Liveblog +++

Mit den Auswirkungen des Kriegs befasst sich am Donnerstag auch die Konferenz der Agrarminister von Bund und Ländern. Es besteht die Sorge, dass die weltweite Ernährungssicherheit nicht gewährleistet ist. Vor allem die Nutzung von Brachflächen für die Landwirtschaft wird ein wichtiges Thema sein. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) hatte Özdemir die Blockade dringend benötigter zusätzlicher Anbauflächen vorgeworfen. In Deutschland gebe es rund 170.000 Hektar, die derzeit als ökologische Vorrangflächen brach lägen: „Diese vorübergehend zu nutzen, kann Menschenleben retten und ist für die Umwelt verträglich machbar.“

Gegen Anstieg der Futtermittelpreise: Özdemir erweitert Nutzung von Öko-Flächen

Der deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir kündigt eine vorübergehende Aufweichung von Anbauvorschriften an.

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Özdemir sprach sich gleichzeitig dafür aus, weniger Getreide für Tierfutter und Biosprit zu verwenden. „Ich finde es nicht vertretbar, dass in Deutschland 60 Prozent des Getreides in Futtertrögen landen, während anderswo Menschen hungern - übrigens auch schon vor dem Krieg“, sagte er. Ein Teil der Lösung seien weniger Tiere, weniger Fleischkonsum.

Der Minister kritisierte auch den Umgang mit Biosprit: „Es ist nicht nachhaltig, Weizen und Mais in den Tank zu schütten.“ Mit den Flächen, die weltweit dafür verwendet werden, könnte man hungernde Menschen ernähren. „Global gesehen, müssen wir den Biosprit auf jeden Fall reduzieren.“ Er sei dazu im Gespräch mit Umweltministerin Steffi Lemke und Wirtschaftsminister Robert Habeck (beide Grüne).

„Wir werden nicht aus der Krise rauskommen, indem wir die andere Krisen verschärfen“, sagte der Grünen-Politiker Özdemir weiter. Ein Zurück zu einer Politik der Maximierung und des „Wachse oder weiche“, die jeden Tag ein Höfesterben verursacht habe, sei nicht sein Weg.

Tierwohlabgabe möglich?

Der Minister bekräftigte bei der Veranstaltung des Verbands Deutscher Agrarjournalisten, dass noch in diesem Jahr eine staatliche Tierhaltungskennzeichnung für Fleisch auf den Weg gebracht werden soll. Sie soll im ersten Schritt mit Schweinefleisch starten. Zentral sei eine gesicherte Finanzierung für die Bauern. Dabei könne dieser Weg nicht allein über den Handel führen, sondern der Staat müsse eine Rolle für Vertrauensschutz und Investitionssicherheit spielen.

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Über ein Finanzierungssystem werde in der Ampel-Koalition beraten. Özdemir legte sich nicht auf ein Modell fest, ließ aber Sympathien für eine Umlage erkennen. Im Gespräch ist nach Empfehlungen einer Expertenkommission eine Tierwohlabgabe auf tierische Produkte. Denkbar wäre etwa ein Aufschlag von 40 Cent pro Kilogramm Fleisch.

RND/dpa

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