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Ukrainer sollen gegen eigene Armee kämpfen

Russland plant Zwangsrekrutierung in Cherson: Warum das ein schwerer Fehler sein könnte

Russland verteilt Lebensmittel an die ukrainische Bevölkerung in der besetzten Region Cherson.

Russland plant offenbar in der besetzten Region Cherson, die ukrainische Bevölkerung zum Kampf gegen die eigene Armee zu zwingen. Das berichtet der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte. Unabhängig überprüfen lässt sich das nicht. Doch auch der Militärexperte Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations (ECFR) weiß von der Idee. „Russland plant Zwangsrekrutierung in Gebieten, die es bereits unter Kontrolle hat“, sagte Gressel dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Dies sei bereits in den vergangenen Wochen vorgekommen, berichtete Gressel. „Im Donbass wurden bereits 16- und 17-Jährige zwangsrekrutiert“, sagte der Experte dem RND, „aber sie kämpfen nicht sehr motiviert.“ Hat Russland in Cherson jetzt das Gleiche vor?

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Militärexperte Gressel warnte davor, dass Russland damit einen Fehler begehen könnte. „Wenn Russland nun auch in Cherson die ukrainische Bevölkerung für den Kampf gegen die eigene Armee rekrutieren will, birgt das eher die Gefahr, dass sich einige gegen die russischen Offiziere auflehnen.“ Dass ukrainische Zivilisten von Russland mit Waffen für Kämpfe ausgestattet wurden, dann aber die russischen Offiziere getötet haben, habe es bereits in der Vergangenheit gegeben.

Selbst wenn die russischen Soldaten in Cherson einige Zivilisten zwangsrekrutieren könnten, dürfte sich das kaum auf die Kampfkraft Russlands auswirken. „Die meisten Männer wurden ohnehin schon eingezogen, sodass Russland vor allem auf Minderjährige und Ältere zurückgreifen könnte“, so Gressel. Bei der geringen Motivation wären sie kaum eine Hilfe.

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Zu diesem Ergebnis kommt auch das renommierte „Institute for the Study of War“ (ISW) in seinem aktuellen Lagebericht. Wenn Russlands Bemühungen Erfolg haben, ist es „höchst unwahrscheinlich, dass sie eine nennenswerte Kampfkraft erzeugen“. Auch dort geht man eher davon aus, dass es im Fall einer Zwangsrekrutierung zu mehr Protesten und „Partisanenaktionen gegen die russischen Streitkräfte in diesen Regionen“ kommen würde.

Die Region Cherson ist weitgehend von russischen Truppen besetzt. Allerdings gab es in den vergangenen Tagen immer wieder Gegenangriffe der ukrainischen Streitkräfte. Es soll lokale Angriffe Russlands gegeben haben, um den Druck der ukrainischen Armee auf die Regionalhauptstadt Cherson zu verringern. Ukrainische Stellungen in Oleksandrivka westlich der Stadt Cherson sollen angegriffen worden sein. Auch diese Angaben lassen sich nicht unabhängig bestätigen.

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Unterdessen soll Russland nach ukrainischen Angaben ein Referendum über die Gründung einer „Volksrepublik Cherson“ vorbereiten. Cherson grenzt an die Krim, die Russland bereits 2014 völkerrechtswidrig annektiert und ein Referendum durchgeführt hatte.

Wie ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte mitteilten, wolle Russland jetzt nach Luhansk und Donezk mit Cherson eine weitere prorussische „Volksrepublik“ in der Ukraine etablieren. Das Referendum soll demnach am 1. Mai stattfinden. Eine Bevölkerungszählung soll von den russischen Truppen für den 2. bis 10. Mai in Cherson angekündigt worden sein.

Bereits im März hatten die kremltreuen Führer von Luhansk und Donezk erklärt, bald ein Referendum über den Beitritt zu Russland abhalten zu wollen. Vertreter aus Kiew hatten immer wieder betont, dass beide Gebiete zur Ukraine gehören.

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